Carstens-Stiftung: Reizdarmsymptome bessern sich auch langfristig durch Low-FODMAP-Diät

Rubrik: Studien kurz und knapp

Reizdarmsymptome bessern sich auch langfristig durch Low-FODMAP-Diät

Eine angepasste, kohlenhydratarme Ernährung nach dem FODMAP-Prinzip reduzierte in einer Studie krankheitsspezifische Symptome von Reizdarmpatienten auch über einen längeren Zeitraum – ohne wesentliche Einschränkung der ernährungsbedingten Lebensqualität.

FODMAP steht für "Fermentable Oligosaccharides, Disaccharides, Monosaccharides and Polyols" und bezeichnet kurzkettige Kohlenhydratverbindungen wie Frucht-, Milchzucker, Maltodextrin sowie Süßstoffe wie Xylit, Sorbit und Malatit, die Forscher für die Darmbeschwerden von Reizdarmpatienten verantwortlich machen. Diese sind beispielsweise in diversen Obst- und Gemüsesorten, Hülsenfrüchten, Getreidesorten wie z.B. Roggen und Weizen sowie Honig, Milch und Joghurt enthalten. Eine Ernährungsumstellung, die aus einem Verzicht auf diese Nahrungsmittel für 4-6 Wochen gefolgt von einer Wiedereinführungsphase zwecks Identifikation der symptomauslösenden bzw. tolerierten Nahrungsmittel besteht, kann den Betroffenen bei der Vermeidung von reizdarmspezifischen Symptomen helfen. In einer früheren Studie berichteten 70% der Reizdarmpatienten von einer Verbesserung der Symptome durch eine FODMAP-arme Ernährung. [1] Eine aktuelle Meta-Analyse, die neun Studien berücksichtigte, lieferte die Bestätigung der Effektivität der Low-FODMAP-Diät in der Senkung von Reizdarmsymptomen und der Steigerung der Lebensqualität. Die Daten beruhen jedoch auf kurzen Beobachtungszeiten von höchstens sechs Wochen. [2]

In einer aktuellen Studie wurde nun erstmals die Effektivität einer auf dem Low-FODMAP-Prinzip beruhenden Diät bei Reizdarmpatienten über einen längeren Zeitraum beobachtet. [3] Zu Beginn der Studie wurden die inkludierten 103 Teilnehmer mit Reizdarmsymptomatik von einem Ernährungsberater mit dem Schwerpunkt Gastroenterologie über die Low-FODMAP-Ernährung aufgeklärt und instruiert, ihren Konsum von Nahrungsmitteln mit einem hohen FODMAP-Gehalt für mindestens sechs Wochen einzuschränken. Nach individueller Anpassung der FODMAP-armen Ernährung, bei der einige Lebensmittel je nach Verträglichkeit wieder in den täglichen Speiseplan integriert wurden, setzten 82% der Patienten diese Ernährungsform für weitere 6 bis höchstens 18 Monate weiter fort, während die restlichen 18% der Studienteilnehmer wegen mangelnder Compliance wieder zu ihren üblichen Ernährungsgewohnheiten (vergleichsweise signifikant höherer FODMAP-Konsum) zurückkehrten. Zu Studienbeginn, nach sechs Wochen sowie nach Beendigung der Langzeitbeobachtungsphase wurden unter Verwendung validierter Fragebögen Daten zu reizdarmspezifischen Beschwerden, Stuhlbeschaffenheit und -frequenz, Patientencompliance, sowie der ernährungsbedingten Lebensqualität und Akzeptabilität der Low-FODMAP-Diät erhoben. Gastrointestinale Beschwerden beinhalteten vor allem unspezifischen Bauchschmerz, Meteorismus und Blähungen.

