Carstens-Stiftung: Wissenschaftliche Befunde zur Sicherheit homöopathischer Arzneimittel.

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Gefahr durch Globuli?

Wissenschaftliche Befunde zur Sicherheit homöopathischer Arzneimittel

Die Homöopathie wird in der deutschen Bevölkerung immer beliebter [1]: Anwender berichten regelmäßig von klinisch relevanten, nachhaltigen Besserungen ihres Gesundheitszustandes.[2,3] Einen besonderen Vorzug der homöopathischen Therapie sehen hierbei viele Patienten darin, dass sie kaum Nebenwirkungen hat. Kritiker hingegen widersprechen dem zum Teil und betonen die Gefahr, die davon ausgehen könne, dass andere, mutmaßlich wirksamere Behandlungsoptionen von Homöopathieverwendern nicht in Anspruch genommen würden. Im Folgenden soll daher ein Überblick der wissenschaftlichen Befunde zur Frage der Sicherheit des homöopathischen Behandlungsverfahrens gegeben werden.

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Historischer Hintergrund 

Der Begründer der Homöopathie, der an der Universität Leipzig habilitierte Arzt Dr. Samuel Hahnemann, wandte sich vor gut 200 Jahren von der medizinischen Praxis seiner Zeit ab. Der Nutzen vieler damals weit verbreiteter Verfahren, wie etwa exzessive Aderlässe, Brechmittel und die Anwendung großer Dosen toxischer Substanzen (Quecksilber, Nachtschattengewächse u.ä.) schien ihm fraglich. Er sah in vielen dieser Maßnahmen eher eine potentielle Bedrohung für den Kranken.[4] Das Herstellungsverfahren homöopathischer Arzneimittel, das schrittweise Verdünnen und Verschütteln war daher zunächst lediglich ein Mittel, die Nebenwirkungen der eingesetzten Pharmaka zu reduzieren, ohne die gewünschte Heilwirkung herabzusetzen. Im Hinblick auf die von Hahnemann beabsichtigte Reduktion unerwünschter Arzneimitteleffekte liegen mittlerweile Daten aus unterschiedlichen Forschungsdesigns vor.


Patientenbefragungen

Sowohl repräsentative Befragungen [5] als auch qualitative Interviews [6] von Homöopathieanwendern ergeben regelmäßig, dass es sich um eine als besonders sicher und nebenwirkungsarm eingeschätzte Therapieform handelt. Die wahrgenommene Ungefährlichkeit der potenzierten Arzneimittel wird, zusammen mit anderen Faktoren, von vielen Patienten sogar als Grund für ihre Therapieentscheidung angegeben:

„Eine schulmedizinische Behandlung wird als erfolglos und unbefriedigend wahrgenommen, wenn die durch eine Erkrankung ausgelöste Symptomatik ohne spürbare Besserung anhält, wodurch die Lebensqualität maßgeblich leidet und zusätzlich die hohen Nebenwirkungen der Medikamente zum Tragen kommen. Dementsprechend gilt der Wunsch nach Verbesserung der Symptomatik, die damit einhergehende Steigerung der Lebensqualität und die Reduzierung bzw. Vermeidung der durch langfristige Medikamenteneinnahme erzeugten Nebenwirkungen als hauptsächliche Motivation zum Aufsuchen und Beibehalten eines homöopathischen Behandlungssettings.“ [7]

Beobachtungsstudien

Die Ergebnisse klinischer Beobachtungsstudien scheinen die Einschätzungen aus Patientenbefragungen zu bestätigen:

In einer prospektiven vergleichenden Beobachtungsstudie [8] wurde bspw. untersucht, inwieweit sich die Behandlungsergebnisse homöopathisch und konventionell behandelter Patienten unterscheiden. Von 465 Patienten mit Atemwegs- und/oder Ohrenerkrankungen wurden 281 homöopathisch und 175 konventionell behandelt. Nach 14 Tagen konnte bei 82,6 % der homöopathisch Behandelten eine vollständige Heilung oder zumindest eine sehr deutliche Besserung konstatiert werden. Dasselbe Ergebnis ließ sich in der Gruppe der konventionell Behandelten für 68 % feststellen. Nebenwirkungen traten bei 22,3 % der konventionell behandelten Probanden auf. In der Homöopathiegruppe berichteten dagegen nur 7,8 % der Patienten von unerwünschten Arzneimitteleffekten.

