Carstens-Stiftung: Alois Schnaubelt Habilitationsprogramm

4 Habilitationsstellen in der Naturheilkunde und Komplementärmedizin

Carstens-Stiftung stellt bis zu 1,2 Mio. EUR für Wissenschaft und Forschung bereit

Im Rahmen des Alois Schnaubelt-Habilitationsprogramms ermöglicht die Carstens-Stiftung vier ÄrztInnen die Habilitation. "Damit reagieren wir gleich auf zwei aktuelle epidemiologische bzw. gesundheitsökonomische Herausforderungen", sagt Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. med. Andreas Michalsen. "Denn zum einen schließen wir die wissenschaftliche Nachwuchslücke im Bereich der universitären Naturheilkunde und Komplementärmedizin. Zum anderen werden die geförderten Projekte wichtige Erkenntnisse zur integrativen Behandlung und Prävention von Erkrankungen liefern, unter denen in der heutigen Zeit immer mehr Menschen leiden: Stress-Syndrome, psychische Erkrankungen und Nervenerkrankungen, Herz- und Gefäßerkrankungen sowie Krebs. Damit leistet die Carstens-Stiftung einen Beitrag zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung."

Mit einer Gesamtfördersumme von bis zu 1,2 Millionen Euro ist das Alois Schnaubelt-Habilitationsprogramm das bisher größte Projekt der Carstens-Stiftung. Über einen Zeitraum von drei Jahren erhalten vier Habilitanden jeweils bis zu 300.000 Euro.

Prävention durch Lebensstilmodifikationen

Habilitationsprogramm: Dr. Michael JeitlerDr. med. Michael Jeitler, der sich in der Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin in der Öffnet externen Link in neuem FensterAbteilung für Naturheilkunde am Immanuel Krankenhaus Berlin befindet, wird untersuchen, inwieweit eine pflanzenbasierte Ernährung dazu beiträgt, Risikofaktoren für eine kardiovaskuläre Erkrankung – zu diesen zählen Übergewicht, Cholesterinerhöhung und Bluthochdruck – zu minimieren. In einer weiteren Studie wird es darum gehen, die Effekte von Yoga und Meditation auf das Stressempfinden und die Lebensqualität von Menschen mit erhöhter Stressbelastung zu evaluieren und mit denen der konventionellen Psychoedukation zu vergleichen. Seine dritte Arbeit befasst sich schwerpunktmäßig mit den Wirkungen der Mind-Body-Medizin auf die psychischen Parameter Angst und Depression, auf Fatigue und die Lebensqualität von Brustkrebspatientinnen.

Erweiterung onkologischer Behandlungskonzepte

Habilitationsprogramm: Dr. Petra VoißDie Integrative Onkologie bei Mammakarzinom ist ebenfalls der Fokus von Dr. med. Petra Voiß, Oberärztin in der Öffnet externen Link in neuem FensterKlinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin der Kliniken Essen-Mitte. Ihr Schwerpunkt wird darauf liegen, die Wirksamkeit von naturheilkundlichen Therapien auf die Schlafqualität bei Patientinnen mit Brustkrebs zu untersuchen. Denn kurz nach Diagnosestellung leiden knapp 70% unter beeinträchtigenden Schlafstörungen. In der bisherigen Forschung wurde der Schlaf oft vernachlässigt, dabei beeinflusst er die Stresshormon-Achse und das vegetative Nervensystem, welche wiederum die Immunabwehr regulieren. Kurz: Ein gesunder Schlaf könnte Einfluss auf die Prognose haben. Darüber hinaus sollen wirksame Maßnahmen bei krebsbedingter Erschöpfung und zur Linderung von Nebenwirkungen identifiziert werden, damit sie in onkologische Behandlungskonzepte integriert werden können.

