Studien kurz und knapp

Kohlenhydratreiche Kost bei Darmkrebs ungünstig?

Schnelleres Tumorwachstum durch hohe glykämische Last! Tumorzellen lieben Zucker. Der Konsum besonders stärkehaltiger Kohlenhydrate könnte laut einer Beobachtungsstudie das Wachstum von Krebszellen bei Darmkrebs-Patienten fördern – eine Chance für eine kohlenhydratarme Diät?

Das Thema „Ernährung“ beschäftigt viele Krebspatienten. Insbesondere die ketogene Diät, eine besonders kohlenhydratarme und dafür fettreiche Kost, erfährt auch in der onkologischen Forschung und im Klinikalltag wieder vermehrte Aufmerksamkeit. Bereits vor hundert Jahren wurde in Deutschland zum Thema „Krebs und seine Vorliebe für Zucker“ geforscht. Die experimentelle Tierforschung kam sogar zu dem Ergebnis, dass Kohlenhydrate (wie z.B. Zucker) das Krebswachstum fördern.

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Eine aktuelle prospektive Kohortenstudie untersuchte den Einfluss einer kohlenhydratelastigen Kost auf die Entwicklung neuer Krebszellen bei über 1000 Patienten mit fortgeschrittenem Kolonkarzinom (Darmkrebs). Die Probanden wurden im Zuge einer chemotherapeutischen Maßnahme sowie sechs Monate danach nach ihrer Ernährungsweise gefragt. Anschließend wurden Werte wie die glykämische Last, der glykämische Index, die Fruktosezufuhr und die Aufnahme von Kohlehydraten errechnet. Es stellte sich heraus, dass besonders übergewichtige Patienten mit einem erhöhten BMI von 25 und höher sowie einer hohen glykämischen Last ein mehr als die Hälfte (2,26-fach) höheres Risko hatten, wiederkehrende Tumoren und eine erhöhte Sterblichkeit aufwiesen. Die glykämische Last errechnet sich aus dem glykämischen Index (Auswirkungen der Aufnahme von Kohlenhydraten auf den Blutzuckerspiegel) und der genauen Menge der aufgenommenen Kohlenhydrate pro 100 Gramm Nahrungsmittel.

Merkmale einer ketogenen Diät

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Krebszellen profitieren in vielerlei Hinsicht von durch erhöhte Kohlenhydratezufuhr verursachten hohen Blutzuckerwerten. Patienten nehmen im Rahmen einer ketogenen Diät dementsprechend möglichst wenige Kohlenhydrate, jedoch dafür mehr fett- und eiweißreiche Lebensmittel zu sich. Durch die Reduktion von glykosehaltigen Lebensmitteln werden zunehmend sog. Ketonkörper produziert, von denen Experten vermuten, dass sie das Wachstum von Krebszellen hemmen. Man nimmt an, dass sich der Tumorstoffwechsel bei einer Ketose deutlich verlangsamt. Allerdings belegen die leider bisher mageren Erkenntnisse aus der Wissenschaft, dass einzelne Tumorarten unterschiedlich auf eine reduzierte Kohlenhydrataufnahme reagieren. Zudem wurde die ketogene Diät von einigen Patienten als unzumutbar abgelehnt.

Einschätzung:

Eine Aussage zu potenziellen Vorteilen einer ketogenen Diät macht diese Studie zwar nicht, die Wissenschaftler liefern jedoch mit ihren Ergebnissen eine zwar vorsichtig zu beurteilende, aber aussagekräftige Grundlage für weitere Untersuchungen in diese Richtung.

Insbesondere könnten die gewonnenen Kenntnisse die Ernährungsempfehlungen von Onkologen für Patienten in der kräftezehrenden Behandlungsphase (Operation, Strahlen- und Chemotherapie) revidieren. Bisher galt eine Diät wegen der Gefahr eines zu hohen Gewichtsverlustes als zu riskant. Die ketogene Diät jedoch berücksichtigt dies, indem sie die kohlenhydratarme Ernährungsweise mit einer erhöhten Aufnahme von Fetten und Eiweißen kombiniert.

Leider bewegen sich die Erkenntnisse zu Effekten einer Ernährung mit weniger Kohlenhydraten auf die Entwicklung von Krebserkrankungen noch auf wackligen Beinen, da bisher nur wenige, kleinere Studien durchgeführt worden sind. Weitere Langzeitbeobachtungen zur Auswirkung einer ketogenen Diät auf den Krankheitsverlauf von Patienten in verschiedenen Krebsstadien stehen also noch aus.

Literatur

1) Meyerhardt JA, Sato K, Niedzwiecki D, Ye C, Saltz LB, Mayer RJ, Mowat RB, Whittom R, Hantel A, Benson A, Wigler DS, Venook A, Fuchs CS. Dietary glycemic load and cancer recurrence and survival in patients with stage III colon cancer: Findings from CALGB 89803. J Natl Cancer Inst 2012; 104: 1702-1711 Opens external link in new windowAbstract

Daniela Hacke

Daniela Hacke, M.A.
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