Zehn Fragen an Dr. Ute Boeddrich.

Rubrik: Zehn Fragen an

Konventionelle Medizin ist auch nicht immer evidenzbasiert

»Zehn Fragen an …« Dr. med. Ute Boeddrich
Dr. Boeddrich ist seit 1986 in eigener Praxis als Ärztin niedergelassen mit den Zusatzbezeichnungen Homöopathie, Naturheilverfahren und Akupunktur.

Das klassische Setting: Die berühmte Fee und der berühmte Wunsch; in unserem Fall bezieht sich der Wunsch auf das Gesundheitssystem. Was wünschen Sie sich?

Boeddrich: Ich plädiere für eine freie Arztwahl und eine Kostenerstattung für alle existierenden Diagnose- und Therapieverfahren. Im Hinblick auf bereits anfallende Zuzahlungen der Patienten denke ich auch an unterschiedliche Tarifmodelle nach dem Motto: Was ist mir meine Gesundheit wert?  

 

Während weite Teile der Bevölkerung Homöopathie sehr gerne in Anspruch nehmen, steht die Wissenschaft der Homöopathie tendenziell skeptisch gegenüber. Halten Sie Homöopathie-Forschung für sinnvoll?

Boeddrich: Ich bin Tochter eines homöopathischen Arztes …
Natürlich ist weitere Forschung sinnvoll. Auch hoffe ich, dass es bald feinere Methoden geben wird, die Beweise für die exakte Wirkweise der Homöopathie finden. Jedoch: Erfahrung kommt vor Wissenschaft. Ich persönlich denke, dass bereits Forschung existiert, die den therapeutischen Nutzen der Homöopathie hinreichend belegt. Man kann sich durch die Öffnet internen Link im aktuellen FensterDatenbanken der Carstens-Stiftung leichter Hand einen Überblick verschaffen.       

 

Schon seit mehreren Tagen fühlen Sie sich schlapp. Sie spüren, ein bisschen fehlt die Energie. Was tun Sie?

Boeddrich: Eventuell hole ich Schlaf nach. Auch Nordic Walking finde ich sehr belebend. In Abhängigkeit von meiner Stimmung höre ich gerne Musik, mal Italienische Opern, mal Violinkonzerte, aber auch Soul, wie z. B. Percy Sledge. Ja, Musik wirkt wahre Wunder. Man kennt das ja ebenso aus aktueller Forschung zur Demenz (in Kombination mit ätherischen Ölen).  

 

Zehn Fragen an … Die Interview-Reihe der Carstens-Stiftung.

Zehn Fragen an …

Was antworten die anderen Experten?
Alle Interviews unserer Reihe finden Sie hier.

Die deutsche Forschungslandschaft Medizin: Was ist verbesserungswürdig?

Boeddrich: Es fehlen öffentliche Gelder für die Erforschung der naturheilkundlichen Verfahren, der Homöopathie und der Komplementärmedizin. Stiftungen können dies allein nicht leisten. Die WHO-Strategie fordert klinische Studien im Zeitraum von 2014 bis 2023. In vielen Ländern, nur nicht in der Bundesrepublik, wird dies umgesetzt.    

Welche drei Attribute beschreiben das optimale Arzt-Patienten-Verhältnis?

Boeddrich: Vertrauen, Empathie und die Fähigkeit zum Perspektivwechsel

 

Omas bestes Hausmittel war …?

Boeddrich: Ganz entschieden: Der Quarkwickel! Nicht nur "bei Hals", sondern auch bei entzündlichen Schwellungen an Armen und Beinen, meinetwegen auch beim Wespenstich und sogar bei beginnender Venenentzündung hat der Quarkwickel immer wieder wunderbar geholfen. Die sehr einfache Anwendbarkeit sorgt bei Patienten außerdem für eine hohe Therapietreue.   

 

Evidenzbasierte Medizin mit ihrer Forderung nach randomisierten, kontrollierten, doppelblinden Studien und viele Verfahren der Komplementärmedizin stehen ja sozusagen auf dem Kriegsfuß. Haben Sie einen Lösungsvorschlag?

