Carstens-Stiftung: Schlaflos bei Vollmond

Rubrik: Studien kurz und knapp

Schlaflos bei Vollmond: Doch keine Einbildung?

Von der Wissenschaft als Mythos abgetan, ist ein gestörter Schlaf bei Vollmond für viele Menschen Realität. Auswertungen von Studiendaten bringen neue Erkenntnisse über die Zusammenhänge zwischen Mondphasen und Schlafproblemen. Geklärt wird die Ursache für die Beeinflussung des Schlafs durch den Mondzyklus jedoch nicht.

Rundet sich der Mond zur vollen Scheibe, beraubt er viele Menschen des wohlverdienten Schlafs. Schlafforscher taten diese Entwicklung bisher als weit verbreiteten Aberglauben ab. Schweizer Chronobiologen werteten nun Daten einer früheren Studie unter dem Aspekt der Mondphasen aus. In deren Verlauf spielte nicht nur die Schlafstruktur und die per EEG gemessenen Aktivitäten während der Non-REM-Schlafphase, eines der menschlichen Schlafstadien, eine Rolle, sondern auch der aktuelle Hormonstatus der Testpersonen.

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Die Wissenschaftler werteten die Daten von 17 gesunden Probanden jüngeren Alters und 16 gesunden älteren Probanden aus, die während der Zeit, die sie im Schlaflabor verbrachten, über die Uhrzeit, die Lichtverhältnisse außerhalb des Labors und die aktuelle Mondphase im Unklaren gelassen wurden. Zusätzlich zu den schlafstrukturspezifischen Messungen wurde per Speichelprobe, die den Teilnehmern mehrmals in den Wachphasen entnommen wurde, der Cortisol- und Melatoninstatus bestimmt. Das auch als Schlafhormon bezeichnete Melatonin ist im Übrigen entscheidend für einen gesunden Schlafrythmus. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die Probanden während der Vollmondphasen im Mittel um die 20 Minuten kürzer schliefen, fünf Minuten länger bis zum Einschlafen benötigten und die Tiefschlafphasen um etwa ein Drittel laut EEG-Messung gemindert worden waren. Auch die Ausschüttung des Hormons Melatonin war bei Vollmond um ca. die Hälfte reduziert. Die Teilnehmer selbst schätzten ihre Schlafqualität in der Vollmondphase als schlechter ein.

Einschätzung:

Eine kleine Anekdote am Rande: Die Idee zu einer Auswertung unter Verwendung einer neuen Hypothese der ehemals unter ganz anderen Gesichtspunkten durchgeführten Studie kam den Wissenschaftlern bei einem gemeinsamen Umtrunk in einer Bar – bei Vollmond! Die Wissenschaftler gehen auf der Basis der im Rückblick gewonnenen Kenntnisse davon aus, dass die zirkalunare (dem Mondzyklus entsprechende) Rhythmik sich komplexer gestalte als die Tag-Nacht-Rhythmik, und dementsprechend schwieriger zu erklären sei. Die Vermutung der Forscher ist, dass die Menschheit sich lange an den Mondphasen orientiert hat und die Mondzyklen somit unbewusst immer noch als biologische Taktgeber fungieren. Warum aber zum Beispiel einige Menschen empfindlicher auf die wechselnden Mondphasen reagieren als andere, bleibt mysteriös. Weitere, kontrollierte Studien unter Verwendung kombinierter Messverfahren sind vonnöten, um mehr Erkenntnisse über die Ursachen der Beeinflussung des Schlafs durch den Mond zu erhalten.

Literatur

Cajochen C, Altanay-Ekici S, Münch M, Frey S, Knoblauch V, Wirz-Justice A. Evidence that the lunar cycle influences human sleep. Curr Biol 2013; 23(15): doi 10.1016/j.cub.2013.06.029. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract


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