Carstens-Stiftung: Interview mit Kristina Flägel zum Interprofessionellen Lehrmodul

Rubrik: Unsere Projekte

Kristina Flägel über das Interprofessionelle Lehrmodul Komplementäre und Integrative Medizin

Im Rahmen ihrer Nachwuchsförderung ermöglichte die Carstens-Stiftung an den Universitäten Lübeck und Heidelberg die Etablierung eines Lehrmoduls zur Interprofessionellen Lehre in der Komplementären und Integrativen Medizin (InterKIM). Beide Standorte wurden über einen Zeitraum von drei Jahren mit je 30.000 EUR unterstützt, um Studierende der Humanmedizin und der Gesundheitsversorgung frühzeitig für Verfahren der Naturheilkunde, deren Einsatzmöglichkeiten und die Evidenzlage zu informieren.

Ärztin Kristina Flägel berichtet im Interview, welche Ziele das Projekt am Standort Lübeck verfolgt, welche Maßnahmen bisher umgesetzt wurden und noch geplant sind und wie das Angebot bei Studierenden wie Dozenten ankommt.

Was sind die Ziele des Projektes?

Unser Projekt zur Entwicklung eines interprofessionellen Lehrmoduls in der komplementären und integrativen Medizin zielt darauf ab, aus dem Wahlfach Naturheilverfahren für Medizinstudierende ein interprofessionelles Lehrmodul für Medizin-, Pflege- und Physiotherapiestudierende zu entwickeln. Das Wahlfach selbst wird seit 2005 von unserem Institut für Allgemeinmedizin für die Medizinstudierenden an der Universität zu Lübeck angeboten. Seit dem Wintersemester 2014/2015 gibt es an der Universität zu Lübeck den dualen Bachelorstudiengang Pflege und seit Wintersemester 2016/2017 den primärqualifizierenden Bachelorstudiengang Physiotherapie. Die Studierenden aller drei Studiengänge profitieren von Kenntnissen in Komplementär- und Integrativer Medizin, um ihre zukünftigen Patientinnen und Patienten umfassend beraten zu können. So war es uns ein besonderes Anliegen, das Wahlfach auf die Bedürfnisse der Pflege- und Physiotherapiestudierenden zu erweitern und interprofessionellen Unterricht zu gestalten.

Das Projekt läuft seit ca. 2 Jahren. Welche Maßnahmen haben Sie bisher umgesetzt?

Um das Lehrmodul passend an die Bedürfnisse der Studierenden sowie ihren zukünftigen Patientinnen und Patienten zu entwickeln, haben wir 680 Studierende zu ihren Interessen und Erfahrungen innerhalb der Komplementärmedizin befragt sowie 220 Patientinnen und Patienten aus Lübecker Hausarztpraxen und dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein am Campus Lübeck zu ihren Bedürfnissen und Wünschen in diesem Bereich. Darüber hinaus führten wir eine Mitarbeiterbefragung am Lübecker Universitätsklinikum durch zu den dort in Anwendung befindlichen komplementärmedizinischen Verfahren sowie Determinanten interprofessioneller Zusammenarbeit. Aus diesen Befragungen haben wir Lernziele für das Lehrmodul abgeleitet. Um die passenden interprofessionellen Lernziele zu entwickeln, führten wir ergänzend Gruppeninterviews, sogenannte Fokusgruppen, durch, in denen Vertreter verschiedenster Gesundheitsfachberufe diskutierten, welche Besonderheiten der interprofessionellen Zusammenarbeit in der Komplementärmedizin eine Rolle spielen.

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Nach Abschluss dieser umfangreichen Vorarbeiten und Anpassung der Veranstaltungen innerhalb des Lehrmoduls ist mit dem Sommersemester 2019 das Lehrmodul bereits zwei Mal interprofessionell durchgeführt.

Es besteht zurzeit aus insgesamt sechs Abendveranstaltungen, innerhalb derer eine Einführung in die Komplementär- und Integrative Medizin stattfindet sowie die Themenbereiche Phytotherapie, Aromatherapie, Homöopathie, TCM und Akupunktur, Neuraltherapie und Manuelle Medizin bzw. Therapie behandelt werden. Um die einzelnen Seminarthemen zusammenzuführen, findet nach den einzelnen Themenabenden ein interprofessionelles Fallseminar statt, in dem die Dozierenden aus ihrer Profession und Zusatzqualifikation heraus die Herangehensweise an einen Fall, aktuell zum Krankheitsbild Migräne, diskutieren.

Wie kommt das Angebot bei Studierenden und Dozenten an?

Das Interesse an dem Wahlfach ist sehr groß. Da der praktische Charakter beibehalten werden soll, ist die maximale Studierendenanzahl allerdings bei 35 Studierenden. Daher gibt es eine Warteliste.

In der Evaluation schätzen die Studierenden besonders die praktisch orientierte Gestaltung der Veranstaltung sowie die Leidenschaft der Dozierenden und ihre persönlichen Erfahrungen, die sie übermitteln. Im Sommersemester wurde das Lehrmodul in der zentralen Online-Evaluation insgesamt mit der Schulnote 1,4 bewertet, genauso wie der erste interprofessionelle Durchgang im Wintersemester 2019.

Die Dozierendenauswahl erfolgte wie bei den Studierenden interprofessionell, sodass Ärztinnen und Ärzte, Gesundheits- und Krankenpflegerinnen als auch Physiotherapeutinnen unterrichten.

Mein Eindruck ist, dass die unterschiedlichen Professionen und Interessen Dozierender wie auch Studierender den Unterricht ungemein bereichern. Die Rückmeldungen zur interprofessionellen Gestaltung waren durchweg positiv.

Welche Relevanz hat das Lehrmodul für die CAM bzw. die Praxis?

Das Lehrmodul ist eine Möglichkeit, den Studierenden der verschiedenen Professionen das Themengebiet der Komplementärmedizin näherzubringen. Nach dem Nationalen Lernzielkatalog Medizin sollen Medizinstudierende Kompetenzen zu Naturheilverfahren umfassend erwerben. Wir können mit unserem Modul diesem Anspruch näherkommen. In einer Vorher-Nachher-Evaluation gaben die Studierenden an, signifikant besser Patientinnen und Patienten zu komplementärmedizinischen Verfahren beraten zu können als vor Besuch des Lehrmoduls.

Wie geht es weiter?

Studierende der Medizin besuchen das Lehrmodul zurzeit als vorklinisches oder klinisches Wahlfach, Studierende der Physiotherapie und Pflege als Wahlpflichtfach. Ich arbeite zurzeit an einer Modulbeschreibung, sodass das Wahlpflichtfach in die Studiengangsordnung der Studiengänge Physiotherapie und Pflege Eingang finden kann. Somit ist die Lehre hier absehbar curricular verankert, was ein großer Erfolg ist.

Wir sind gerade mit dem dritten interprofessionellen Durchgang gestartet, die Plätze waren bereits frühzeitig ausgebucht. Wir erweitern die Themenabende innerhalb des Lehrmoduls nun mit Inputs zu den Themen Ernährungstherapie und Anthroposophische Medizin, um den Studierenden bedarfsgerecht ein noch weiteres Spektrum bieten zu können. Im Sommersemester 2020 können wir das Lehrmodul zudem um das Themengebiet Osteopathie erweitern.

Kristina Flägel

ist Ärztin und Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Allgemeinmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein und unterrichtet am Campus Lübeck.
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