Carstens-Stiftung: Multiple Sklerose: Weniger Schübe mit Schafgarbe

Studien kurz und knapp

Multiple Sklerose: Weniger Schübe mit Schafgarbe

Sowohl Anfallsrezidive als auch das Auftreten von Hirnläsionen lassen sich bei Patienten mit Multipler Sklerose durch die Einnahme eines pflanzlichen Extrakts reduzieren, wie eine über ein Jahr durchgeführte Studie nun zeigte.

Etwa 90 % der Patienten mit einer Multiplen Sklerose (MS) leiden unter einer remittierenden (schubförmigen) Form der Erkrankung. Die oft unregelmäßig auftretenden Schübe werden häufig von Sehstörungen, Sensibilitätsstörungen sowie Problemen auf motorischer und kognitiver Ebene begleitet und können von unterschiedlicher Dauer und Intensität sein. Das in der Schubphase auftretende entzündliche Geschehen führt zu Läsionen im Hirn- oder Rückenmarksbereich, die per Magnetresonanztomographie (MRT) lokalisiert werden können. Eine möglichst frühzeitig eingesetzte immunmodulierende Therapie, häufig unter Verwendung von Interferon-beta-Präparaten, zur Vermeidung weiterer neurologischer Schäden kann die Prognose der betroffenen Patienten positiv beeinflussen. Nicht immer ist die Therapie erfolgreich, so dass die Dosis erhöht oder aber auf andere Wirkstoffe zurückgegriffen werden muss, was in den meisten Fällen eine zusätzliche Belastung für den Körper bedeutet und zu erheblichen Nebenwirkungen führen kann.

Iranische Wissenschaftler stellten die Hypothese auf, dass eine pflanzliche Therapie unter Verwendung eines Extrakts aus der Schafgarbe (Achillea millefolium) in Begleitung der Standardtherapie deren Effektivität erhöhen kann. [1] Die in der Schafgarbe enthaltenen Flavonoide Apigenin und Luteolin erwiesen sich bereits in Tiermodellen als erfolgreiche Therapeutika bei kognitiver Dysfunktion und diversen neurologischen Beschwerden wie z.B. Neuralgien und Schlafstörungen. Zudem sind im Tierversuch erste positive Effekte im Einsatz eines Achillea-Extrakts bei Multipler Sklerose erzielt worden. Diese Erkenntnisse aufgreifend, initiierten Wissenschaftler der Universität Rafsanjan (Iran) eine erste Studie, die die Wirkung eines Achillea-Extrakts als adjuvante Therapie über ein Jahr bei Patienten mit MS untersucht. Dazu wurden insgesamt 75 Patienten mit remittierender Multipler Sklerose per Zufall drei Gruppen zugeteilt:

Gruppe A (25 Pat.): 250 mg/Tag Achillea-Extrakt
Gruppe B (25 Pat.): 500 mg/Tag Achillea-Extrakt
Gruppe C (25 Pat.): Placebo

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Das Placebo-Präparat wurde eigens für die Studie hergestellt und ähnelte in Aussehen und Geschmack dem Verum-Präparat. Der Achillea-Extrakt enthielt sowohl 0,28 mg/g Luteolin als auch 1,58 mg/g Apigenin. Als primärer Endpunkt wurde die Anzahl der auftretenden Rezidive definiert. Die sekundären Endpunkte bildeten primär die per MRT-Untersuchung nach sechs und zwölf Monaten festgestellte Anzahl und das Volumen der Hirnläsionen, außerdem wurden im Rahmen der zweitrangigen Studienziele neurologische und kognitive Parameter mittels mehrerer Testverfahren erhoben, die zu Studienbeginn, nach drei, sechs, neun und zwölf Monaten durchgeführt wurden. Am Ende standen den Wissenschaftlern die Daten von 65 Patienten zur Verfügung.

Nicht nur die gemittelte Rezidivrate über ein Jahr konnte im Vergleich mit der Placebokontrolle signifikant für beide Dosierungen des Achillea-Extrakts gesenkt werden, sondern es verstrich in den Verumgruppen auch mehr Zeit bis zum ersten Schub als in der Placebogruppe. Zudem reduzierte der pflanzliche Extrakt in der höheren Dosierung das Rezidivrisiko und das Volumen der auftretenden Läsionen signifikant im Vergleich mit der niedrigeren Dosierung und dem Placebo-Präparat. Auf der Ebene der neuropsychologischen Untersuchungen konnten moderate Verbesserungen zugunsten des Achillea-Extrakts in beiden Dosierungen bzgl. kognitiver Leistungen wie gedächtnisspezifische und wortprozessierende Fähigkeiten sowie die Bewältigung exekutiver Funktionen (z.B. strategische Handlungsplanung) erzielt werden. Außerdem war eine deutliche Verbesserung hinsichtlich depressiver Verstimmungen in den Verumgruppen zu verzeichnen.
Insgesamt wurden bis auf vereinzelte, leichte allergische Hautreaktionen keine schwerwiegenden Nebenwirkungen festgestellt.

Einschätzung:

Die in dieser ersten Studie zur Untersuchung eines Extrakts aus der Schafgarbe erzielten Erkenntnisse motivieren zu einer Verfolgung dieses Ansatzes im Rahmen weiterer größerer Untersuchungen. Allerdings ist festzuhalten, dass der pflanzliche Extrakt natürlich nicht das Potenzial besitzt, bereits entstandene Schäden auf neurologischer Ebene zu reparieren. Deshalb weisen die Wissenschaftler darauf hin, dass nur ein frühzeitiger, adjuvanter Einsatz des Achillea-Extrakts innerhalb eines Erkrankungszeitraumes von vier Jahren sinnvoll ist. Da eine höhere Dosierung des pflanzlichen Extrakts hinsichtlich der meisten untersuchten Parameter keine bemerkenswert besseren Ergebnisse erzielte, kann die 250 mg-Zubereitung des Achillea-Extrakts als wirksame und sichere Dosierung auch in weiteren Studien zum Einsatz kommen.
Im Fokus zukünftiger Studien könnte die Untersuchung des Wirkmechanismus, eine potenzielle Reduktion der Standardtherapie sowie die Berücksichtigung von Patienten mit anderen Varianten der Multiplen Sklerose stehen.

Achtung:

Studien zur Verträglichkeit von Extrakten aus der Schafgarbe bei Schwangeren und Kindern liegen bisher nicht vor.


Literatur

1) Ayoobi F, Moghadam-Ahmadi A, Amiri H, Vakilian A, Heidari M, Farahmand H, Sheikh Fathollahi M, Fatemi I, Shariei SA, Alahtavakoli M, Shamsizadeh A. Achillea millefolium is beneficial as an add-on therapy in patients with multiple sclerosis: a randomized placebo-controlled clinical trial. Phytomedicine 2018; epub ahead of print Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

Daniela Hacke

Daniela Hacke, M.A.
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