Integrative Medizin
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Wirkt sich Rosenkranzbeten positiv auf die Gesundheit aus?
Qualitative Studie der Charité

Wirkt sich Rosenkranzbeten positiv auf die Gesundheit aus?

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Achtsamkeit

Gefördert von der Carstens-Stiftung, führte ein Forschungsteam um Dr. Barbara Stöckigt, PD Dr. Michael Teut und Prof. Dr. Benno Brinkhaus von der Charité Universitätsmedizin Berlin eine qualitative Studie (1) durch, um zu ergründen, welche Effekte das Beten des Rosenkranzes auf die Gesundheit haben könnte.

Das Rosenkranzgebet ist eine meditative Gebetsform und zählt zu den wichtigsten Gebeten innerhalb des katholischen Glaubens. Als Hilfsmittel lassen die Betenden eine Kette, bestehend aus 59 Perlen und einem Kreuz, durch die Finger gleiten, während bestimmte Formeln wiederholt werden. Eine solche Gebetssession weist insofern Ähnlichkeit mit Mantra-Meditationen anderer Kulturkreise auf.

Meditationspraktiken

Religiös inspirierte Meditationspraktiken östlichen Ursprungs und vor allem säkulare Formen, wie die Achtsamkeitsmeditation, die im Kontext der Mind-Body-Medicine angewendet wird, werden mittlerweile relativ häufig beforscht. Laut Übersichtsarbeiten mehrerer klinischer Studien zu verschiedenen Formen der Meditation befördert diese unter anderem pro-soziales Verhalten (2), kann bei Schlafstörungen hilfreich sein (3), senkt den Blutdruck (4, 5), unterstützt die Stressbewältigung (6) und wirkt sich günstig auf chronische Schmerzzustände und Depressionen sowie weitere psychische Erkrankungen aus (7, 8, 9). In der Grundlagenforschung zur Meditation wurden verschiedene Effekte auf die Hirnaktivität beobachtet, welche deren klinische Wirkungen teilweise erklären könnten (10). Bei Menschen, die regelmäßig meditieren kommen sogar dauerhafte Veränderungen der Hirn-struktur in Betracht (11). In Bezug auf das christliche Gebet im Speziellen existieren nur wenige wissenschaftliche Erkenntnisse. Zum Schließen dieser Lücke wollten die Wissenschaftler der Charité einen Beitrag leisten. Es handelt sich bei ihrem Pilotprojekt um eine qualitative Interviewstudie, die hauptsächlich Aussagen zum subjektiven Erleben der Probanden erlaubt und dieses verstehbar machen will.

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Wirkungen des Betens

Die Forscher befragten hierzu zehn Menschen katholischen Glaubens, die über mindestens sechs Monate Erfahrung im Rosenkranz-Beten verfügten. Alle Studienteilnehmenden praktizierten das Gebet mindestens zweimal pro Woche. Die für die Teilnehmenden wichtigsten Gefühle, die dabei ausgelöst wurden, bezeichneten diese mit "Entspannung", "innerer Frieden" und "Seelenruhe". Der Rhythmus, der durch das Wiederholen der Verse entsteht, wurde als Gegenpol zum hektischen Alltag empfunden. Zugleich fühlten die Probanden sich fokussiert und gaben an, dass ihnen das Gebet Richtung im Leben gegeben hätte. Die explizite Heilung einer Krankheit wurde nur selten als direkter Effekt des Betens angegeben, umso deutlicher trat aber dessen Einfluss auf die persönlichen Fähigkeiten im Umgang mit einer Krankheit hervor.

Einschätzung

Die vorliegende Studie bietet erste Anhaltspunkte dafür, dass das Rosenkranz-Beten ähnliche gesundheitliche Effekte haben könnte wie andere Formen der Meditation. Die hier beschriebenen subjektiven Erlebnisqualitäten sind nämlich mit denjenigen Praktizierender anderer Traditionen und Kulturkreise vergleichbar (12). Für die Mantra-Meditation, die besonders viele Parallelen zum Rosenkranz aufweist, wurden im Rahmen einer Übersichtsarbeit (13) 37 Studien ausgewertet. Die Autoren untersuchten die Auswirkungen auf Angst, Stress, Depressionen, Burnout, Ärger und das allgemeine Belastungsempfinden. Im Ergebnis deuteten die verfügbaren Daten auf kleine bis mittelstarke Verbesserungen der psychischen Gesundheit, wobei die Zuverlässigkeit der Evidenz als eher gering beurteilt wurde. Weitere hochwertige Forschung hielten die Forscher für gerechtfertigt. Die Bedeutung der Verankerung des Gebetes in einem Glaubenssystem, wie es in diesem Pilotprojekt der Fall war, im Gegensatz zu säkularisierten Meditationspraktiken gilt es dabei zu berücksichtigen. Auf Grundlage des Pilotprojekts des Teams um Dr. Barbara Stöckigt, PD Dr. Michael Teut und Prof. Dr. Benno Brinkhaus in Kooperation mit Dr. Michael Elies, Prof. Harald Walach und dem Religionswissenschaftler Florian Jeserich könnten in diesem Sinne auch weitere Studien zum Rosenkranz-Beten erfolgen, deren wissenschaftliche Aussagekraft durch größere Teilnehmerzahlen, standardisierte Effektmaße, eine nicht-betende Kontrollgruppe und ähnliche methodische Maßnahmen gesteigert werden sollte. Solche Arbeiten böten dann die Möglichkeit, auch die gesundheitlichen Auswirkungen des christlichen Gebets zu quantifizieren.

