Studien kurz und knapp

Hypnose als wirksame Selbsthilfemaßnahme für kleine Reizdarmpatienten

In einer Studie zeigte sich eine zu Hause durchgeführte Hypnose zur Linderung von funktionellen Bauchbeschwerden im Rahmen eines Reizdarmsyndroms als ebenso erfolgreich wie eine therapeutenbasierte Hypnose.

Fristete Hypnose in der medizinischen Welt noch vor nicht allzu langer Zeit ein Dasein als Hokuspokus, gewinnt sie doch insbesondere in wissenschaftlichen Kreisen zunehmend an Aufmerksamkeit als ernstzunehmende Therapieform. So wird die Hypnotherapie immer häufiger beim Zahnarzt zur Linderung behandlungsbezogener Ängste, aber auch an Stelle eines Analgetikums, oder aber im Rahmen der Geburtshilfe zur Schmerzkontrolle eingesetzt. Eine Vielzahl von Studien setzte sich außerdem mit dem Einsatz von Hypnose bei Reizdarmsyndrom-Patienten auseinander – mehrheitlich mit Resultaten, die für eine Behandlung reizdarmtypischer Symptome mittels Hypnose sprechen, wie eine jüngst veröffentlichte Kohortenstudie beispielhaft zeigt. [1] Diese Form der Hypnose, die sich auf den Verdauungstrakt fokussiert (gut-directed hypnosis), hat sich im Deutschen mittlerweile unter der Bezeichnung Bauchhypnose etabliert. Trotz eines wachsenden Ausbildungsangebots für Ärzte, Psychologen und Therapeuten sowie einer zunehmenden Aufnahme dieses Therapieverfahrens in die Leistungskataloge der Krankenkassen fehlt es jedoch an therapeutischen Angeboten.

Dieser Problematik nahmen sich nun niederländische Wissenschaftler an, die im Rahmen einer Studie die Wirksamkeit einer zu Hause mittels einer CD praktizierten Hypnosetherapie mit einer von Therapeuten durchgeführten Hypnose bei Kindern mit Reizdarmsyndrom verglichen. [2]

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Das primäre Ziel der Nicht-Unterlegenheitsstudie bestand in der Reduzierung der Schmerzintensität und -frequenz durch die selbständig durchgeführte Hypnose um mindestens 50 Prozent und nicht mehr als 25 Prozent Differenz gegenüber der therapeutisch verabreichten Hypnose. Die sekundären Ziele beinhalteten Parameter wie Depression, Angst, Somatisierung, Lebensqualität, Schmerzwahrnehmung, Bewältigungsstrategien und Erwartungshaltung hinsichtlich einer angemessenen Schmerzlinderung.

Insgesamt 260 Kinder im Alter von 8 bis 18 Jahren mit einem durchschnittlich seit 2,5 Jahren bestehenden Reizdarm- oder funktionellen Bauchschmerzsyndrom wurden per Zufallsprinzip zwei Gruppen zugeteilt. Die Kinder in der Hypnotherapie-CD-Gruppe wurden einmalig zu Studienbeginn von einer speziell ausgebildeten Study Nurse in die auf der CD enthaltenen Übungen eingeführt. Die Übungen setzten sich aus allgemeinen Entspannungsübungen, Techniken zur Kontrolle abdominaler Schmerzen und der Darmfunktionen sowie Übungen zum Training der Ich-Stärke (Entwicklung von Abwehrmechanismen hinsichtlich der Krankheitsrealität) zusammen. Die in beiden Gruppen identischen standardisierten Übungen sollten von allen Kindern wöchentlich mindestens an fünf Tagen über einen Zeitraum von drei Monaten durchgeführt werden. Der Unterschied zwischen beiden Patientengruppen bestand allerdings darin, dass in der therapeutengeleiteten Hypnotherapie-Gruppe zusätzlich sechs 50-60minütige Sitzungen stattfanden, in deren Verlauf elf qualifizierte Hypnotherapeuten die Kinder unter Verwendung der auf der CD enthaltenen Übungen anleiteten. Zu Studienbeginn, nach drei Monaten, sowie in der Nachbeobachtungszeit von sechs und zwölf Monaten nach Studienende wurden per Fragebögen die definierten Primär- und Sekundärziele erhoben.

