Zehn Fragen an

Im Stimmungstief? Rockmusik!

»Zehn Fragen an …« Professor Andreas Michalsen.
Der Vorstandsvorsitzende der Carstens-Stiftung : Natur und Medizin über Maßnahmen, die ihn aus dem Stimmungstief reißen und – beim Blick auf die medizinische Forschungslandschaft – was ihn daran besonders nervt.

Das klassische Setting: Die berühmte Fee und der berühmte Wunsch; in unserem Fall bezieht sich der Wunsch auf das Gesundheitssystem. Was wünschen Sie sich?

Michalsen: Ich wünsche mir, dass all das, was wir in den letzen 20 Jahren im Bereich Komplementärmedizin und Naturheilkunde erforscht haben, endlich auch bei den Krankenkassen Berücksichtigung findet. Wir haben die Wirksamkeit verschiedener komplementärmedizinischer Behandlungen belegt, aber bei den Kassen passiert einfach nichts. Ich wünsche mir, dass endlich alle Patienten in den Genuss dieser Behandlungen kommen können..

 

Omas bestes Hausmittel war …?

Michalsen: … das heiße Fußbad bei beginnender Erkältung.

 

Während weite Teile der Bevölkerung Homöopathie sehr gerne in Anspruch nehmen, steht die Wissenschaft der Homöopathie tendenziell skeptisch gegenüber. Halten Sie Homöopathie-Forschung für sinnvoll?

Michalsen: Ich halte die Homöopathie-Forschung für sehr sinnvoll. Wir sind sogar verpflichtet, die Rätsel und bestehenden Widersprüche in den klinischen Studien aufzulösen. Vor allem sollten wir mehr über die Rolle der Anamnese und die Resonanz zwischen Arzt und Patient herausfinden. Wichtig wäre mir auch mehr Aufklärung über die unterschiedliche Wirkung von Hoch- und Tiefpotenzen.

 

Schon seit mehreren Tagen fühlen Sie sich schlapp. Sie spüren, ein bisschen fehlt die Energie. Was tun Sie?

Michalsen: Ganz eindeutig: Viel schlafen. Was man gut auch zuhause machen kann: Kneipp‘sche Anwendungen, also Wechselduschen, Knie- und Gesichtsgüsse. Und natürlich in die Sauna gehen, auch Yoga, Jogging, Ingwer-Tee. Und: Grüne Smoothies mit einem Schuss Granatapfel.

 

Zehn Fragen an … Die Interview-Reihe der Carstens-Stiftung.

Zehn Fragen an …

Was antworten die anderen Experten?
Alle Interviews unserer Reihe finden Sie hier.

Die deutsche Forschungslandschaft Medizin: Was ist verbesserungswürdig?

Michalsen: Ich habe den Eindruck, dass sich Etablierte und Gutachter das Geld oft gegenseitig zuschieben. Einige neue oder besondere Fachgebiete wie die Naturheilkunde haben demgegenüber keine Lobby und damit letztlich keine gleichberechtige Chance auf Förderung. Bei der DFG stoßen Themen zur Komplementärmedizin und Naturheilkunde in der Regel auf große Ablehnung. Das ist nicht nur unfair, sondern widerspricht auch dem ausdrücklichen und vielfach belegten Wunsch der deutschen Bevölkerung diese Verfahren mehr zu berücksichtigen.

 

Welche drei Attribute beschreiben das optimale Arzt-Patienten-Verhältnis? 

Michalsen: Empathisch, begleitend-partizipativ und klar (im Sinne einer ehrlichen Kommunikation zwischen Arzt und Patient)

 

Evidenzbasierte Medizin mit ihrer Forderung nach randomisierten, kontrollierten, doppelblinden Studien und viele Verfahren der Komplementärmedizin stehen ja sozusagen auf dem Kriegsfuß. Haben Sie einen Lösungsvorschlag?

Michalsen: Ich denke zum einen, dass mehr Geld für die Erforschung von Komplementärmedizin und Naturheilkunde zur Verfügung gestellt werden sollte. Dann können viele der fehlenden notwendigen Studien durchgeführt werden. Zum anderen müssen sich, da bin ich sicher, einige von der unrealistischen Vorstellung verabschieden, alle Aspekte innerhalb der weiten Welt der Medizin könnten mit randomisierten Studien erforscht und untermauert werden. Hierfür ist weder das Geld noch die Zeit vorhanden.

 

Welche Maßnahme reißt Sie aus dem Stimmungstief?

Michalsen: Da fällt mir als Erstes ein: Meditation. Gut ist gewiss auch, sich ein wenig zu verwöhnen, vielleicht mit feiner Schokolade und einem guten italienischen Espresso. Und knackige Rockmusik oder Soulmusik, gerne die Foo Fighters, Prince oder Wilco.

 

Kennen Sie eine humorige Anekdote aus dem Ärztestand oder der Medizinwelt?

Michalsen: Ein Facharzt für Akupunktur und ein Chirurg streiten sich. Brüllt der Akupunkteur: „Sie sind ein wüster Aufschneider!“ Darauf der Chirurg: „Ach, hörn Sie doch auf mit Ihren ewigen Sticheleien!“

 

Sind Sie Mitglied von Natur und Medizin und wenn ja, warum?

Michalsen: Gut, die Frage ist jetzt im Zusammenhang mit meiner Person etwas speziell, da ich ja im Vorstand von Natur und Medizin und Vorstandsvorsitzender der Carstens Stiftung bin. Ich war aber auch vor meiner Zeit als Vorsitzender der Carstens-Stiftung Mitglied bei Natur und Medizin. Ganz einfach um das Ziel zu unterstützen, dass möglichst bald viele Menschen in den Genuss seriöser komplementärmedizinischer Behandlungen kommen können.

 

Lieber Herr Professor Michalsen, vielen Dank für das Interview.

Carstens-Stiftung : Natur und Medizin


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Prof. Dr. Andreas Michalsen

ist Vorstandsvorsitzender der Karl und Veronica Carstens-Stiftung und seit 2009 Chefarzt der Abteilung Öffnet externen Link in neuem FensterNaturheilkunde im Immanuel Krankenhaus Berlin und Inhaber der Stiftungsprofessur für klinische Naturheilkunde am Öffnet externen Link in neuem FensterInstitut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Charité-Universitätsmedizin Berlin.

Als Facharzt für Innere Medizin promovierte er im Bereich Kardiologie und bildete sich außerdem in den Bereichen Notfall-/Rettungsmedizin und Naturheilverfahren fort. Zu seinen Fachgebieten gehören u.a. Homöopathie, Physikalische Medizin und Balneologie, Ernährungsmedizin, Akupunktur und Mind-Body Medizin.


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(Veronica Carstens)