Seelische Belastung bei Hautkrankheiten
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Integrative Medizin
Viele Menschen mit Schuppenflechte (Psoriasis) oder Neurodermitis (atopische Dermatitis) sind psychisch belastet. Sie fühlen sich niedergeschlagen, schämen sich für ihre Haut oder ziehen sich zurück. In der Hautarztpraxis wird das oft übersehen, und einen Psychotherapieplatz zu finden dauert lange. Ein Team der Universitäts-Hautklinik Kiel hat deshalb ein kurzes Gesprächsangebot entwickelt: nur drei Einzelgespräche, direkt in der Hautklinik.
Es heißt „Ultra-ISTST“ und beruht auf der Schematherapie, einer Form der Verhaltenstherapie. Sie geht davon aus, dass viele Menschen früh im Leben ungünstige Denk- und Verhaltensmuster entwickeln („Schemata“), etwa einen sehr strengen inneren Kritiker oder die Neigung, Problemen auszuweichen. Diese Muster sollen erkannt und verändert werden.
Die Studie ist eine Pilotstudie, also ein erster Probelauf. Sie sollte vor allem zeigen, ob so ein Angebot im Klinikalltag funktioniert und ob es erste Hinweise auf eine Wirkung gibt. Als wichtigstes Messziel hatten die Forscher vorab festgelegt, ob sich die Antworten auf zwei kurze Stimmungsfragen (PHQ-2, siehe unten) verbessern.
Hautkrankheiten
Entstehung, Ursachen & sanfte Therapiemöglichkeiten
Entstehung, Ursachen & sanfte Therapiemöglichkeiten
ISBN: 978-3-96562-090-2
Erscheinungsjahr: 2024
8,00 EUR
Zum Shop »Wer hat teilgenommen?
Zwischen Juni und August 2021 bekamen 885 Patient*innen der Kieler Hautambulanz beim Anmelden zwei kurze Fragen zu ihrer Stimmung, etwa ob sie in letzter Zeit niedergeschlagen waren oder wenig Freude hatten. Das ist der Fragebogen PHQ-2. 141 Patient*innen hatten auffällige Werte. Wer bereits eine diagnostizierte Depression hatte, wurde nicht aufgenommen, denn das Angebot richtet sich an belastete Menschen ohne ausgeprägte psychische Erkrankung.
Es gab 24 Plätze. Die Teilnehmer*innen waren im Schnitt knapp 48 Jahre alt, gut die Hälfte Frauen. 18 hatten Schuppenflechte, 6 Neurodermitis. Die meisten erhielten bereits moderne Medikamente wie Spritzen oder Tabletten für die Haut.
Wie lief die Studie ab?
Per Los kamen 11 Patient*innen in die Interventionsgruppe, die die Gespräche erhielt. 13 kamen in die Kontrollgruppe, die zunächst nur ihre normale Hautbehandlung bekam. Nach Ende der Studienphase durfte auch die Kontrollgruppe an den Gesprächen teilnehmen, 8 Personen taten das.
Die drei Einzelgespräche führten geschulte Psychotherapeut*innen. Sie dauerten je etwa 50 Minuten und fanden im Abstand von zwei Wochen statt:
- Kennenlernen und eigene Stärken. Wie belastet mich meine Hautkrankheit im Alltag? Was kann ich gut? Dazu eine Vorstellungsübung, in der man seinem erwachsenen und seinem kindlichen Ich begegnet.
- Bedürfnisse und Bewältigungsmuster. Was brauche ich eigentlich? Wie gehe ich mit Stress um, und was davon schadet mir? Als Hausaufgabe bewusst etwas Schönes genießen und das eigene Verhalten beobachten.
- Der innere Kritiker. Woher kommt die Stimme, die mich abwertet? Mit einer „Stuhlübung“: Man spricht zu einem leeren Stuhl, auf dem man sich den Kritiker vorstellt, und setzt ihm etwas entgegen.
Gemessen wurde mit Fragebögen zur Stimmung und Depressivität (PHQ-2, PHQ-9, BDI-II), zum Wohlbefinden (WHO-5) und zur Frage, wie stark die Haut das Leben beeinträchtigt (DLQI). Außerdem beurteilten Ärzt*innen den Hautzustand. Gemessen wurde zu Beginn, nach den drei Gesprächen und bei den Patient*innen mit Gesprächen noch einmal drei Monate später.
Was kam heraus?
Nach den drei Gesprächen ging es der Interventionsgruppe deutlich besser als der Kontrollgruppe: Die Patient*innen hatten weniger depressive Beschwerden, und ihre Hauterkrankung belastete sie im Alltag weniger. Beim allgemeinen Wohlbefinden gab es zu diesem Zeitpunkt noch keinen klaren Unterschied.
