Komplementäre und
Integrative Medizin
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Individualisierte und standardisierter Homöopathie bei Heuschnupfen – Ergebnisse einer randomisierten kontrollierten Studie
Ergebnisse einer randomisierten kontrollierten Studie

Individualisierte und standardisierte Homöopathie bei Heuschnupfen

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Homöopathie Immunsystem

Juckende Augen, eine laufende oder verstopfte Nase und Niesanfälle: Für Menschen mit saisonaler allergischer Rhinitis – umgangssprachlich Heuschnupfen genannt – können die Pollenmonate sehr belastend sein. Ziel einer qualitativ hochwertigen klinischen Studie, die von einem Studienteam aus dem Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Berliner Charité und der Universität Tübingen initiiert wurde, war es zu untersuchen, ob homöopathische Arzneimittel die Beschwerden über mögliche unspezifische Behandlungseffekte hinaus lindern können.

Die im Fachjournal Frontiers in Allergy publizierte HOMEOSAR-Studie (1,2) verglich drei Behandlungsgruppen. Die Teilnehmenden erhielten entweder das standardisierte homöopathische Präparat Galphimia glauca (D6), das in Studien bereits mit positivem Ergebnis untersucht wurde (3,4), eine individuell ausgewählte homöopathische Arznei (D6) oder ein Placebo. Alle Gruppen erhielten zusätzlich eine ausführliche homöopathische Anamnese bzw. Beratung und eine Bedarfsmedikation. Die Studie war randomisiert und doppelblind angelegt und wurde in zwei Ambulanzen und bei elf Ärzten multizentrisch durchgeführt.

Keine Unterschiede zwischen den Gruppen

Wegen Rekrutierungsproblemen konnten insgesamt nur 62 Patient*innen in die Studie aufgenommen werden, was etwa 25% der geplanten Zahl von 270 Teilnehmenden entspricht. Nach der dritten und vierten Woche gab es keine Unterschiede bei der krankheitsspezifischen Lebensqualität (erfasst mit dem Rhinitis Quality of Life Questionnaire, RQLQ). In allen drei Gruppen verbesserten sich die Beschwerden bei vielen Teilnehmenden deutlich. So erfüllten 86% in der Galphimia glauca-Gruppe, 67% in der Gruppe mit individualisierter Homöopathie und 81% in der Placebogruppe die vorher definierten Kriterien eines Behandlungserfolgs gemessen mit dem RQLQ. Die Bedarfsmedikation wurde in der Galphimia glauca-Gruppe von 22%, in der Gruppe mit individualisierter Homöopathie von 56%, und in der Placebogruppe von 29% in Anspruch genommen. Keine relevanten Unterschiede fanden sich auch hinsichtlich der weiteren Zielparameter wie z.B. den Einzelsymptomen der Allergie. Insgesamt war die Studienmedikation gut verträglich.

Warum verbesserten sich die Beschwerden in allen Gruppen?

Die Verbesserungen in allen Studiengruppen können verschiedene Ursachen haben: den natürlichen Verlauf der Erkrankung, schwankende Pollenbelastungen, Erwartungen an die Behandlung oder unspezifische Effekte der Betreuung. Gerade bei Heuschnupfen verändern sich die Symptome zudem im Verlauf der Pollensaison. Alle Teilnehmenden erhielten eine ausführliche homöopathische Anamnese und Beratung. Ein solches intensives therapeutisches Setting kann möglicherweise dazu beitragen, dass sich Menschen besser betreut fühlen und ihre Beschwerden anders wahrnehmen. Welchen Anteil solche so genannten unspezifischen Effekte an der beobachteten Verbesserung hatten, kann die Studie nicht klären.

Wichtige Einschränkung – die Studie hatte zu wenig Teilnehmer

Die Aussagekraft der Untersuchung wird erheblich dadurch begrenzt, dass deutlich weniger Personen teilnahmen als ursprünglich geplant. Alle Maßnahmen vom Studienteam, die Rekrutierung der Patient*innen zu verbessern, waren vergeblich. Damit konnte die Studie ihr geplantes Ziel einer so genannten konfirmatorischen Wirksamkeitsprüfung nicht erreichen. Die geringe Teilnehmendenzahl ließ daher keine belastbaren Aussagen darüber zu, ob eine der Behandlungen einer anderen überlegen war. Dass die Studie während der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Maskenpflicht stattfand, war eine weitere Einschränkung.

Schlussfolgerung

Sowohl standardisierte als auch individualisierte homöopathische Arzneimittel waren Placebo nicht überlegen. Dieses Ergebnis deuten die Autoren der Publikation in der Art, dass das Ansprechen auf die Behandlung nicht auf der Studienmedikation beruhte. Sie weisen darauf hin, dass die Aussagekraft der Studie und ihrer Schlussfolgerungen eingeschränkt wird, da die angestrebte Teilnehmendenzahl nicht erreicht wurde.

Einschätzung

Die qualitativ hochwertige dreiarmige HOMEOSAR-Studie zeigt, wie wichtig es ist, zwischen einer Verbesserung unter einer Behandlung und einem spezifischen Effekt des untersuchten Arzneimittels zu unterscheiden. Dass sich Menschen während bzw. nach einer intensiven Behandlung besser fühlen, ist ein relevantes Ergebnis. Ob diese Verbesserung jedoch durch die spezifische Intervention verursacht wird oder auch ohne sie in ähnlichem Umfang auftritt, konnte die Studie aufgrund der nicht erreichten Patient*innenzahl nicht abschließend beantworten.

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Literatur zu "Individualisierte und standardisierter Homöopathie bei Heuschnupfen"

1) Siewert J, Cramer H, Ortiz M, Tissen-Diabaté T, Roll S, Wegscheider K, Linde K, Rein-hold T, Willich SN, Teut M and Brinkhaus B (2026) Homeopathic medication for seasonal allergic rhinitis — a randomised placebo-controlled trial. Front. Allergy 7:1815934. doi: 10.3389/falgy.2026.1815934. Link

2) Siewert J, Teut M, Gaertner K, Binting S, Eberhardt C, Ortiz M, et al. Homeopathy for seasonal allergic rhinitis: rationale, design and methods of the three-armed randomized controlled HOMEOSAR trial. BMC Complement Med Ther. (2022) 22(1):338. doi: 10.1186/s12906-022-03820-w. Link

3) Lüdtke R, Wiesenauer M. A meta-analysis of homeopathic treatment of pollinosis with Galphimia glauca. Wien Med Wochenschr. (1997) 147(14):323–7. Link

4) Banerjee K, Mathie RT, Costelloe C, Howick J. Homeopathy for allergic rhinitis: a sys-tematic review. J Altern Complement Med. (2017) 23(6):426–44. doi: 10.1089/acm. 2016.0310. Link
 

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