Boeddrich: Schwierig. Ich sage nochmal: Erfahrung kommt vor Wissenschaft. Generell ist mir Erfahrung sehr wichtig (Dr. Boeddrich ist 1. Vorsitzende der Ärztegesellschaft für Erfahrungsheilkunde, Anmerkung der Redaktion). Wichtig ist auch die Aufklärung darüber: In der konventionellen Medizin ist ja auch nicht immer alles evidenzbasiert! Und ich möchte betonen: Im Grunde heilen wir ja nicht. Wir regen die Selbstheilungskräfte der Patienten an. Das ist ein sehr breites Konzept. Vielleicht braucht es nur ein wenig Geduld und weitere Anstrengungen, Forschungsgelder zu akquirieren.

 

Welche Maßnahme reißt Sie aus dem Stimmungstief?

Boeddrich: Kontakte mit lieben Menschen. Träumen. Beim Radfahren in die schön gepflegten Vorgärten schauen. Lesen.

 

Kennen Sie eine humorige Anekdote aus dem Ärztestand oder der Medizinwelt?

Boeddrich: Chefvisite bei einer dementen alten Dame: "Können Sie sich ein bisschen zu mir legen, Herr Doktor?" – "Später!"

 

Sind Sie Mitglied von Natur und Medizin und wenn ja, warum?

Boeddrich: Ich bin seit Jahren sehr gerne Mitglied. Die einzigartige Arbeit der Carstens-Stiftung : Natur und Medizin kenne und schätze ich sehr seit ungefähr 1993. Damals bin ich im Anschluss an eine Rede, die Frau Dr. Carstens in der Lorscher Nibelungenhalle hielt, mit einem Blumenstrauß auf die Bühne geeilt, schnappte mir das Mikro und bedankte mich vor den über 1000 Zuhörern empathisch für ihre Arbeit. Ich habe den Eindruck, dass in den drei Jahrzehnten viele hervorragende Mitarbeiter und kluge Köpfe der Carstens-Stiftung : Natur und Medizin erwachsen sind, die weiterhin im Sinne des Gründerehepaars Carstens für die Naturheilverfahren, die Homöopathie und für die Patienten agieren.    

 

Liebe Frau Dr. Boeddrich, vielen Dank für das Interview.

Carstens-Stiftung : Natur und Medizin


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Dr. med. Ute Boeddrich

ist seit 1986 in eigener Praxis als Ärztin niedergelassen mit den Zusatzbezeichnungen Homöopathie, Naturheilverfahren und Akupunktur.

Funktionen:
seit 1990: 1. Vorsitzende des Öffnet externen Link in neuem FensterHessischen Ärzteverbandes - Naturheilverfahren - e. V.
1993 bis 2010: Mitglied der Arzneimittelkommission der Hufeland-Gesellschaft e.V.
1997 bis 2010: Vorstandsmitglied der Öffnet externen Link in neuem FensterHufeland-Gesellschaft e.V. seit 2002: 2. Vorsitzende der Öffnet externen Link in neuem FensterÄrztegesellschaft für Erfahrungsheilkunde e.V.  
seit 2010: 1. Vorsitzende der Öffnet externen Link in neuem FensterÄrztegesellschaft für Erfahrungsheilkunde e.V.
Seit 2005: Stellvertretende Vorsitzende der Kommission D des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte in Bonn (Öffnet externen Link in neuem FensterBfArM)

Außerdem: Regelmäßige Fort- und Weiterbildungstätigkeit sowie Teilnahme an Kongressen, Arbeitskreisen und Qualitätszirkeln für Homöopathie, Naturheilverfahren und Ayurveda, Internationalen Lüscher-Tagungen. Buch-Autorin:

  • Mitautor: Hufeland-Leistungsverzeichnis der Besonderen Therapierichtungen. Heidelberg; 2001, Haug
  • Boeddrich, Ute: Mind-Maps für die homöopathische Praxis. Stuttgart; 2006, Hippokrates
  • Boeddrich, Ute: Kinder homöopathisch behandeln. Stuttgart; 2008, Hippokrates
  • Беддрих Ута (Boeddrich, Ute): Схемы Mind-Maps для гомеопатической практики; Пер. с нем. М.: Арнебия. 2010. – 156 с., 444 илл.; ISBN 978-5-9244-0065-5

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„Der Arzt und die Ärztin der Zukunft sollen zwei Sprachen sprechen, die der Schulmedizin und die der Naturheilkunde und Homöopathie. Im Einzelfall sollen sie entscheiden können, welche Methode die beste für den Patienten ist.“

(Veronica Carstens)