Yoga als Ergänzung im Opioidentzug
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Mind-Body-Medizin
Wer von Opioiden (z.B. starken Schmerzmitteln) abhängig ist und mit dem Konsum aufhört, durchlebt einen körperlich sehr belastenden Entzug: Unruhe, Schwitzen, Schmerzen, Schlaflosigkeit, Angst. Ein Grund dafür ist, dass das Nervensystem aus dem Gleichgewicht gerät. Der „Gas-Teil“ (Sympathikus, zuständig für Stress und Alarmbereitschaft) läuft auf Hochtouren, während der „Brems-Teil“ (Parasympathikus, zuständig für Ruhe und Erholung) zu schwach ist. Die üblichen Medikamente lindern zwar die Entzugsbeschwerden, stärken nach Ansicht der Studienautor*innen aber nicht gezielt dieses Ruhesystem. Die Forscher*innen wollten wissen, ob Yoga hier helfen kann.
Wie lief die Studie ab?
Die Studie fand von April 2023 bis März 2024 auf der Entzugsstation des Zentrums für Suchtmedizin am National Institute of Mental Health and Neurosciences (NIMHANS) in Bengaluru, Indien, statt. Teilgenommen haben 59 stationäre Patienten mit leichten bis mittelschweren Entzugssymptomen, die per Zufall in zwei Gruppen aufgeteilt wurden: 30 in die Yogagruppe, 29 in die Kontrollgruppe. Alle waren Männer, im Schnitt knapp 26 Jahre alt.
Beide Gruppen bekamen das übliche Entzugsmedikament Buprenorphin. Die Yogagruppe nahm zusätzlich innerhalb von 14 Tagen an zehn angeleiteten Yogastunden von je 45 Minuten teil, mit Entspannungsübungen, sanften Körperübungen, Atemtechniken und geführter Tiefenentspannung.
Gemessen wurde vor allem, wie schnell die Entzugssymptome abklangen und wie gut das Ruhesystem arbeitete. Als „abgeklungen“ galt der Entzug, sobald die Werte auf einer ärztlichen Entzugsskala (COWS) unter 4 Punkte fielen und dort blieben. Für das Ruhesystem nutzten die Forscher die Herzratenvariabilität: Ein gesundes, entspanntes Herz schlägt nicht wie ein Metronom, sondern passt seinen Rhythmus ständig leicht an. Je flexibler, desto stärker ist in der Regel das Ruhesystem beteiligt. Zusätzlich wurden Angst, Einschlafdauer und Schmerzen erfasst, jeweils zu Beginn und nach zwei Wochen.
Schmerzen
Maßnahmen zur Selbsthilfe bei Schmerzen von Kopf bis Fuß
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ISBN: 978-3-96562-002-5
Erscheinungsjahr: 2019
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In der Yogagruppe klangen die Entzugssymptome deutlich schneller ab: im Mittel (Median) nach 5 Tagen statt nach 9 Tagen. Und das, obwohl beide Gruppen ungefähr gleich viel Buprenorphin bekamen.
Auch bei den übrigen Messwerten schnitt die Yogagruppe nach zwei Wochen besser ab als die Kontrollgruppe:
| Messwert | Yogagruppe | Kontrollgruppe |
| Entzugssymptome abgeklungen nach | ca. 5 Tagen | ca. 9 Tagen |
| Ruhesystem (Herzratenvariabilität) | deutlich gestärkt | praktisch unverändert |
| Angst (ärztlich eingeschätzt) | fast verschwunden | etwa halbiert |
| Einschlafdauer (selbst angegeben) | von ca. 2,5 Std. auf ca. 20 Min. | von ca. 2,5 Std. auf ca. 80 Min. |
| Schmerzen (selbst angegeben) | nahezu keine mehr | etwa halbiert |
Die Forscher*innen gehen davon aus, dass Yoga unter anderem wirkt, weil es das Ruhesystem stärkt. Eine statistische Auswertung legt nahe, dass etwa ein Viertel (23 %) des Vorsprungs der Yogagruppe damit zusammenhängt: Wessen Ruhesystem sich stärker erholte, überstand den Entzug auch schneller. Ein Beweis für Ursache und Wirkung ist das allerdings nicht. Woher der Rest kommt, hat die Studie nicht untersucht. Die Autor*innen vermuten, dass weniger Angst, besserer Schlaf und weniger Schmerzen eine Rolle spielen.
Einschätzung
Die Studie ist sorgfältig angelegt: Die Gruppen wurden per Zufall eingeteilt, und die Personen, die die Patienten untersuchten und die Daten auswerteten, wussten nicht, wer in welcher Gruppe war. Eine Nachprüfung ergab, dass sie die Gruppenzugehörigkeit nicht besser als zufällig erraten konnten. Trotzdem gibt es wichtige Einschränkungen, die die Autor*innen teils selbst nennen:
Keine gleichwertige Kontrollbedingung. Die Yogagruppe bekam an zehn Tagen je 45 Minuten zusätzliche persönliche Zuwendung, die Kontrollgruppe nicht. Ein Teil der Wirkung könnte also schlicht daher kommen, dass sich jemand kümmert, unabhängig vom Yoga. Zudem wussten die Patienten selbst, ob sie Yoga machten. Das ist vor allem bei Schlaf und Schmerzen relevant, die sie selbst angaben. Besser wäre ein Vergleich mit einer anderen Aktivität gleicher Dauer gewesen.
Sehr spezielle Teilnehmergruppe. Nur Männer, nur eine Klinik, nur leichter bis mittlerer Entzug. Rund 80 % der Teilnehmer waren von Tapentadol abhängig, einem verschreibungspflichtigen Schmerzmittel, dessen Missbrauch in Südindien in den letzten Jahren stark zugenommen hat. Nur etwa 15 % konsumierten Heroin oder ähnliche Opioide. Ob die Ergebnisse auf Frauen, auf schwereren Entzug oder auf Fentanyl übertragbar sind, ist offen.
Ungewöhnlich starke Effekte. Dass Angst und Schmerzen nach nur zwei Wochen fast vollständig verschwinden, ist bemerkenswert. Solch große Effekte in einer kleinen, frühen Studie sollten erst durch weitere, unabhängige Studien bestätigt werden. Das verwendete Yogaprogramm wurde von derselben Forschungsgruppe entwickelt – hier wäre es aufschlussreich, welchen Effekt andere Programme haben.
Keine Langzeitdaten. Ob die Patienten danach seltener rückfällig wurden oder länger in Behandlung blieben, wurde nicht untersucht. Das wäre aber die eigentlich entscheidende Frage.
Fazit
Yoga als Ergänzung zur Medikamentenbehandlung könnte den Opioidentzug verkürzen und erträglicher machen, und es gibt eine plausible Erklärung dafür, wie das funktioniert. Die Studie ist aber eher ein vielversprechender erster Hinweis als ein endgültiger Beweis. Größere Studien mit Frauen, anderen Opioiden, einer aktiven Vergleichsbehandlung und längerer Nachbeobachtung müssen folgen.
Literatur zu "Yoga als Ergänzung im Opioidentzug"
1) Goutham S, Bhargav H, Holla B, et al. Yoga for Opioid Withdrawal and Autonomic Regulation: A Randomized Clinical Trial. JAMA Psychiatry. 2026;83(3):238–246. doi:10.1001/jamapsychiatry.2025.3863. Link
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt.