Eine weitere Beobachtungsstudie [9] mit 772 Kindern aus sieben Ländern zeigte nach zwei Monaten homöopathischer Behandlung einen deutlichen Zugewinn an Lebensqualität sowie eine hohe Patientenzufriedenheit; Nebenwirkungen wurden nur bei 4,2 % der Kinder beobachtet. Diese Daten lassen die gehäufte Inanspruchnahme homöopathischer Therapieangebote durch Eltern (chronisch) kranker Kinder unter dem Gesichtspunkt der Arzneimittelsicherheit gerechtfertigt erscheinen.


Randomisierte, placebokontrollierte Studien und Übersichtsarbeiten

Auch in Studiendesigns, die dem Goldstandard der evidenzbasierten Medizin entsprechen, ergibt sich ein ähnliches Bild: Eine Metaanalyse [10] von 3.437 Patienten aus 24 randomisierten, placebokontrollierten Studien präsentierte für die Gruppe der mit homöopathischen Arzneien Behandelten 63 Fälle (1,54 %) von unerwünschten Therapieeffekten. Dem standen 50 solcher Fälle (1,45 %) für die mit Placebo behandelten Patienten gegenüber. In den hier untersuchten Studien verursachten potenzierte Arzneimittel somit ungefähr genauso viele Nebenwirkungen wie reine Scheinarzneien, namentlich so gut wie keine.

Eine weitere Übersichtsarbeit [11] wertete Berichte homöopathischer Behandlungen sowie Studien aus den Jahren 1970-1995 aus und berechnete eine Rate von 9,4 % unerwünschten Ereignissen unter der Wirkung homöopathischer Arzneimittel gegenüber 6,1 % bei der Verabreichung von Placebopräparaten. Die Autoren halten Häufigkeit und Schwere der Nebenwirkungen in beiden Gruppen für vergleichbar gering und stufen sie zudem als vorübergehend ein.

Sicherheitsbedenken

Ein Vorwurf lautet, dass Homöopathie aufgrund der Verdünnungsverhältnisse der verwendeten Arzneimittel unwirksam sei. Vor diesem Hintergrund werde bei der Anwendung potenzierter Präparate unter Umständen eine möglicherweise wirksamere Therapie versäumt. Dies könne, insbesondere in Fällen schwerer Erkrankungen, negative Folgen haben. Epidemiologische Untersuchungen dieser Fragestellung haben ergeben, dass die meisten Patienten eine homöopathische Behandlung in den genannten Fällen eher zusätzlich zu konventionellen Therapieangeboten als alternativ zu diesen nutzen.[12] Überdies scheinen ähnlich viele Anwender wie Nichtanwender ein Bewusstsein für das Einsatzspektrum potenzierter Arzneimittel zu besitzen:

„Dabei sehen die Befragten durchaus Grenzen der Homöopathie. Bis zu 65 Prozent der homöopathisch Behandelten und 70 Prozent der Menschen ohne solche Erfahrungen halten eine alleinige homöopathische Therapie schwerer Erkrankungen unter Umständen für gefährlich.“ [13]


Homöopathie

aus Sicht der
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Der Direktor des Nordic Cochrane Centers, Peter Gøtzsche, kommt aufgrund der vorliegenden Daten aus klinischen Studien konventioneller pharmakologischer Interventionen zu der Schlussfolgerung, dass die Nebenwirkungen dieser Medikamente die dritthäufigste Todesursache in der industrialisierten Welt darstellen.[14] In Anbetracht dieser Einschätzung eines führenden Epidemiologen könnte man schlussfolgern, dass deutlich mehr Gesundheitsschäden durch die übermäßige Einnahme konventioneller Medikamente entstehen als durch eine mutmaßliche Unterversorgung mit solchen, die dadurch verursacht werden soll, dass Patienten stattdessen homöopathische Therapieangebote in Anspruch nehmen.