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Im Vergleich zu Studienbeginn verbesserten sich die gastrointestinalen Beschwerden nach sechs Wochen durch die FODMAP-reduzierte Diät bei 61% der Patienten. Bei 70% letztgenannter Studienteilnehmer hielt dieser Effekt sogar noch nach dem Langzeit-Follow-Up an. Eine anhaltende, klinisch signifikante Abnahme der abnormen Stuhlfrequenz und -konsistenz zeigte sich bei jeweils 7% der Patienten nach sechs Wochen sowie nach der langen Follow-Up-Phase im Vergleich zu Studienbeginn (21%). Signifikant mehr Patienten in der FODMAP-Gruppe konnten ihren Verbrauch an Standardmedikation in der Langzeitbeobachtungsphase (26%) im Vergleich zur Gruppe der sich regulär ernährenden Patienten (5%) reduzieren. Auf der Ebene der Besuche beim Gastroenterologen (2 Konsultationen) und Arbeitsabwesenheit in Tagen waren in dem gemittelten Zeitraum von 12 Monaten zwischen den beiden Gruppen keine signifikanten Unterschiede festzustellen (im Mittel 3 Tage).
Allerdings gaben die Studienteilnehmer zur Frage nach der (längerfristigen) Akzeptanz der FODMAP-armen Diät an, dass diese deutlich kostenintensiver sei (86%). Zudem stellten mehr als 70% der Patienten fest, dass auswärtiges Essengehen (Restaurantbesuch, Einladung außer Haus, Verzehr von Speisen auf Reisen) sich im Vergleich mit einer normalen Ernährungsweise deutlich schwieriger gestalten würde. Auf die ernährungsbedingte Lebensqualität wirkten sich diese Faktoren laut Aussage der meisten Patienten jedoch nicht negativ aus.

Einschätzung:

Nach den konsistent positiven Resultaten aus früheren Studien zur kurzfristigen Effektivität des Low-FODMAP-Ansatzes in der Reduktion von reizdarmspezifischen Symptomen liefert diese erste Studie mit einer längeren Beobachtungszeit vielversprechende, klinisch relevante Hinweise auf eine langfristige Wirkung einer individuellen Ernährungsumstellung nach dem Low-FODMAP-Prinzip. Wie bei jeder Ernährungsumstellung stellt in der Einhaltung der Low-FODMAP-Ernährung der Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel sowie Schwierigkeiten bei nicht selbst zubereiteten Mahlzeiten (Restaurantbesuch etc.) eine Problematik dar, an die sich die Teilnehmer dieser Studie jedoch auch langfristig gewöhnen konnten. Aufgrund der Komplexität dieses Ansatzes ist die Konsultation eines Ernährungsberaters mit Expertise auf diesem Gebiet zu empfehlen, damit möglicherweise auftretende Mangelerscheinungen (z.B. Kalziummangel) kontrolliert werden können. Jedoch ist der betroffene Patient auch selbst in der Pflicht, sich über dieses Ernährungsprinzip ausreichend zu informieren, um eine langfristige Kontrolle seines täglichen Speiseplans zu gewährleisten und die Verträglichkeit einzelner Lebensmittel einschätzen zu können. Da Fertiggerichte und auswärtige Speisen oft FODMAP-lastig sind, empfiehlt es sich, selbst zu kochen. Zukünftige Forschungsfragen auf diesem Gebiet könnten die Berücksichtigung eines adäquaten Vergleichs z.B. mit anderen Ernährungsansätzen oder Fastentherapie beinhalten.

Literatur

1) Halmos EP, Power VA, Shepherd SJ, Gibson PR, Muir JG. A diet low in FODMAPs reduces symptoms of irritable bowel syndrome. Gastroenterol 2014; 146: 67-75 Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

2) Schumann D, Klose P, Lauche R, Dobos G, Langhorst J, Cramer H. Low fermentable, oligo-, di-, mono-saccharides and pilyol diet in the treatment of irritable bowel syndrome: a systematic review and meta-analysis. Nutrition 2018; 45: 24-31 Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

3) O’Keefe M, et al. Long-term impact of the low-FODMAP diet on gastrointestinal symptoms, dietary intake, patient acceptability, and healthcare utilization in irritabel bowel syndrome. Neurogastroenterol Motil 2018; 30(1), epub ahead of print Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

Daniela Hacke

Daniela Hacke, M.A.
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(Veronica Carstens)