Neues Therapieverfahren bei psychischen Erkrankungen

Habilitationsprogramm: Dr. Holger BringmannKonventionelle Konzepte um komplementärmedizinische Maßnahmen zu erweitern, ist auch das Ziel von Dr. med. Holger Bringmann, allerdings für einen anderen Bereich. Der Funktionsoberarzt der Öffnet externen Link in neuem FensterKlinik für Psychiatrie im Diakoniewerk Zschadraß erklärt: "In der Europäischen Union sind mehr als ein Drittel der Gesamtbevölkerung an einer psychischen Störung erkrankt – weniger als ein Drittel aller Betroffenen erhalten jedoch eine fachspezifische Behandlung." Diesem Bedarf wird Dr. Bringmanns Forschungsprojekt mit der Entwicklung eines neuen Therapieverfahrens begegnen: der Meditationsbasierte Lebensstilmodifikation (MBLM) bei Depression, Abhängigkeitserkrankung oder chronischen Schmerzen. Dabei handelt es sich um eine Erweiterung der Mind-Body-Medizin, die auf eine ausgeglichene Lebensführung und Selbstregulation abzielt. Neu beim Ansatz der MBLM ist die Mantra-Meditation als zentraler Bestandteil, die Einbeziehung von Ethik und Spiritualität sowie Prinzipien aus dem Ayurveda und Yoga – etwa die integrale Sicht auf Körper, Geist und Seele.

Weniger Medikamente in der Schmerztherapie

Habilitationsprogramm: Dr. Joanna DietzelDie vierte Habilitandin ist Dr. med. Joanna Dietzel, Fachärztin für Neurologie am Öffnet externen Link in neuem FensterInstitut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Charité Berlin. Sie wird zwei Studien zur Akupunktur bei Nervenschmerzen durchführen. Denn gerade bei älteren Menschen, die einerseits ein höheres Risiko für neurologische Erkrankungen haben und andererseits häufig bereits viele Medikamente nehmen müssen, stellen die medikamentenfreien Therapiestrategien der Komplementärmedizin eine wichtige Option dar. In einer Studie soll daher die Akupunktur bei Polyneuropathie zum Einsatz kommen, einer häufigen Begleiterkrankung bei Diabetes, die mit Schmerzen und Missempfindungen in den Füßen einhergeht. In der anderen bei Trigeminusneuralgie, einer meist einseitigen Erkrankung des Gesichtsnervs, die sich durch blitzartig auftretende und äußerst starke Gesichtsschmerzen äußert. Sollte sich bestätigen, dass sich durch Akupunktur Medikamente und damit Nebenwirkungen einsparen lassen, wäre dies ein wichtiger Schritt in der Schmerzbehandlung.

Hohe wissenschaftliche Qualität

Die skizzierten finalen vier Anträge wurden aus insgesamt 12 ausgewählt, nachdem drei unabhängige Gutachter sie hinsichtlich Durchführbarkeit und Qualität geprüft hatten. "Alle Studien, die die Carstens-Stiftung im Rahmen des Habilitationsprogramms fördert, genügen daher äußerst hohen bis zu den höchsten wissenschaftlichen Kriterien – dadurch werden die Ergebnisse belastbar sein", so Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. med. Andreas Michalsen. Die Geschäftsführerin der Carstens-Stiftung, Nicole Germeroth, ergänzt: "Damit ist gewährleistet, dass die gefundenen Erkenntnisse nicht im Elfenbeinturm der Wissenschaft verbleiben, sondern auch tatsächlich Einzug in die Patientenversorgung erhalten können."

Alois Schnaubelt (*15.07.1923, †05.05.2016) war Wirtschaftsprüfer aus München und lange Jahre als Berater und Leiter Rechnungswesen für die Firma Weishaupt in Schwendi tätig. Er verkörperte das, was man einen ehrbaren Kaufmann nennt. Die Karl und Veronica Carstens-Stiftung ist seine Erbin. Wir möchten sein Andenken bewahren. Dank ihm können wir das Alois Schnaubelt-Habilitationsprogramm ins Leben rufen.

Die Carstens-Stiftung : Natur und Medizin aus Essen setzt sich seit 1982 für die Verankerung von Naturheilkunde und Homöopathie in der Medizin ein. Hauptaufgaben sind die Förderung wissenschaftlicher Forschung und des medizinischen Nachwuchses sowie die fundierte Aufklärung über Anwendung und Nutzen der Komplementärmedizin.

Michèl Gehrke

Michèl Gehrke, M.A.
Pressesprecher

Telefon: 0201 56 305 61
E-Mail: Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-Mailm.gehrke@carstens-stiftung.de