Carstens-Stiftung: Kneipp im Kindergarten: Gesundheitserziehung von Anfang an

Studien kurz und knapp

Kneipp im Kindergarten: Gesundheitserziehung von Anfang an

Früh übt sich, wer gesund bleiben will: Prävention fängt im Kindesalter an. Ein Bericht über die Umsetzung der Kneipp'schen Gesundheitslehre in einem exemplarischen Kneipp-Kindergarten.

In derzeit 400 Kneipp-zertifizierten Kindergärten und -tagesstätten in Deutschland wird bereits den Kleinsten ein gesunder Lebensstil nach den Lehren Sebastian Kneipps vermittelt. Im Rahmen einer ganzheitlichen Gestaltung des Kindergartenalltags werden die Kinder schon im frühen Alter spielerisch an die fünf Säulen des Kneipp'schen Ansatzes herangeführt, bestehend aus Wasseranwendungen (Hydrotherapie), Pflanzenheilkunde (Phytotherapie), Bewegungstherapie, Ernährung und Ordnungstherapie. Die Zertifizierung eines Kindergartens oder einer Kindertageseinrichtung durch den Kneippbund ist mit der Anforderung verbunden, dass mindestens die Hälfte der in der Einrichtung angestellten ErzieherInnen ein 30-stündiges Ausbildungsprogramm zu den Inhalten der Kneipp'schen Gesundheitslehre absolvieren sowie jährliche Auffrischungskurse besuchen. Außerdem müssen geeignete Außenanlagen zur Umsetzung körperlicher Aktivitäten vorhanden sein, die durch regelmäßige Angebote in die Praxis umgesetzt werden. Weitere Maßnahmen zur Erfüllung der Zertifizierungs-Richtlinien bilden die Integration der Eltern, ein regelmäßiger Tagesablauf mit festen Ruhe- und Wachzeiten, gesunde Ernährungsangebote, der Umgang mit Pflanzen und Kräutern und tägliche Wasseranwendungen nach Kneipp. Die Zertifizierung des Kindergartens erfolgt dann bei erfolgreicher Umsetzung der Vorgaben in die Praxis nach 18 Monaten. [1]

Der Kneipp-Kindergarten St. Stephanus in Essen

Wie die praktische Umsetzung einer ganzheitlichen Gesundheitserziehung nach den Kneipp'schen Prinzipien aussehen kann, zeigt eine Publikation zweier Kinderärztinnen aus Landshut und Essen, die einen exemplarischen Kneipp-zertifizierten Kindergarten in Essen an der Ruhr (St. Stephanus-Kindergarten, Stadtteil Holsterhausen) besuchten und die dort gewonnenen Erkenntnisse im Rahmen ihres Projektberichts vorstellten. [2] Das Pilotprojekt ist Teil des "Pediatric Integrative Medicine in Residency (PIMR)"-Programms, einer Initiative der American Academy of Pediatrics (AAP), das die Fort- und Ausbildung von pädiatrischen ÄrztInnen in integrativer Medizin zum Ziel hat. [3]

In dem beispielhaft vorgestellten Essener Kindergarten befanden sich zum Zeitpunkt des Besuchs 54 Kinder, die in drei Gruppen aufgeteilt waren – zwei davon beinhalteten 3- bis 6-Jährige, die dritte Gruppe bestand aus Kindern im Alter von 3 Monaten bis 3 Jahren. Sechs ErzieherInnen, eine Kinderkrankenschwester, eine Kinderpflegerin und die Kindergartenleiterin bilden die Belegschaft des Kindergartens. Das Gebäude umfasst mehrere Räumlichkeiten und eine großzügige Außenanlage, die die Kinder bei jedem Wetter nutzen dürfen. Als der katholischen Gemeinde angeschlossene Einrichtung wird der Kindergarten St. Stephanus zentral vom "KiTa Zweckverband", einer Vereinigung von Kindertageseinrichtungen im Essener Bistum, verwaltet. Der respektvolle Umgang miteinander, mit anderen Menschen und ihren Glaubensrichtungen bildet eine der zentralen Prämissen dieser Einrichtung.

