Zehn Fragen an Bernhard Brand

Rubrik: Zehn Fragen an

Wir bieten individualisierbare Behandlungsoptionen

»Zehn Fragen an …« Bernhard Brand. Brand ist seit 1998 Geschäftsführer im Landshuter Kinderkrankenhaus St. Marien. In unserem Interview spricht er über gesundheitspolitische Fehler im Alltag einer Kinderklinik und wie man diese zumindest reduzieren könnte.  

Das klassische Setting: Die berühmte Fee und der berühmte Wunsch; in unserem Fall bezieht sich der Wunsch auf das Gesundheitssystem. Was wünschen Sie sich?

Brand: Ich wünsche mir in meiner Funktion als Geschäftsführer des Kinderkrankenhauses St. Marien, Landshut, dass es für alle Gesundheitsleistungen nur  e i n e  Finanzierungsquelle gibt. Die sektorenbezogene, aktuelle Trennung der Finanzierung in die Bereiche stationär – ambulant erschwert bzw. verhindert eine sektorenübergreifende Zusammenarbeit. Das kostet Geld und beeinträchtigt meines Erachtens die Behandlungsqualität. Mir als Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse ist die Art und Weise der Finanzierung völlig egal.
Weiterhin wünschte ich mir eine Änderung der Krankenhausfinanzierung: Als Kinderkrankenhaus haben wir enorme Vorhaltekosten. Die Vielfalt der Kinderheilkunde – vom Frühgeborenen bis zum Volljährigen – erfordert bei fast allen medizinischen Fragestellungen eine besondere Expertise. Hier wünschte ich mir, dass diese Vorhaltekosten im Sinne einer Sockel- oder Basisfinanzierung übernommen werden würden. Mit den fallbezogenen Pauschalen (DRG’s) wäre immer noch ein Leistungsbezug vorhanden. Dies würde auch den systemimmanenten Fehler reduzieren, dass wir in wirtschaftlicher Hinsicht davon „leben“, dass es viele schwerkranke Kinder gibt. Hier könnte ich noch vieles ausführen, will mich aber beschränken.

 

Während weite Teile der Bevölkerung Homöopathie sehr gerne in Anspruch nehmen, steht die Wissenschaft der Homöopathie tendenziell skeptisch gegenüber. Halten Sie Homöopathie-Forschung für sinnvoll?

Brand: Vom Grundsatz her bin ich der Meinung „wer heilt hat Recht“. Weiterhin bin ich überzeugt, dass die Stimulierung der Selbstheilungskräfte erheblichen Einfluss auf die Krankheitsbewältigung hat. Offensichtlich hat die Homöopathie hier einen sehr positiven Einfluss. Insofern halte ich die Homöopathie-Forschung für sinnvoll. Ein Problem sehe ich eher darin, dass im Prinzip „jeder“ Globuli verabreichen darf. Im Kinderkrankenhaus bieten wir schon seit 2003 durch eine Kinderärztin eine homöopathische Begleitbehandlung auf höchstem Niveau an. 

 

Schon seit mehreren Tagen fühlen Sie sich schlapp. Sie spüren, ein bisschen fehlt die Energie. Was tun Sie?

Brand: Zunächst suche ich das Gespräch mit meiner Frau. Sehr gerne höre ich laute Musik mit Kopfhörer, gerne Vivaldi, Mozart oder auch Tracy Chapman. Selbstverständlich denke ich auch darüber nach, an was es liegen könnte, dass mir die Energie ausgeht. Dann gilt es, die „Energiefresser“ zunächst zu identifizieren und dann dagegen anzugehen (sofern das geht!). 

 

Zehn Fragen an … Die Interview-Reihe der Carstens-Stiftung.

Zehn Fragen an …

Experten antworten!
Alle Interviews unserer Reihe finden Sie hier.

Die deutsche Forschungslandschaft Medizin: Was ist verbesserungswürdig?

Brand: Das kann ich nicht beurteilen; ich kann hier nur mutmaßen, dass der interdisziplinäre Ansatz zu kurz kommen könnte.

 

Welche drei Attribute beschreiben das optimale Arzt-Patienten-Verhältnis?

Brand: Ehrlichkeit, Ganzheitlichkeit und Vertrauen

 

Omas bestes Hausmittel war …?

Brand: Der Zwiebelwickel beim Bienenstich.

 

Evidenzbasierte Medizin mit ihrer Forderung nach randomisierten, kontrollierten, doppelblinden Studien und viele Verfahren der Komplementärmedizin stehen ja sozusagen auf dem Kriegsfuß. Haben Sie einen Lösungsvorschlag?

Brand: Ein größeres Maß an Toleranz und Akzeptanz. Paradigmen und Rechthaberei führen in die Irre. Wir im Kinderkrankenhaus haben es geschafft, die klassischen Behandlungsmethoden mit naturheilkundlichen zu vereinen (integrative Medizin). Die Individualität des Menschen wird von allen Seiten bestätigt; demzufolge braucht es auch individualisierte Behandlungsoptionen. Gerade bei Kindern ist das offensichtlich, Standardverfahren sind nicht anwendbar. In diesem Kontext spielt auch das jeweilige Menschenbild eine zentrale Rolle.

 

Welche Maßnahme reißt Sie aus dem Stimmungstief?

Brand: Ich setze mich mit einem Glas Rotwein an meinen Teich; wenn’s ganz schlimm ist, dann rauche ich noch eine …

 

Kennen Sie eine humorige Anekdote aus dem Ärztestand oder der Medizinwelt?

Brand: Da schweige ich lieber …

 

Sind Sie Mitglied von Natur und Medizin und wenn ja, warum?

Brand: Nein, ich bin wegen vieler sonstiger Mitgliedschaften kein Mitglied. Ich bin aber der Carstens-Stiftung sehr dankbar, weil sie uns bei der Etablierung der integrativen Medizin maßgeblich unterstützt hat. Ohne sie hätten wir das Projekt nicht in der Form systematisch umsetzen können.

 

Lieber Herr Brand, vielen Dank für das Interview.

Natur und Medizin e.V.


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Bernhard Brand

ist seit 1998 Geschäftsführer im Kinderkrankenhaus St. Marien.


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(Veronica Carstens)