Zehn Fragen an

Wenn der Patient sich nicht aussuchen darf, wie er behandelt wird

»Zehn Fragen an …« Kai Scheffer
Kai Scheffer ist Physiotherapeut und Yogalehrer an der Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin in Essen.

Das klassische Setting: Die berühmte Fee und der berühmte Wunsch; in unserem Fall bezieht sich der Wunsch auf das Gesundheitssystem. Was wünschen Sie sich?

Scheffer: Ich wünsche mir, dass mehr Therapien aus dem komplementärmedizinischen Spektrum von der Kasse übernommen werden. Ich halte es wirklich für ein Unding, wenn der Patient selbst sich nicht aussuchen darf, wie er behandelt wird, obwohl er sein Leben lang in die Kasse einzahlt. Wie diese Vorgehensweise juristisch gesehen möglich ist, ist mir ein echtes Rätsel.

 

Omas bestes Hausmittel war …?

Scheffer: Wadenwickel bei Fieber, Zwiebelsud für die Ohren, Kamille bei entzündlichen Vorgängen. 

 

Während weite Teile der Bevölkerung Homöopathie sehr gerne in Anspruch nehmen, steht die Wissenschaft der Homöopathie tendenziell skeptisch gegenüber. Halten Sie Homöopathie-Forschung für sinnvoll?

Scheffer: Ja.

 

Schon seit mehreren Tagen fühlen Sie sich schlapp. Sie spüren, ein bisschen fehlt die Energie. Was tun Sie?

Scheffer: Ich biete der Müdigkeit Platz. Ich schlafe viel, nehme Wannenbäder, betreibe generell viel Körperpflege. Ich führe mir gute Sachen zu: Gutes Essen, auch Vitamine in Form von Obst.

 

Zehn Fragen an … Die Interview-Reihe der Carstens-Stiftung.

Zehn Fragen an …

Was antworten die anderen Experten?
Alle Interviews unserer Reihe finden Sie hier.

Die deutsche Forschungslandschaft Medizin: Was ist verbesserungswürdig?

Scheffer: Wir brauchen mehr unabhängige Forschung. Dabei sollten nicht allein Wirkstoffe, sondern auch der Mensch als Ganzes in seinem psycho-sozialen Umfeld unter die Lupe genommen werden.

 

Welche drei Attribute beschreiben das optimale Arzt-Patienten-Verhältnis? 

Scheffer: Vertrauen; eine umfassende und unvoreingenommene  Wahrnehmung, die über das offensichtliche Symptom hinausschaut; letztlich Empathie.

 

Evidenzbasierte Medizin mit ihrer Forderung nach randomisierten, kontrollierten, doppelblinden Studien und viele Verfahren der Komplementärmedizin stehen ja sozusagen auf dem Kriegsfuß. Haben Sie einen Lösungsvorschlag?

Scheffer: Ich denke, eine Lösung muss mit einer Bewusstseinsveränderung einhergehen. Es kann einfach nicht sein, dass Methoden vorgegeben werden, die Jahrhunderte alte Erfahrungen unberücksichtigt lassen. Die Zusammenhänge in Körper und Geist sind komplizierter als die Addition kleiner Zahlen. 

 

Welche Maßnahme reißt Sie aus dem Stimmungstief?

Scheffer: Yoga, Musik, Natur.
Mit Yoga meine ich vor allem Iyengar-Yoga. Asansas, die die Brust öffnen. Rückbeugen, beispielsweise, lösen Beklemmungen und öffnen die Brust! Bei der Musik meine ich nicht nur das eigene Musizieren. Ist die Stimmung im Keller, höre ich gerne Gypsy-Musik oder Rembetico, generell also eher melancholische Musik. Ich tauche mithilfe der Musik derart tief ein in die Stimmung, dass ich sie irgendwann loswerde. Und mit Natur meine ich natürlich vor allem Spaziergänge an der frischen Luft, insbesondere im Wald.

 

Kennen Sie eine humorige Anekdote aus dem Ärztestand oder der Medizinwelt?

Scheffer: Nein, meine bisherigen Erfahrungen mit Ärzten waren weniger humorig. Das mag aber auch mit einer diesbezüglichen Renitenz zu tun haben, die mir wohl einfach innewohnt.

 

Sind Sie Mitglied von Natur und Medizin und wenn ja, warum?

Scheffer: Nein.

 

Lieber Kai Scheffer, vielen Dank für das Interview.

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Kai Scheffer

arbeitet seit 25 Jahren als Physiotherapeut, seit 12 Jahren an der Öffnet externen Link in neuem FensterKlinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin der Kliniken Essen-Mitte. Mitte der 90er Jahre Ausbildung zum Yoga-Lehrer (Hatha-Yoga nach B.K.S. Iyengar).


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(Veronica Carstens)