Es existieren einige wenige Berichte von Intoxikationen aufgrund der Verwendung niedrigpotenzierter homöopathischer Arzneimittel.[15] Hierbei handelt es sich regelmäßig um Fehlanwendungen, die durch die häufige Einnahme von Präparaten, deren Ausgangssubstanzen stark giftig sind, über einen langen Zeitraum gekennzeichnet sind. Missbrauch dieser Art kann durch vorschriftsmäßige Einnahme beziehungsweise die Beratung durch einen qualifizierten Therapeuten vermieden werden. Hinsichtlich der arzneimittelrechtlichen Rahmenbedingungen ist auf die vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) herausgegeben Aufbereitungsmonographien zu verweisen, die die Wirksamkeit und Unbedenklichkeit homöopathischer Arzneimittel dokumentieren.[16] Potentiell toxische Substanzen sind nach bundesrechtlichen Vorschriften (Scribas-Tabelle) bis zur dritten Dezimalpotenz (D3) verschreibungspflichtig, wodurch einer unbedachten Anwendung vorgebeugt wird.[17] Dies korrespondiert mit substanzbezogenen Hinweisen zur Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit in den Aufbereitungsmonographien. Im Übrigen ist die Qualitätssicherung durch die Monographien im HAB und im PhEur rechtsverbindlich vorgegeben. Daraus geht auch der pharmazeutisch-technologische Unterschied zwischen einer nur verdünnten und einer potenzierten Substanz hervor.


Einschätzung:

Die Homöopathie ist insgesamt als nebenwirkungsarmes Therapieverfahren einzustufen.[18] Bei qualifizierter Verordnung beziehungsweise sachgemäßer Anwendung potenzierter Arzneimittel sind toxische Wirkungen sowie sonstige unerwünschte Effekte nahezu ausgeschlossen. Therapeuten und Patienten scheinen im Allgemeinen ein hinreichendes Bewusstsein für Anwendungsbereiche und Grenzen des Verfahrens zu haben. Die vorliegenden Daten aus klinischen Studien lassen die Einstufung der Homöopathie als sicheres Therapieverfahren zu.

Dieser Artikel ist unter anderem Titel zuerst erschienen in: Behnke, J.; Wiesenauer, M.: Sicher und unbedenklich: Plädoyer für homöopathische Arzneimittel. Deutsche Apotheker Zeitung 156(47), 24.11.2016, 4695: 32-34. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

Literatur

1) Institut für Demoskopie Allensbach (2009): Homöopathische Arzneimittel in Deutschland: Verbreitet, genutzt und geschätzt. Allensbacher Berichte 2009/Nr. 14 (Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://bit.ly/1S0UBRJ).

2) Witt, C.M., Lüdtke, R., Baur, R. & Willich, S. (2005): Homeopathic Medical Practice: Long-Term Results of a Co-hort Study with 3981 Patients. In: BMC Public Health, 5: 115.

3) Witt, C.M., Lüdtke, R., Mengler, N. & Willich, S.N. (2008): How Healthy Are Chronically Ill Patients after Eight Years of Homeopathic Treatment? – Results From a Long Term Observational Study. In: BMC Public Health, 8, 413.

4) Vgl. Mayr, S. (2014): Herstellung homöopathischer Arzneimittel: Von Hahnemann bis zu Schwabes Pharmakako-pöe (1872). Quellen und Studien zur Homöopathiegeschichte Bd. 20. Essen: KVC.

5) Sartori, C., Osterkamp, N., Uebing, C., Linde, K. (2014): Homöopathie in der gesetzlichen Krankenversicherung: Modelle, Erfahrungen und Bewertungen. Bertelsmann Gesundheitsmonitor 03/2014 (Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://bit.ly/1UV8Op5).

