Aphthen: Aloe vera oder Kortison?
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Phytotherapie Naturheilkunde
Aphthen sind vermutlich genauso alt wie die Geschichte des Menschen selbst – die erste klinische Dokumentation stammt aus dem Jahre 1898. (2) Besonders oft sind Kinder und Heranwachsende von den kleinen, aber teilweise sehr schmerzhaften, Entzündungen im Mund betroffen (3,4). In der Regel heilen die kleinen Geschwüre von selbst ab, um dann allerdings häufig immer wieder zurückzukehren, insbesondere in stressigen Lebensphasen. (5,6) Als Standardtherapie kommen topische Kortikosteroide zum Einsatz, die lokal aufgetragen werden. Zu den möglichen Nebenwirkungen bei deren längerem Einsatz zählen allerdings das Risiko einer Schädigung der empfindlichen Mundschleimhaut sowie einer Candidose. Auch verträgt nicht jede*r Patient*in Kortison. Die vorliegende Studie (1) prüft daher zum Vergleich den Einsatz von Aloe vera bei Aphthen.
Studienaufbau
Insgesamt 60 Proband*innen wurden in die Studie eingeschlossen und zufällig in zwei Gruppen eingeteilt. Die Teilnehmenden in Gruppe A wurden angehalten, über einen Zeitraum von sieben Tagen viermal täglich Triamcinolonacetonid-Paste (Kortison) auf ihre Aphthen aufzutragen. Die Teilnehmenden in Gruppe B trugen stattdessen ein Aloe vera-Gel auf. Dabei war die Studie verblindet, das heißt die Gruppenzugehörigkeit bzw. die Art des Medikamentes war den Patient*innen nicht bekannt. Um die Effekte zu bewerten kamen als subjektives Messinstrument die Numerische Schmerzskala (von 0 = kein Schmerz bis 10 = starker Schmerz) und als objektives die WHO Oral Mucositis Scale (0 = keine bis 4 = starke Mundschleimhautentzündung) zum Einsatz.
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ISBN: 978-3-945150-56-6
Erscheinungsjahr: 2016
15,00 EUR
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Zu Beginn der Studie lag der mittlere Schmerz-Wert in Gruppe A bei 8.64±0.79 für Männer und bei 9.25±0.47 für Frauen. Nach der siebentägigen Intervention lag er nur noch bei 0.77±0.75, respektive 0.63±0.52. In Gruppe B lag der mittlere Schmerz zu Beginn bei 9.00±0.93 für Männer und bei 8.93±0.88 für Frauen. Nach der siebentätigen Intervention war er hier gesenkt auf 1.13±0.74, respektive 0.40±0.51.
Auf der WHO-Skala wurde zu Beginn der Studie in Gruppe A bei den Männern ein Entzündungs-Wert von 2.64±0.49 und bei den Frauen von 2.63±0.52 festgestellt. Nach der siebentägigen Intervention lagen die Werte bei 0.59±0.11, respektive 0.13±0.35. In Gruppe B lag der Wert zu Beginn der Studie bei 2.33±0.49 bei den Männern und bei 2.87±0.35 bei den Frauen. Nach der siebentägigen Intervention konnten die Werte auch hier gesenkt werden auf 0.47±0.52, respektive 0.73±0.46.
In anderen Worten: Nach der Intervention hatten alle Proband*innen in beiden Gruppen einen Entzündungswert auf der WHO-Skala von nur noch 0-1 sowie auf der Schmerz-Skala von nur noch 0-2.
Einschätzung
Aloe vera wird eine wundheilende und stimulierende Wirkung auf die Zellproliferation nachgesagt, die sich hier zu bestätigen scheint. Beide Interventionen – Aloe vera und Kortison – zeigten sich vergleichbar effektiv in der Behandlung von Aphthen nach sieben Tagen. Sieht man sich die tageweise Auswertung der Daten an, fällt allerdings auf, dass Männer in Gruppe B höhere (schlechtere) Werte als Männer in Gruppe A an den Tagen 3-6 aufwiesen. Dies könnte ein Indiz dafür sein, dass Männer und Frauen unterschiedlich auf Aloe vera reagieren, es könnte aber auch darauf hinweisen, dass Aloe vera seine volle Wirkung erst nach längerem Zeitraum entfaltet.
Zukünftige Studien könnten hier ansetzen und z.B. längere Beobachtungszeiten und/oder auch kombinierte Interventionen (Kortison + Aloe vera) einplanen. Ebenso wäre eine größere Studienpopulation wünschenswert.
Literatur zu "Aphthen: Aloe vera oder Kortison?"
1) Bhavna, Anand S, Jyoti D, Shalini, Lakshmi J. Therapeutic Outcomes of Aloe vera Gel Compared with Triamcinolone Acetonide in Minor Aphthous Stomatitis. Niger J Clin Pract. 2026 Apr 1;29(4):423-431. doi: 10.4103/njcp.njcp_767_25. Epub 2026 Apr 30. PMID: 42085084. Link
2) Patil S, Reddy SN, Maheshwari S, Khandelwal S, Shruthi D, Doni B. Prevalence of recurrent aphthous ulceration in the Indian Population. J Clin Exp Dent 2014;6:e36–40. Link
3) Plewa MC, Chatterjee K. Recurrent Aphthous Stomatitis. Treasure Island (FL): Stat Pearls Publishing; 2025. Link
4) Vitamia C, Iftinan GN, Latarissa IR, Wilar G, Cahyanto A, Elamin KM, et al. Natural and synthetic drugs approached for the treatment of recurrent aphthous stomatitis over the last decade. Drug Des Devel Ther 2024;18:1297–312. Link
5) Rahal D, Shaw ST, Stigler JW. Lower socioeconomic status is related to poorer emotional well-being prior to academic exams. Anxiety Stress Coping 2023;36:502–18. Link
6) Katebi K, Asr SY, Mahboobi Z, Faramarzi E, Sharififard N. Recurrent aphthous stomatitis (RAS) and its related factors among the Azar cohort population. BMC Oral Health 2025;25:596. Link