Das konzeptuelle Design: Die fünf Säulen Kneipps in der Praxis

Jede der fünf Säulen des Kneipp'schen Gesundheitskonzepts wird regelmäßig, aber auf spielerische Art und Weise, mit den Kindern in die Praxis umgesetzt. Im Rahmen der Hydrotherapie lernen die Kinder Güsse oder Waschungen mit kaltem-/warmem Wasser, Fuß- oder Armbäder und Bürstenmassagen zur eigenen Beruhigung oder Belebung durchzuführen. Im Winter gehen sie barfuß (mit angewärmten Füßen) im Schnee spazieren, im Frühling und Sommer heißt es: Tautreten auf der Wiese. Auch das bekannteste Beispiel Kneipp'scher Anwendungen, Wassertreten im Kaltwasserbecken, wird regelmäßig von den schon etwas älteren Kindern ausgeübt. Die meisten der insgesamt 120 angewandten Formen der Hydrotherapie stärken das Immunsystem, den Kreislauf und die Fußmuskulatur. Dabei werden jedoch stets die individuellen Merkmale und der gesundheitliche Zustand jedes Kindes berücksichtigt und diesem vermittelt, was je nach Befindlichkeit gut und was möglicherweise schädlich sein könnte.

Fieberzaepfchen oder Wadenwickel? 100 Fragen an den homoeopathischen Kinderarzt, Band 2

Fieberzäpfchen oder Wadenwickel?

Dürfen Kinder in die Sauna? Müssen Antibiotika wirklich sein? Gegen welche Krankheiten soll geimpft werden? Soll mein Kind mit dem Handy telefonieren? Wieviel Milch ist gesund? Eltern stellen sich und dem Kinderarzt zahlreiche Fragen, wenn es um das Wohl ihres Kindes geht. Christian, Lucae, Kinderarzt mit Zusatzbezeichnung Homöopathie, hat im vorliegenden Ratgeber 100 der häufigsten Fragen beantwortet.

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Mittels eines Kräutergartens in den Außenanlagen des Kindergartens lernen die Kinder gemäß der Lehren der Phytotherapie den Anbau, die Namen und die Verwendung von Heilkräutern. Unter Anleitung werden die Pflanzen getrocknet und daraus Kräuterkissen, Tees und aromatische Öle hergestellt. Der Pflanzenanbau konzentriert sich auf Heilkräuter der Traditionellen Europäischen Medizin wie z.B. Kamille, Fenchel, Pfefferminze, Anis und Lavendel. Im Umgang mit den Kräutern vom Anbau bis zur Verarbeitung und anschließenden Anwendung wird den Kindern sowohl der respektvolle Umgang mit der Natur als auch der gesundheitliche Nutzen einzelner Pflanzen bei diversen Beschwerden vermittelt.

Um den Bewegungsdrang der Kinder zu fördern, werden ihnen neben einem Raum im Innenbereich eine großzügige Allwetter-Außenanlage zur Verfügung gestellt, wo sie nach Belieben herumtoben und klettern dürfen. Zwecks Förderung der Sinnes- und Körperwahrnehmung bewegen sich die Kinder barfuß. Unterstützt wird dies ebenfalls durch einen Sinnesparcours, der die Kinder Achtsamkeit beim Erfühlen verschiedener Untergründe wie bspw. Gras, Asphalt, Stein, Schnee u.a. lehrt. Im Zuge der körperlichen Bewegung mit anderen sollen die Kinder gleichzeitig ein soziales und emotionales Bewusstsein für andere entwickeln.

Zwecks Prägung des Bewusstseins für eine gesunde Ernährung werden die Kinder in Anlehnung an die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung mit gesunden Lebensmitteln wie saisonalen, regionalen und vollwertigen Nahrungsmitteln versorgt. Dabei wird den Kindern sowohl beim Frühstücksbuffet aus gesunden Zutaten und bei der Abstimmung über den Wochenplan bzgl. des Mittagessens freie Wahl gewährt. Die Kinder lernen so bereits in frühem Alter, ihre individuellen Essensvorlieben und ihren Bedarf an Nährstoffen anhand einer gesunden Nahrungsmittelauswahl zu erkennen und zu erfüllen.

