Komplementäre und
Integrative Medizin
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Arthrose: Bockshornklee gegen den Schmerz

Arthrose: Bockshornklee gegen den Schmerz

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Schmerz Naturheilkunde Phytotherapie

Unter den über 65-Jährigen leiden von zehn Personen bis zu acht unter Arthrose – damit ist sie eine der häufigsten chronischen Erkrankungen der westlichen Welt. Arthrose ist eine Gelenkerkrankung, bei der der Knorpel verschleißt. Sie äußert sich vor allem in Schmerzen, aber auch in Bewegungseinschränkungen an den betroffenen Gelenken, und kann die Lebensqualität daher stark einschränken.

Neben künstlichem Gelenkersatz durch eine OP existieren nur wenige andere Behandlungsmöglichkeiten, die die Symptome lindern, nämlich Physiotherapie oder anti-entzündliche Medikamente. Letztere können bei Langzeitanwendung allerdings durchaus Nebenwirkungen verursachen, weshalb weitere Therapieoptionen wertvoll wären. Der Bockshornklee könnte eine solche bieten, denn die Pflanzenbestandteile, insbesondere die enthaltenen Linol- und Linolen-Säuren, gelten als entzündungshemmend und analgetisch.

Dreiarmige Studie mit 81 Patient*innen

Ein Forscher*innen-Team von den Kliniken Essen-Mitte untersuchte nun in einer randomisiert-kontrollierten Studie die Wirkung von Wickeln mit Bockshornkleesamen bei Patient:innen mit Kniegelenksarthrose im Vergleich zu einem Schmerz-Gel (Diclofenac Emulgel) und zu Abwarten. In die Studie eingeschlossen wurden 81 Menschen mit Arthrose des Grades Kellgren II-III, die an mindestens der Hälfte der Tage in den letzten drei Monaten Beschwerden hatten und einen Ausschlag von mehr als 45mm auf der 100mm-Visuellen Analogskala (VAS), einer Skala zur Erfassung des individuellen Schmerzempfindens. Nach der zufälligen Zuteilung in die Bockshornklee-, Schmerzgel- oder Wartegruppe wurden den Proband*innen in den ersten beiden Gruppen jeweils Therapieanleitungen und die notwendigen Utensilien für vier Wochen zur Verfügung gestellt. Alle Gruppen, auch die Wartegruppe, durften eine ggf. bereits bestehende orale Medikation oder Physiotherapie fortsetzen; zusätzliche aufzutragende Medikation oder der Beginn einer neuen Therapie waren hingegen nicht erlaubt.

Anwendung von Wickeln und Gel

Um die Wickel herzustellen, mussten jeweils 1-2 Esslöffel Bockshornkleesamen-Pulver in warmem Wasser aufgelöst und zu einer weichen Masse verrührt werden. Anschließend wurde diese Masse auf ein trockenes Geschirrhandtuch aufgetragen, dieses auf das Knie appliziert und mit einem Baumwolltuch abgedeckt und fixiert. Hierauf wurde noch eine heiße Wärmflasche gelegt. Nach mindestens einer halben und maximal zwei Stunden Einwirkzeit wurde der Wickel entfernt und das Knie mit warmem Wasser abgespült. Die Anwendung erfolgte in der Bockshornklee-Gruppe einmal täglich für vier Wochen.

Die Proband*innen in der Schmerzgel-Gruppe trugen hingegen im selben Zeitraum bis zu dreimal am Tag das Gel dünn auf das Knie auf und massierten es ein.

Ergebnisse

Bezüglich der auf der VAS angegebenen Schmerzintensität gab es nach vier Wochen keinen signifikanten Unterschied zwischen den drei Gruppen. Nach 12 Wochen zeigte sich jedoch ein signifikanter Unterschied zwischen der Bockshornklee-Gruppe, in welcher der Schmerz weiter abgenommen hatte, und der Wartegruppe, in welcher die Schmerzintensität nicht weiter nachgelassen hatte.

Weitere Unterschiede zwischen diesen beiden Gruppen zeigten sich bereits nach vier Wochen im sogenannten WOMAC-Fragebogen, welcher die allgemeine Beeinträchtigung abfragt, in den Unterpunkten "Schmerz" und "körperliche Funktion" sowie in der Gesamtpunktzahl zugunsten der Bockshornklee-Gruppe. Ebenso empfanden die Proband*innen aus der Bockshornklee-Gruppe im Vergleich zu den Wartenden weniger Schmerz beim sogenannten 30-Sekunden-Stuhl-Test, bei welchem sie so oft wie möglich innerhalb 30 Sekunden von einem Stuhl aufstehen und sich wieder setzen sollten, sowie eine geringere Druckschmerz-Schwelle beim Musculus Quadriceps.

Sogar im Vergleich zur Schmerzgel-Gruppe war die Druckschmerz-Schwelle dieses Muskels bei den Proband:innen der Bockshornklee-Gruppe geringer.

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Einschätzung

Wickel mit Bockshornkleesamen erwiesen sich in dieser Studie als wirksam und der Behandlung mit Schmerzgel nicht unterlegen. Für Arthrose-Patient*innen könnte sich eine Anwendung – bestenfalls in Rücksprache mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt – daher durchaus lohnen, zumal dabei gleichzeitig ein Gefühl der Selbstwirksamkeit gestärkt wird, das sich wiederum positiv auf die Gesundheit auswirken kann.

Eine Verblindung konnte aufgrund der Natur der Interventionen nicht stattfinden. Folgestudien sollten jedoch eine Placebo-Kontrolle als weiteren Arm berücksichtigen.

Die vorliegende Studie wurde von der Carstens-Stiftung finanziell unterstützt.

Literatur zu "Arthrose: Bockshornklee gegen den Schmerz"

(1) A. K. Koch, K. C. Köster, F. J. Saha, P. Klose, H. Cramer. Randomized Controlled Trial On The Efficacy Of Fenugreek Wraps In Primary Osteoarthritis Of The Knee. (not yet been published)

Michèl Gehrke, M.A.
Michèl Gehrke, M.A.

Pressesprecher

Telefon: 0201 56 305 61