Literatur zu "Wirkt sich Rosenkranzbeten positiv auf die Gesundheit aus?"

(1) Stöckigt B, Jeserich F, Walach H, Elies M, Brinkhaus B, Teut M. Experiences and Perceived Effects of Rosary Praying: A Qualitative Study. J Relig Health. 2021 Jun 9. doi: 10.1007/s10943-021-01299-2. Epub ahead of print. PMID: 34106378. Link

(2) Luberto CM, Shinday N, Song R, Philpotts LL, Park ER, Fricchione GL, Yeh GY. A Systematic Review and Meta-analysis of the Effects of Meditation on Empathy, Compassion, and Prosocial Behaviors. Mindfulness (N Y). 2018 Jun;9(3):708-724. doi: 10.1007/s12671-017-0841-8. Epub 2017 Oct 23. PMID: 30100929; PMCID: PMC6081743. Link

(3) Rusch HL, Rosario M, Levison LM, Olivera A, Livingston WS, Wu T, Gill JM. The effect of mindfulness meditation on sleep quality: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Ann N Y Acad Sci. 2019 Jun;1445(1):5-16. doi: 10.1111/nyas.13996. Epub 2018 Dec 21. PMID: 30575050; PMCID: PMC6557693. Link

(4) Intarakamhang U, Macaskill A, Prasittichok P. Mindfulness interventions reduce blood pressure in patients with non-communicable diseases: A systematic review and meta-analysis. Heliyon. 2020 Apr 28;6(4):e03834. doi: 10.1016/j.heliyon.2020.e03834. PMID: 32373739; PMCID: PMC7191601. Link

(5) Shi L, Zhang D, Wang L, Zhuang J, Cook R, Chen L. Meditation and blood pressure: a meta-analysis of random-ized clinical trials. J Hypertens. 2017 Apr;35(4):696-706. doi: 10.1097/HJH.0000000000001217. PMID: 28033127. Link

(6) Goyal M, Singh S, Sibinga EM, et al. Meditation programs for psychological stress and well-being: a systematic review and meta-analysis. JAMA Intern Med. 2014;174(3):357-368. doi:10.1001/jamainternmed.2013.13018. Link

(7) Hilton L, Hempel S, Ewing BA, Apaydin E, Xenakis L, Newberry S, Colaiaco B, Maher AR, Shanman RM, Sorbero ME, Maglione MA. Mindfulness Meditation for Chronic Pain: Systematic Review and Meta-analysis. Ann Be-hav Med. 2017 Apr;51(2):199-213. doi: 10.1007/s12160-016-9844-2. PMID: 27658913; PMCID: PMC5368208. Link

(8) Gu Q, Hou JC, Fang XM. Mindfulness Meditation for Primary Headache Pain: A Meta-Analysis. Chin Med J (Engl). 2018 Apr 5;131(7):829-838. doi: 10.4103/0366-6999.228242. PMID: 29578127; PMCID: PMC5887742. Link

(9) Khoury B, Lecomte T, Fortin G, Masse M, Therien P, Bouchard V, Chapleau MA, Paquin K, Hofmann SG. Mindful-ness-based therapy: a comprehensive meta-analysis. Clin Psychol Rev. 2013 Aug;33(6):763-71. doi: 10.1016/j.cpr.2013.05.005. Epub 2013 Jun 7. PMID: 23796855. Link

(10) Boccia M, Piccardi L, Guariglia P. The Meditative Mind: A Comprehensive Meta-Analysis of MRI Studies. Bio-med Res Int. 2015;2015:419808. doi: 10.1155/2015/419808. Epub 2015 Jun 4. PMID: 26146618; PMCID: PMC4471247. Link

(11) Fox KC, Nijeboer S, Dixon ML, Floman JL, Ellamil M, Rumak SP, Sedlmeier P, Christoff K. Is meditation associated with altered brain structure? A systematic review and meta-analysis of morphometric neuroimaging in meditation practitioners. Neurosci Biobehav Rev. 2014 Jun;43:48-73. doi: 10.1016/j.neubiorev.2014.03.016. Epub 2014 Apr 3. PMID: 24705269. Link

(12) Reddy JSK, Roy S. Understanding Meditation Based on the Subjective Experience and Traditional Goal: Implica-tions for Current Meditation Research. Front Psychol. 2019;10:1827. Published 2019 Aug 21. doi:10.3389/fpsyg.2019.01827 Link

(13) Julie Lynch, Lucia Prihodova, Pádraic J. Dunne, Áine Carroll, Cathal Walsh, Geraldine McMahon, Barry White. Mantra meditation for mental health in the general population: A systematic review, European Journal of In-tegrative Medicine, Volume 23, 2018, Pages 101-108, ISSN 1876-3820, doi:10.1016/j.eujim.2018.09.010. Link

 

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Dr. Jens Behnke
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