Carstens-Stiftung: Homöopathie statt Antibiotika bei Infektionen der oberen Atemwege.

Rubrik: Studien kurz und knapp

Homöopathie statt Antibiotika bei Infektionen der oberen Atemwege

Eine Beobachtungsstudie an Kindern förderte zutage, dass die zusätzliche Anwendung von Antibiotika bei der homöopathischen Behandlung von Infektionen der oberen Atemwege keinen therapeutischen Nutzen hat, aber das Risiko für Nebenwirkungen signifikant erhöht.

Husten ist eines der häufigsten Symptome in der Allgemein- und der Kinderarztpraxis. Ursächlich ist zumeist eine viral bedingte Infektion der oberen Atemwege (Upper Respiratory Tract Infection = URTI). In der Regel verschwinden die Beschwerden innerhalb weniger Wochen von selbst. Die Lebensqualität der Betroffenen kann jedoch zum Teil stark eingeschränkt sein.

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Vorschulkinder leiden durchschnittlich sechs- bis achtmal im Jahr an einer Erkältung, die zumeist mit Husten einhergeht. Eine Erhebung (2) konnte nachweisen, dass 46% aller Kinder mit einer URTI Antibiotika verschrieben bekommen. Wird die Diagnose Bronchitis gestellt, steigt dieser Anteil auf 75%. Eine systematische Übersichtsarbeit (3) der Cochrane-Collaboration fand keine zufriedenstellende wissenschaftliche Evidenz für die Wirksamkeit von Antibiotika bei Erkältungen und URTI über Placebo hinaus. Die Daten belegen jedoch eine deutlich erhöhte Gefahr unerwünschter Arzneimitteleffekte. In Verbindung mit der stetig wachsenden Problematik der Antibiotikaresistenzen besteht somit ein dringender Bedarf an alternativen Therapieoptionen. Homöopathische Präparate sind in der Regel nebenwirkungsfrei und können daher insbesondere für Kinder eine wirksame und sichere Behandlungsalternative darstellen. (4)

Die vorliegende Beobachtungsstudie schloss 85 Kinder zwischen fünf und vierzehn Jahren ein, die mit einem URTI-assoziierten Husten vorstellig wurden. 46 dieser Patienten erhielten lediglich das homöopathische Komplexmittel Stodal® für zehn Tage, und 39 zusätzlich ein durch die behandelnden Ärzte jeweils individuell verordnetes Antibiotikum. Gemessen wurde die Hustenintensität mittels einer 6-Punkte-Skala (Verbal Category Descriptive Scale = VCD). In beiden Gruppen konnte eine signifikante Reduktion der Symptomatik über den gesamten Studienzeitraum von 28 Tagen festgestellt werden. Zu keinem Zeitpunkt wurde ein Vorteil für die zusätzlich mit einem Antibiotikum behandelten Kinder gegenüber den ausschließlich homöopathisch behandelten sichtbar. Während in der Homöopathiegruppe 4,3% der Probanden unerwünschte Nebenwirkungen berichteten, war dies bei 23,1% der Patienten in der Antibiotikagruppe der Fall. Gemeldet wurden hierbei Durchfall, Erbrechen sowie Hautausschläge.

Quelle: Referenz (1)

Einschätzung:

In einer früheren randomisierten, placebokontrollierten Doppelblind-Studie (5) desselben Forscherteams konnte die Überlegenheit des hier getesteten Komplexmittels gegenüber Placebo demonstriert werden. Die vorliegende Arbeit belegt nun, dass eine zusätzlich durchgeführte Antibiose in der Behandlung von URTI-assoziiertem Husten bei Kindern keine Vorteile, wohl aber Nachteile mit sich bringt. Laut Angabe der Autoren hat der Hersteller des untersuchten Präparats beide Studien mitfinanziert, ohne jedoch Einfluss auf die Ergebnisse zu nehmen. Die gefundenen Resultate dieser Arbeiten fügen sich konsistent in die Gesamtevidenz ein, die zur Behandlung von URTI mit homöopathischen Mitteln vorliegt: Eine von der Schweizer Regierung in Auftrag gegebene Übersichtsarbeit (6) zur Homöopathie wertete beispielsweise 29 Studien zu diesem Indikationsgebiet aus. Mindestens ein positiver Trend für die homöopathische Behandlung konnte in 22 dieser Studien konstatiert werden. Auch in der höchsten Evidenzklasse berichteten 11 von 14 placebokontrollierten Studien über einen Vorteil der Homöopathie- gegenüber der Placebogruppe. Die Gesamtforschungslage lässt den Schluss zu, dass eine homöopathische Therapie von URTI wirksam und sicher ist. Insbesondere stellt sie eine valide Therapieoption gegenüber den häufig eingesetzten aber zumeist nutzlosen und mit Nebenwirkungen assoziierten Antibiotika dar. Ein Behandlungsversuch mit Homöopathie ist daher auch insbesondere für Kinder empfehlenswert.

1) Zanasi, A.; Cazzato, S.; Mazzolini, M.; Ierna, C.M.; Mastroroberto, M.; Nardi, E.; Morselli-Labate, A.M.: Does additional antimicrobial treatment have a better effect on URTI cough resolution than homeopathic symptomatic therapy alone?, A real-life preliminary observational study in a pediatric population. Multidiscip Respir Med 2015; 10(1): 25; (1-6). Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

2) Nyquist AC, Gonzales R, Steiner JF, Sande MA. Antibiotic prescribing for children with colds, upper respiratory tract infections, and bronchitis. JAMA. 1998;279(11):875–7. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

3) Arroll B, Kenealy T. Antibiotics for the common cold, a meta-analysis. Cochrane Database Syst Rev. 2000;2:CD000247. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

4) Artikel »Gefahr durch Globuli« auf Carstens-Stiftung.de. Link

5) Artikel »Husten-Stopp dank Homöopathikum« auf Carstens-Stiftung.de. Link

6) Bornhöft, G.; Matthiessen, P. (Hrsg.): Homöopathie in der Krankenversorgung – Wirksamkeit, Nutzen, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit. VAS: 2012. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract


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(Veronica Carstens)