Rubrik: Studien kurz und knapp

Mit Kamille gegen PMS-Beschwerden?

Wassereinlagerungen, Brustspannen, Kopf- und Rückenschmerz, Schwindel, Depression und Reizbarkeit – einige dieser Erfahrungen auf der physischen und psychischen Ebene hat wohl jede Frau kurz vor Menstruationsbeginn schon machen müssen. Mit konventionellen Mitteln lässt sich diesem auf verschiedenen Ebenen ablaufenden Phänomen nur unzureichend entgegenwirken.

In einer iranischen doppelblind durchgeführten Studie wurde nun der Effekt eines Kamillen-Extrakts auf auftretende Beschwerden im Rahmen des prämenstruellen Syndroms (PMS) untersucht. Die 118 Teilnehmerinnen, Studenten einer südiranischen Universität, wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Gruppe nahm über den Zeitraum von zwei Monatszyklen jeweils mit einem Abstand von 21 Tagen drei Mal täglich eine Kapsel mit 100 mg Kamillenextrakt ein (über je 7 Tage), die andere bekam ein nichtsteroidales Antirheumatikum. Beide Arzneimittel sollten möglichst gleich aussehen, riechen und schmecken. Per Fragebogen wurde die Bandbreite und Intensität der PMS-relevanten Symptome erhoben.


 
Zu Studienende standen Daten von 90 Probandinnen für die Auswertung zur Verfügung. Hinsichtlich physischer Symptome wie Schwindel, Übelkeit sowie Spannungsgefühl in der Brust schnitten der Kamillen-Extrakt und die Mefenaminsäure gleich gut ab. Bei schmerzspezifischen Symptomen, bei dem die Hemmung der Prostaglandine, einer Gruppe von Gewebshormonen im Mittelpunkt steht, zeigte sich das Antirheumatikum jedoch erfolgreicher. Demgegenüber war der Kamillen-Extrakt der Kontrolle hinsichtlich psychischer Symptome wie Reizbarkeit und impulsiver Reaktionen überlegen.
 

Einschätzung:

Kamillen-Extrakt zeigte sich hinsichtlich der Gesamtintensität der PMS-spezifischen Symptome dem Antirheumatikum überlegen, konnte aber hinsichtlich physischer Beschwerden nicht wirklich punkten. Gemessen an der Verfügbarkeit und Verträglicheit bietet sich Kamille zur begleitenden Behandlung PMS-spezifischer Beschwerden vielleicht mehr an als das hier verwendete Antirheumatikum. Das ganze Spektrum der potenziell auftretenden Symptome lässt sich durch die alleinige Einnahme des pflanzlichen Extrakts aber wohl nicht in den Griff bekommen.

Frauen, die regelmäßig blutverdünnende Mittel wie Warfarin einnehmen, sollten Kamillenextrakt nicht leichtfertig und nur unter ärztlicher Aufsicht verwenden. In der Studie war die Einnahmezeit jeweils auf 7 Tage beschränkt. Ob sich Effektivität und Verträglichkeit bei einer dauerhaften Einnahme ändern, wäre eine potenzielle Fragestellung zukünftiger Studien. Auch der Wirkmechanismus bleibt in dieser Studie ungeklärt.

Somit empfiehlt sich die Einnahme von Kamillen-Extrakt vorerst bestenfalls in Kombination mit anderen Maßnahmen.

Sharifi F, Simbar M, Mojab F, Majd HA. Comparison of the effects of Matricaria chamomila (chamomile) extract and mefenamic acid on the intensity of premenstrual syndrome. Complement Ther Clin Pract 2014; 20: 81-88 > Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

Daniela Hacke

Daniela Hacke, M.A.
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