6) Stamer, M., Müller, V.E., Berger, B., Schmacke, N. (2010): Perspektiven von Patientinnen und Patienten auf ihre Versorgung durch homöopathisch tätige Ärzte und Ärztinnen: Eine qualitative Studie. Abschlussbericht. Bremen (Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://bit.ly/1WnerMi).

7) Stamer, M., Müller, V.E., Berger, B., Schmacke, N. (2010): Perspektiven von Patientinnen und Patienten auf ihre Versorgung durch homöopathisch tätige Ärzte und Ärztinnen: Eine qualitative Studie. Abschlussbericht. Bremen (Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://bit.ly/1WnerMi), S. 30.

8) Riley, D., Fischer, M., Singh, B., Haidvogl, M., Heger, M. (2001): Homeopathy and Conventional Medicine: An Outcomes Study Comparing Effectiveness in a Primary Care Setting. In: Journal of Alternative and Complementary Medicine, 7(2):149-59.

9) Van Wassenhoven, M., Goossens, M., Anelli, M., Sermeus, G., Kupers, P., Morgado, C., Martin, E., Bezerra, M (2014). Pediatric Homeopathy: A Prospective Observational Survey Based on Parent Proxy-reports of Their Children's Health-related Quality of Life in Six European countries and Brazil. In: Homeopathy, 103(4): 257-63.

10) Grabia, S., Ernst, E. (2003): Homoeopathic Aggravations: A Systematic Review of Randomised, Placebo-controlled Clinical Trials. In: Homeopathy, 92(2): 92-98.

11) Dantas, F. & Rampes, H. (2000): Do Homeopathic Medicines Provoke Adverse Effects? A Systematic Review. In: British Homeopathic Journal, 89: 35-38.

12) Rostock, M., Naumann, J.; Guethlin, C.; Guenther, L.; Bartsch, H.H.; Walach, H. (2011): Classical Homeopathy in the Treatment of Cancer Patients: A Prospective Observational Study of Two Independent Cohorts: In: BMC Cancer, 11(1): 19.

13) Sartori, C., Osterkamp, N., Uebing, C., Linde, K. (2014): Homöopathie in der gesetzlichen Krankenversicherung: Modelle, Erfahrungen und Bewertungen. Bertelsmann Gesundheitsmonitor 03/2014 (Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://bit.ly/1UV8Op5).

14) Vgl. Gotzsche, P.C. (2014). Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität. München: Riva.

15) z.B. Prasad, H.R.Y., Malhotra, A.K.; Hanna, N.; Kochupillai, V., Atri, S.K.; Ray, R.; Guglani, B. (2006): Arsenicosis from homeopathic medicines: A growing concern. In: Clinical and Experimental Dermatology, 31(3): 497-498.

16) Vgl. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (2016): Besondere Therapierichtungen und traditi-onelle Arzneimittel. bit.ly/1SYNkSp

17) Wiesenauer, M. (2014): Homöopathie für Ärzte und Apotheker, Bd. 2, einschließlich 16. Aktualisierungsliefe-rung 2014. Stuttgart: Deutscher Apotheker Verlag, S. 3/10.

18) Vgl. Bornhöft, G., Matthiessen, P.F. [Hrsg.] (2006): Homöopathie in der Krankenversorgung: Wirksamkeit, Nut-zen, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit. Bad Homburg: VAS, S. 242 ff.

Dr. med. Markus Wiesenauer

Dr. med. Markus Wiesenauer
Vorstandsmitglied der Carstens-Stiftung

Telefon: 0201 56 305 0
E-Mail: Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-Mailinfo@carstens-stiftung.de

Dr. Jens Behnke, Carstens-Stiftung : Natur und Medizin

Dr. Jens Behnke

Homöopathie in Forschung und Lehre

Telefon: 0201 56 305 13 und 0178 5594 308
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„Der Arzt und die Ärztin der Zukunft sollen zwei Sprachen sprechen, die der Schulmedizin und die der Naturheilkunde und Homöopathie. Im Einzelfall sollen sie entscheiden können, welche Methode die beste für den Patienten ist.“

(Veronica Carstens)