Drei Monate später war die Stimmung (gemessen mit den zwei Screening-Fragen) weiterhin besser als zu Beginn, und das Wohlbefinden hatte sich jetzt ebenfalls verbessert. Bei der Alltagsbelastung durch die Haut und bei ausführlicheren Depressions-Fragebögen war die Verbesserung aber nicht mehr eindeutig nachweisbar.
Unabhängig von der Haut: Die Forscher werteten aus, ob es den Patient*innen nur deshalb besser ging, weil ihre Haut besser wurde. Das war laut ihren Berechnungen nicht der Fall. Die Gespräche könnten also an etwas ansetzen, das mit dem Hautbefund selbst wenig zu tun hat. Bei so wenigen Teilnehmer*innen ist das allerdings nur ein vorsichtiger Hinweis.
Die Teilnehmer*innen waren sehr zufrieden und gaben überwiegend die Schulnoten 1 oder 2. Besonders geschätzt haben sie, die eigenen Stressfaktoren besser zu verstehen, sich in den Gesprächen sicher und angenommen zu fühlen und konkrete Übungen wie den Stuhldialog zu lernen. Einige berichteten, sie seien an ihre eigenen Stärken erinnert worden.
Nebenwirkungen wurden keine berichtet, allerdings auch nicht gezielt erfasst.
Einschätzung
Die Autor*innen nennen selbst mehrere Schwächen: Die Studie war sehr klein, fand nur an einer Uniklinik statt, und alle wussten, wer Gespräche bekam und wer nicht. Außerdem gab es keine Vergleichsgruppe mit einer anderen Art von Zuwendung, etwa allgemeinen Gesprächen. Es ist also unklar, ob speziell die Schematherapie geholfen hat oder einfach die Aufmerksamkeit und das Gefühl, ernst genommen zu werden.
Über diese Einschränkungen hinaus fallen weitere Punkte auf:
- Teilnehmer*innen wurden doppelt gezählt. Die 8 Patient*innen, die später aus der Kontrollgruppe in die Gespräche wechselten, flossen in beide Gruppen ein. So wurden aus 24 Teilnehmer*innen rechnerisch 32 (19 mit Gesprächen, 13 ohne). Das verzerrt den Vergleich. Wer freiwillig nachträglich teilnimmt, ist zudem vermutlich besonders motiviert, was das Ergebnis schönen kann.
- Ein Teil der Besserung wäre wohl auch von allein eingetreten. Aufgenommen wurde nur, wer gerade schlechte Stimmungswerte hatte. Solche Werte bessern sich beim nächsten Messen oft von selbst, weil schlechte Phasen vorübergehen. Tatsächlich besserte sich die Stimmung auch in der Kontrollgruppe ohne Gespräche.
- Die „anhaltende Wirkung“ ist dünner belegt, als es klingt. Nach drei Monaten war nur ein Teil der Verbesserungen noch messbar. Und für diesen Zeitpunkt gibt es keinen Vergleich mit der Kontrollgruppe.
- Vergleichbarkeit des Hautzustandes. In der Kontrollgruppe ging die Hautschwere deutlich zurück, in der Interventionsgruppe blieb sie fast gleich. Allerdings hatte die Kontrollgruppe zu Beginn auch die schwerere Schuppenflechte und damit mehr Spielraum für Besserung. Die beiden Gruppen waren also schon am Start nicht ganz vergleichbar.
Fazit
Die Studie zeigt, dass sich belastete Hautpatient*innen mit zwei kurzen Fragen schon bei der Anmeldung herausfiltern lassen. Ein kurzes Gesprächsangebot direkt in der Hautklinik ist machbar, und die Teilnehmer*innen nehmen es sehr gut an. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass schon drei Gespräche die Stimmung und den Umgang mit der Krankheit verbessern könnten.
Ein Beweis für die Wirksamkeit ist das aber noch nicht. Dafür war die Studie zu klein, und die Auswertung hat Schwächen. Die Autor*innen betonen selbst, dass das Angebot keine Psychotherapie ersetzt, sondern eine niedrigschwellige erste Unterstützung sein soll. Ob es wirklich wirkt, muss eine größere Studie an mehreren Kliniken zeigen.
Literatur zu "Seelische Belastung bei Hautkrankheiten"
1) von Spreckelsen R, Emmert H, Hartmann J, Hübenthal M, Weidinger S, Mrowietz U, Peters EMJ, Gerdes S. Psychoeducational schema therapy for psoriasis and atopic dermatitis: a randomized controlled pilot crossover trial. J Dtsch Dermatol Ges. 2026 Oct;24(10):e1441-e1450. doi: 10.1111/ddg.70020. Epub 2026 Mar 19. PMID: 41854066; PMCID: PMC13636097. Link
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt.








