Rubrik: Studien kurz und knapp

Aromatherapie hebt die Stimmung depressiver Senioren

Erstmals wurde die Langzeitwirkung von Aromaöl-Massage und Aromaöl-Inhalation gegen Depressionen bei älteren Menschen im direkten Vergleich untersucht.

Depressive Verstimmungen treten auch bei älteren Personen relativ häufig auf. Allein und in Verbindung mit anderen Komorbiditäten können diese die Lebensqualität der Betroffenen erheblich senken und in Extremfällen zu suizidalen Gedanken führen. Die medikamentöse Therapie mit Psychopharmaka sowie psychotherapeutische Ansätze gehören zu Standardverfahren. Erstere bergen das Risiko von unerwünschten Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit anderen eingenommenen Arzneimitteln, Letztere sind mit einem hohen Zeit- und Kostenaufwand verbunden.

Effektive Behandlungsansätze, die sowohl das Risiko als auch den Aufwand und die Kosten gering halten, sind daher wünschenswert. Hierzu zählt die Aromatherapie in Form von Aromaöl-Massagen oder Inhalationen, deren Wirksamkeit gegen Depressionen bereits in klinischen Studien mit verschiedenen Patientengruppen, belegt wurde. Meist wurde jedoch nur jeweils eine der beiden Anwendungsformen getestet.

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In der vorliegenden chinesischen Studie wurden nun beide Verfahren direkt miteinander verglichen und darüber hinaus überprüft, ob auch nach Behandlungsende ein Langzeiteffekt festzustellen ist. Hierzu wurden depressive Senioren randomisiert einer von drei Gruppen zugeteilt: Aromatherapie-Massage, Aromatherapie-Inhalation, keine Behandlung (Kontrolle). Verwendet wurde eine Mischung aus Lavendel-, Orangen- und Bergamottenöl (2:1:1), von der jeweils ein Tropfen einem Trägermaterial zugefügt wurde. Für die Massage wurde Mandelöl verwendet, für die Inhalation wurde das Aromaöl mit reinem Wasser gemischt. Die aromatherapeutischen Anwendungen fanden über einen Zeitraum von acht Wochen zweimal wöchentlich für 30 Minuten statt. Für die Inhalation wurde das Wasser-Öl-Gemisch über einen Vernebler im Raum verteilt. Bei der Aromaölmassage wurde die Ölmischung mit traditionellen chinesischen Massagetechniken in Hände, Arme, Schultern, Nacken und Kopf einmassiert. Die Kontrollgruppe erhielt keinerlei Behandlung.

Zu Studienbeginn, nach der achtwöchigen Behandlungsphase sowie weitere sechs und zehn Wochen danach (Follow-up-Phase) wurde die Depressivität der Patienten mit zwei verschiedenen Fragebögen (Geriatric Depression Scale Short Form und Patient Health Questionnaire-9) erhoben. Darüber hinaus wurde der Serotonin-Gehalt in entnommenen Blutproben als objektiver Parameter bestimmt, da Depressionen häufig mit einem Serotoninmangel einhergehen.

In beiden Aromatherapie-Gruppen verbesserte sich die Stimmung der Patienten durch die jeweilige Behandlung signifikant und blieb auch noch sechs und zehn Wochen nach Behandlungsende in etwa auf diesem Niveau. Ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den beiden Behandlungstechniken war nicht zu beobachten, obwohl in der Massagegruppe geringfügig bessere Werte erreicht wurden. Die Serotoninwerte lagen nach der Behandlungsphase in beiden Gruppen zwar tendenziell höher als zu Studienbeginn, jedoch ohne statistische Signifikanz. In der Kontrollgruppe war der Wert in Woche acht etwas schlechter als zu Beginn. Da in der Follow-up-Phase Probleme bei den Bluttests auftraten, konnten aus diesem Zeitraum keine Daten in Auswertung aufgenommen werden. Unerwünschte Wirkungen traten durch die Behandlung nicht auf.

Einschätzung:

Beide Formen der Aromatherapie, Massage und Inhalation, scheinen gemäß der vorliegenden Ergebnisse geeignet, die Depressionen bei geriatrischen Patienten zu lindern. Da die Kontrollgruppe ohne jegliche Behandlung blieb, ist allerdings ein gewisser Placebo-Effekt durch die Zuwendung während der Behandlung nicht gänzlich auszuschließen. Allerdings sprechen die nachhaltig guten Messwerte in der Follow-up-Phase eher dagegen. Hinsichtlich der Verträglichkeit der beiden Aromaölbehandlungen zeigte sich kein Unterschied und auch die Wirksamkeit war ähnlich gut. Aus ökonomischer Sicht, könnte also eine Inhalationstherapie als vollkommen ausreichend betrachtet werden. Die Bedeutung therapeutischer Berührungen in der Behandlung älterer Menschen ist jedoch nicht zu unterschätzen.

Xiong M, Li Y, Tang P, Zhang Y, Cao M, Ni J, Sing M. Effectiveness of aromatherapy massage and inhalation on symptoms of depression in Chinese community-dwelling older adults. J Altern Complement Med 2018; 24(7): 717-724. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

Petra Koczy

Petra Koczy, Dipl.-Biol.
Fachbereich Bibliothek | Informationsmanagement

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