Homoeopathische Sandkastenfibel, Band 2

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Michael Teut und Christian Lucae, beide erfahrene Homöopathen, haben ihr Buch prägnant und nachvollziehbar aufgebaut, so dass man direkt bei den entsprechenden Beschwerden nachschlagen und ein passendes Arzneimittel wählen kann. Der Schwerpunkt der Sandkastenfibel liegt bei Kindern im Säuglings- und Sandkastenalter, von vielen Vorschlägen können auch Schulkinder profitieren.

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Ein strukturierter Alltag mit täglichen und saisonalen Ritualen sowie einem ausgeglichenen Verhältnis von Ruhe- und Aktivitätsphasen soll den Kindern im Sinne der Kneipp'schen Ordnungstherapie ein Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit vermitteln. In Umsetzung des Papilio-Programms, eines pädagogischen Konzepts, das die Vermeidung von Verhaltensauffälligkeiten und die Entwicklung einer sozial-emotionalen Kompetenz zum Ziel hat, wird den Kindern der respektvolle Umgang mit anderen und sich selbst vermittelt. Dabei lernen die Kinder spielerisch sowohl ein Bewusstsein für gesellschaftliche Regeln und deren Umsetzung zu entwickeln als auch eigene sowie die Gefühle anderer zu erkennen und auf diese angemessen zu reagieren. Außerdem soll ein Tag in der Woche, den die Kinder ohne Spielzeuge und nur unter Verwendung natürlicher Materialien verbringen, ihre Kreativität steigern, eigene interaktive Spiele gemeinsam mit den anderen Kindern zu entwickeln. Bei allen Aktivitäten wird die Teilnahme der Eltern begrüßt.

Einschätzung:

Durch die spielerische Heranführung an die Prinzipien der Kneipp'schen Gesundheitslehre erlernen die Kinder in einem Kneipp-zertifizierten Kindergarten schon im frühen Alter gesundheitsbewusstes Verhalten sowie einen verantwortungsvollen und achtsamen Umgang mit sich selbst, ihren Mitmenschen und ihrer Umwelt. Angesichts der zunehmenden Anzahl von Kindern, denen durch mangelnde körperliche Aktivität, ungesunde Ernährung und sozialer Verwahrlosung durch Defizite im Umgang mit anderen schon früh Risiken für die Entwicklung von Zivilisationskrankheiten, aber auch Verhaltensstörungen sowie mangelnde sozial-emotionale Kompetenz drohen, wäre eine Erweiterung des beschriebenen Erziehungskonzepts nach den Lehren von Sebastian Kneipp auf andere Kindergärten wünschenswert. Der im Kneipp-Kindergarten vermittelte Impuls sollte jedoch im weiteren Verlauf der kindlichen Erziehung zwecks Erhalt und Weiterführung des erlernten Gesundheitsbewusstseins auch an Schulen fortgesetzt werden. Über die praktische Umsetzung des Kneipp-Gesundheitskonzepts sowohl im Kindergarten als auch in Schulen informiert der Kneipp-Bund auf seiner Internetseite [4].

Literatur

1) Informationen zur Zertifizierung von Kindertageseinrichtungen durch den Kneippbund: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttps://www.kneippbund.de/guetesiegel-zertifizierung/kindertageseinrichtungen (Zugriff am 02.08.18)

2) Eckert M, Anheyer M. Applied pediatric integrative medicine: what we can learn from the ancient teachings of Sebastian Kneipp in a kindergarten setting. Children 2018; 5: 102 Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

3) Informationen zum „Pediatric Integrative Medicine in Residency (PIMR)“-Programm: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttps://integrativemedicine.arizona.edu/education/peds_imr.html (Zugriff am 02.08.18)

4) Informationen über die praktische Umsetzung des Kneipp-Gesundheitskonzepts im Kindergarten und in Schulen: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttps://www.kneippbund.de/guetesiegel-zertifizierung (Zugriff am 02.08.18)

Daniela Hacke

Daniela Hacke, M.A.
Fachbereich Bibliothek | Informationsmanagement

Telefon: 0201 56 305 18
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(Veronica Carstens)