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Sowohl in der CD-basierten Hypnotherapie- als auch in der therapeutengeführten Hypnose-Gruppe waren direkt nach Therapiebeginn und selbst ein Jahr nach Studienende signifikante Behandlungserfolge zu verzeichnen. Von insgesamt 250 in der Auswertung berücksichtigten Kindern erfuhren 78 Kinder in der CD-Gruppe und 88 Kinder in der Therapeuten-Gruppe eine klinisch relevante Besserung hinsichtlich Schmerzintensität und -frequenz durch die Hypnotherapie. Ähnliche Erfolge konnten für die sekundären Ziele erzielt werden, allerdings mit minimalen Unterschieden in punkto Schmerzerwartung und Bewältigungspotenzial, die in der therapeutengeführten Gruppe bessere Werte erreichten. Die Subgruppenanalyse ergab zudem keine altersbedingten oder beschwerdespezifischen Unterschiede hinsichtlich der Therapieeffekte. Das Ergebnis entspricht insgesamt der dieser Studie zugrundeliegenden Nicht-Unterlegenheitshypothese, da zwischen beiden Gruppen keine klinisch signifikanten Unterschiede hinsichtlich der erhobenen Parameter festzustellen waren.

Einschätzung:

Die in dieser ersten größeren Studie erzielten, mit therapeutischer Hypnose vergleichbaren guten Behandlungserfolge einer in Eigenregie praktizierten Bauchhypnose suggerieren, dass sich eine Linderung schmerzspezifischer und psychischer Symptome im Rahmen eines Reizdarmsymptoms bzw. funktioneller Bauchbeschwerden auch ohne die Konsultation eines Therapeuten erzielen lässt. Erwähnenswert hinsichtlich einer potenziellen Schwäche der Studie bleiben jedoch der Faktor der Therapietreue, d.h. die tatsächliche häusliche Anwendung der Hypnotherapie durch die Probanden, die in beiden Gruppen, in der CD-Gruppe jedoch noch weniger, nicht von den Studienleitern kontrolliert werden konnte, sowie die mit der Therapieform der Hypnose oft assoziierte positive Erwartungshaltung seitens Eltern und Kindern. Beides, so vermuten die Wissenschaftler, hätte jedoch keinen oder nur einen geringen Einfluss auf die erzielten Behandlungserfolge in beiden Gruppen ausgeübt.
Als vergleichsweise einfach zu praktizierende Selbsthilfemaßnahme, die zudem zeitnah und kostengünstig durchführbar ist, wäre eine CD-basierte Hypnotherapie zur Behandlung funktioneller abdominaler Beschwerden im Rahmen eines Reizdarmsyndroms überlegenswert. Für eine korrekte Durchführung ist jedoch eine initiale Einführung durch einen qualifizierten Hypnotherapeuten und die Verwendung eines standardisierten Übungsprogramms empfehlenswert.

Literatur

1) Miller V, Carruthers HR, Morris J, Hasan SS, Archbold S, Whorwell PJ. Hypnotherapy for irritabile bowel syndrome: an audit of one thousand adult patients. Aliment Pharmacol Ther 2015; 41: 844-855 Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

2) Rutten JMTM, Vlieger AM, Frankenhuis C, George EK, Groeneweg M, Norbruis OF, Ten, WT a, Wering, HM, Dijkgraaf MGW, Merkus MP, Benninga MA. Home-based hypnotherapy self-exercises vs individual hypnotherapy with a therapist for treatment of pediatric irritable bowel syndrome, functional abdominal pain, or functional abdominal pain syndrome. A randomized clinical trial. JAMA Pediatrics 2017; 171(5): 470-477 Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

Daniela Hacke

Daniela Hacke, M.A.
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