Welches Cannabis lindert Migräne-Attacken?
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Phytotherapie Schmerz
Wer an Migräne leidet, weiß, wie wertvoll Maßnahmen zur Prävention und vor allem zur Erleichterung einer akuten Attacke sind. Cannabis gerät für diesen Behandlungszweck zunehmend in den Fokus – zu Recht? Und welche Zusammensetzung trägt am meisten zur Symptomlinderung bei? Eine aktuelle Studie (1) liefert Hinweise.
Studienaufbau
92 Patient*innen mit Migräne wurden in die Studie eingeschlossen. Das durchschnittliche Alter lag bei 41 Jahren, 83% waren weiblich. Die Proband*innen wurden gebeten, vier Migräne-Attacken zu behandeln, wobei bei jeder Attacke eine Cannabis-Pflanze mit anderer Zusammensetzung zum Einsatz kam: 1. 6% THC-Gehalt (THC-dominant), 2. 11% CBD-Gehalt (CBD-dominant), 3. 6% THC + 11% CBD und 4. “Placebo-Pflanze” ohne nennenswerten THC- oder CBD-Gehalt. Die Studie wurde doppelt-verblindet durchgeführt und die Reihenfolge der Pflanzen war randomisiert. Die Proband*innen nutzten einen medizinisch zugelassenen tragbaren Inhalator und nahmen während einer akuten Attacke vier standardisierte Züge. Diese bestanden jeweils aus 5 Sekunden Inhalation, 10 Sekunden Atem-Anhalten, dann Ausatmen und 45 Sekunden Abwarten bis zur Wiederholung. Zwischen den behandelten Migräne-Attacken lag mindestens eine Woche Pause, um ein Übersprechen möglicher Wirkungen der einzelnen Pflanzen zu vermeiden.
Schmerzen
Maßnahmen zur Selbsthilfe bei Schmerzen von Kopf bis Fuß
Maßnahmen zur Selbsthilfe bei Schmerzen von Kopf bis Fuß
ISBN: 978-3-96562-002-5
Erscheinungsjahr: 2019
6,90 EUR
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Als primärer Endpunkt wurde die Schmerzlinderung zum Zeitpunkt 2 Stunden nach Inhalation festgelegt. Hier zeigten sich sowohl die Variante mit der Kombination aus THC+CBD sowie das THC-dominante Cannabis als überlegen gegenüber Placebo, nicht aber das CBD-dominante Cannabis.
Als sekundäre Endpunkte dienten Schmerzfreiheit für eine Dauer von 2 Stunden sowie 2 Stunden Freiheit vom vordergründigen Symptom (Lichtempfindlichkeit, Phonophobie oder Übelkeit). Die Pflanze mit der Kombination aus THC+CBD war Placebo hinsichtlich der anhaltenden Schmerzfreiheit sowie dem Fernbleiben der vordergründigen Symptome Lichtempfindlichkeit und Phonophobie überlegen, nicht aber hinsichtlich Übelkeit oder Erbrechen. Die Überlegenheit hielt sogar für die Schmerzfreiheit 24 Stunden und für die Symptomfreiheit 48 Stunden an. Die THC-dominante und die CBD-dominante Pflanze waren dem Placebo hingegen in keiner Kategorie überlegen.
Nebenwirkungen
Die Pflanze mit der Kombination aus THC+CBD war nicht nur wirkungsvoller, sondern auch besser verträglich als die THC-dominante Variante: Das „High“ schätzten die Proband*innen 1 Stunde nach Behandlung auf einer Skala von 1-10 bei 2.4 ein, für die THC-dominante Variante jedoch bei 3.5. Nach 2 Stunden lagen die Werte bei 1.3 (THC+CBD) und 2.4 (THC). Explorativ wurde noch abgefragt, ob die Proband*innen 2 Stunden nach Inhalation wieder ihrer üblichen Tätigkeit nachgehen konnten. Für THC+CBD lag die Rate hierfür bei 65%, für THC-dominant bei 62%.
Einschätzung
Es handelt sich um die erste randomisierte, doppel-blinde, Placebo-kontrollierte Studie zur Wirkung von Cannabinoiden in der Behandlung akuter Migräne-Attacken. Eine Stärke und gleichzeitig Schwäche der Arbeit ist, dass „nur“ THC und CBD untersucht wurden und keine anderen Terpene. Auch andere Gehalte von THC und CBD bzw. Zusammensetzungen aus beidem wären interessant, ebenso wie die langfristige Auswirkung bei wiederholtem Einsatz.
Literatur zu "Welches Cannabis lindert Migräne-Attacken?"
1) Schuster NM, Wallace MS, Marcotte TD, Buse DC, Lee E, Liu L, Sexton M. Vaporized Cannabis versus Placebo for Acute Migraine: A Randomized Controlled Trial. medRxiv [Preprint]. 2024 Feb 18:2024.02.16.24302843. doi: 10.1101/2024.02.16.24302843. Update in: Headache. 2025 Dec 30. doi: 10.1111/head.70025. PMID: 38405890; PMCID: PMC10889030. Link



