Rubrik: Habilitationsprogramm

Onkologische Behandlungskonzepte erweitern

Zwischenstand des Alois Schnaubelt-Habilitationsprogramms

Mit einer Gesamtfördersumme von bis zu 1,2 Millionen Euro ist das Alois Schnaubelt-Habilitationsprogramm eines der größten Projekte der Carstens-Stiftung. Über einen Zeitraum von drei Jahren erhalten vier Habilitanden jeweils bis zu 300.000 Euro. Eine von Ihnen ist Dr. Petra Voiß. Sie forscht zur Integrativen Onkologie, dabei liegt der Fokus auf der Behandlung von Schlafstörungen.

Die Bedeutung der Schlafqualität in der Onkologie

Im Rahmen des Projektes wurden die Daten des 2017er US National Health Interview Surveys (NHIS) ausgewertet.(1) Beim NHIS handelt es sich um eine Querschnittserhebung der Vereinigten Staaten mit dem Ziel, den Gesundheitsstatus und die in Anspruch genommenen Maßnahmen unter der amerikanischen Bevölkerung repräsentativ abzubilden. Hierbei zeigte sich, dass 59% der Krebs-Überlebenden – der Großteil von Ihnen Frauen im Alter von oder über 40 Jahren – unter einem gestörten Schlaf leiden. Das Prekäre daran: Schlaf beeinflusst die Stresshormon-Achse und das vegetative Nervensystem, welche wiederum die Immunabwehr regulieren. Die Schlafqualität kann also Einfluss auf die Prognose haben.(2)

Die häufigste Form der Schlafstörung ist die sogenannte Insomnie, die sich als Ein- oder Durchschlafstörung bzw. frühzeitiges Erwachen äußert. Oft tritt sie unter belastenden Ereignissen auf, zu welchen eine Krebserkrankung und auch -therapie ohne Zweifel zählen. Maßnahmen, die auf Stressbewältigung und die Verbesserung des Schlafes abzielen, sind daher in der Onkologie besonders wertvoll. Empfohlen wird in der "Europäischen Leitlinie für die Diagnose und die Behandlung von Insomnie"(3) Kognitive Verhaltenstherapie als Therapie der ersten Wahl bei einer mindestens 3 Monate anhaltenden Schlafstörung. Leider wird kognitive Verhaltenstherapie als Gruppenprogramm für Patienten mit Schlafstörungen in Deutschland trotz der Leitlinienempfehlung kaum angeboten. Zusätzlich möchten nicht alle Patienten an verhaltenstherapeutischen Interventionen teilnehmen, so dass weitere Therapiekonzepte unbedingt entwickelt werden müssen.

Unbedingt werden Konzepte benötigt, die im klinischen Alltag umsetzbar, nebenwirkungsarm und sicher sind und auf breite Zustimmung bei Patienten stoßen. Aus diesem Grund untersucht Dr. Petra Voiß in ihrem Projekt die Wirksamkeit von Ohrakupunktur auf die Verbesserung der Schlafqualität von Patientinnen mit Mammakarzinom.

Mind-Body Medizin und Ohrakupunktur gegen Insomnie

Neben den angesprochenen NHIS-Analysen sind bereits zwei Studien durchgeführt worden bzw. befinden sich aktuell in der Auswertung. Zum einen eine Beobachtungsstudie mit 57 Patientinnen, die begleitend zur Chemotherapie Maßnahmen der Mind-Body Medizin und Akupunktur in der Tagesklinik der Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin der Kliniken Essen Mitte anwenden. Zu diesen Maßnahmen gehören beispielsweise Entspannungsverfahren, Bewegungsangebote und Ernährungskonzepte. Erhoben wurde der Einfluss auf die Lebensqualität der Patientinnen. Die Studie ist zur Veröffentlichung eingereicht.

Zum anderen befindet sich aktuell eine randomisierte, kontrollierte Studie mit 52 Patientinnen in der Auswertung. Verglichen werden hier die Auswirkungen von Ohrakupunktur versus standardisierter Psychoedukation auf die Lebens- und insbesondere die Schlafqualität, unmittelbar sowie sechs Monate nach der Behandlung. Dies könnte der Grundstein sein, die Ohrakupunktur als eine sogenannte BCS (Best Supportive Care = bestmögliche unterstützende Behandlung) bei Brustkrebs-Patientinnen mit Insomnie zu etablieren.

Einen weiteren Baustein könnte eine Metaanalyse zur Sicherheit der Akupunktur in der Onkologie generell darstellen. Diese wurde im Rahmen des Projektes ebenfalls begonnen.

Die eigenen Ressourcen nutzen

Dr. Voiß fokussiert nicht nur auf Frauen mit Brustkrebserkrankung. Im Rahmen einer qualitativen Interview-Studie werden Patientinnen interviewt, die schon mindestens fünf Jahre mit einer fortgeschrittenen Eierstockkrebs-Erkrankung leben. Geschaut wird vor allem auf Ressourcen, um Hypothesen zu gewinnen, welche Faktoren sich positiv auf einen Krankheitsverlauf auswirken könnten.

Dr. med. Petra Voiß

ist Oberärztin, Ärztliche Leitung Integrative Onkologie in der Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin der Kliniken Essen-Mitte. Mehr

Alois Schnaubelt (*15.07.1923, †05.05.2016) war Wirtschaftsprüfer aus München und lange Jahre als Berater und Leiter Rechnungswesen für die Firma Weishaupt in Schwendi tätig. Er verkörperte das, was man einen ehrbaren Kaufmann nennt. Die Karl und Veronica Carstens-Stiftung ist seine Erbin. Wir möchten sein Andenken bewahren. Dank ihm können wir das Alois Schnaubelt-Habilitationsprogramm ins Leben rufen.

Die Karl und Veronica Carstens-Stiftung und ihr Förderverein Natur und Medizin aus Essen setzen sich seit 1982 für die Verankerung von Naturheilkunde und Homöopathie in der Medizin ein. Hauptaufgaben sind die Förderung wissenschaftlicher Forschung und des medizinischen Nachwuchses sowie die fundierte Aufklärung über Anwendung und Nutzen der Komplementärmedizin.

Michèl Gehrke, M.A.

Pressesprecher

Telefon: 0201 56 305 61
E-Mail: Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-Mailm.gehrke@carstens-stiftung.de

Literatur

1) https://acsjournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/cncr.32469

2) https://www.nature.com/articles/bjc201785

3) Riemann D, Baglioni C, Bassetti C, et al. European guideline for the diagnosis and treatment of insomnia. J Sleep Res. 2017;26(6):675-700.


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„Der Arzt und die Ärztin der Zukunft sollen zwei Sprachen sprechen, die der Schulmedizin und die der Naturheilkunde und Homöopathie. Im Einzelfall sollen sie entscheiden können, welche Methode die beste für den Patienten ist.“

(Veronica Carstens)

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