Asthma-Anfälle durch PAT reduzieren?
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TCM COPD
Weltweit leiden etwa 300 Mio Menschen (2) an Bronchialasthma, das sich durch wiederkehrende Anfälle von Kurzatmigkeit, teilweise mit Engegefühl in der Brust und Keuchen, Atemwegshyperreaktivität und Husten sowie durch Verengung der Atemwege (variable Atemwegsobstruktion) äußert (3). Um die Anfälle zu kontrollieren, kommen üblicherweise inhalierte Kortikosteroide, teilweise in Kombination mit langwirksamen Bronchodilatatoren, die die Atemwege erweitern, zum Einsatz. (4) Die Anzahl der Anfälle lässt sich hierdurch bei Patient*innen mit hartnäckigen Symptomen jedoch kaum reduzieren. (5) Die vorliegende Studie (1) untersucht daher den Effekt der Akupunkt-Pflastertherapie (Point Application Therapy, kurz: PAT) – einem Verfahren, das in der Traditionellen Chinesischen Medizin bereits seit Langem bei Asthma zum Einsatz kommt (6).
Studienaufbau
Bei der PAT werden Pflaster aus chinesischen Kräutern hergestellt und anschließend auf Akupunktur-Punkte angebracht. Zur Asthma-Behandlung werden hierbei typischerweise die „Hundstage“, also die oft heißeste Phase des Sommers, als Zeitpunkt gewählt. Die Studie war nun so aufgebaut, dass die Asthma-Patient*innen während der Hundstage des ersten Sommers zunächst eine Placebo-PAT erhielten, d.h. eine Behandlung mit Pflastern ohne nennenswerten Kräutergehalt und an den „falschen“ Akupunktur-Punkten. Insgesamt 835 Patient*innen (mittleres Alter 52.6±12.5, 61% Frauen) wurden anschließend für den folgenden zweiten und dritten Sommer zwei randomisierten Gruppen zugeteilt. Eine Gruppe erhielt beide Sommer weiterhin die Placebo-PAT, die andere eine echte PAT.
Die echten PAT-Pflaster wurden aus Bai Jie Zi (weiße Senfsamen), Xi Xin (wilde Ingwerwurzel), Yanhusuo (Yanhusuo-Lerchensporn) und Gansui (Wolfsmilchgewächs) hergestellt. Dabei wurden die Kräuter zu Pulver verarbeitet und mit Ingwersaft vermischt. Jedes echte PAT-Pflaster enthielt 3g des Kräuter-Pulvers und es wurden die lungennahen Akupunktur-Punkte Feishu (BL13), Xinshu (BL15) und Geshu (BL17) verwendet.
Die Proband*innen erhielten die Behandlung in beiden Gruppen jeweils an den Hundstagen in vier Sessions, d.h. alle 10 Tage. Die Pflaster sollten dabei 2-6 Stunden auf dem Körper verbleiben. Nach dem insgesamt dritten Sommer lagen die Daten von 644 Patient*innen vor.
Grundkonzepte der chinesischen Medizin
Neue und ungewöhnlich differenzierte Darstellung des Gedankenkonstruktes der chinesischen Medizin
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ISBN: 978-3-933351-70-8
Erscheinungsjahr: 2007
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Die mittlere Anzahl der Asthma-Anfälle konnte in der PAT-Gruppe gesenkt werden von 4.00 (2.00, 7.00) nach dem ersten Sommer auf 1.00 (0, 3.00) nach dem dritten Sommer. In der Placebo-PAT-Gruppe war die mittlere Anzahl der Asthma-Fälle von 4.00 (2.00, 8.00) lediglich auf 2.00 (0, 4.00) gesunken. Damit war die Reduzierung in der PAT-Gruppe deutlicher ausgefallen, mit einem statistisch relevanten Gruppenunterschied von 1.42.
Sekundär konnte festgestellt werden, dass die Lungenfunktionswerte FEV1%pred und FEV1/FVC sich nach dem dritten Sommer in der PAT-Gruppe verbessert hatten, letzterer sogar schon nach dem zweiten Sommer. Im PEF-Wert sowie im Asthma Control Test (Fragebogen zur subjektiven Bewertung der Symptome) zeigte sich hingegen kein signifikanter Gruppenunterschied.
Einschätzung
PAT könnte tatsächlich als Behandlungsoption von leichtem bis moderatem Asthma in Frage kommen. Interessant ist hier vor allem, dass in dieser Studie die Anzahl der Anfälle reduziert werden konnte, wohingegen konventionelle Interventionen in erster Linie die Symptome während eines Anfalles lindern. Im besten Sinne einer Integrativen Medizin wäre es sicher wertvoll, eine kombinierte Therapie zu überprüfen.
Nicht verschwiegen werden soll, dass in der PAT-Gruppe recht häufig eine allergische Hautreaktion auf die Pflaster als Nebenwirkung berichtet wurde. Allerdings ist dieses durch die Resorption über die Haut bedingte Phänomen charakteristisch für PAT und wird sich kaum vermeiden lassen.
Literatur zu "Asthma-Anfälle durch PAT reduzieren?"
1) Huanfang XU, Jiashan LI, Li Y, Wenzhong WU, Jun Y, Wei Z, Hui LI, Nini QU, Rui W, Landi W, Hongzhi Y, Lihua Z, Yong HE, Guanyu X, Baoyan L, Yigong F. Effect of point application therapy for bronchial asthma: a multicenter randomized controlled trial. J Tradit Chin Med. 2026 Feb;46(1):195-204. doi: 10.19852/j.cnki.jtcm.2026.01.018. PMID: 41736435; PMCID: PMC12884504. Link
2) Masoli M, Fabian D, Holt S, Beasley R; . Global Initiative for Asthma (GINA) Program. The global burden of asthma: executive summary of the GINA dissemination ommittee report. Allergy 2004; 59: 469-78. Link
3) Levy ML, Bacharier LB, Bateman E, et al. Key recommendations for primary care from the 2022 global initiative for Asthma (GINA) update. NPJ Prim Care Respir Med 2023; 33: 7. Link
4) Castillo JR, Peters SP, Busse WW. . Asthma exacerbations: pathogenesis, prevention, and treatment. J Allergy Clin Immunol Pract 2017; 5: 918-27. Link
5) Schatz M, Meckley LM, Kim M, Stockwell BT, Castro M. . Asthma exacerbation rates in adults are unchanged over a 5-year period despite high-intensity therapy. J Allergy Clin Immunol Pract 2014; 2: 570-4. Link
6) Beijing Municipal People's Government. Data on the application of acupoint application therapy for asthma in Beijing. 2023-06-27, cited 2024-01-23; 1: 1 screens. Link







