Komplementäre und
Integrative Medizin
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Wie wirkungsvoll ist Schröpfen bei Kniearthrose?

Wie wirkungsvoll ist Schröpfen bei Kniearthrose?

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Komplementärmedizin

Kniearthrose ist eine der verbreitetsten Ursachen für Bewegungseinschränkungen und chronische Schmerzen weltweit, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer. (2,3) Als nicht-pharmakologische Therapieoption wird gern das Schröpfen genutzt, u.a. in der Annahme, dass die durch das Ansaugen erhöhte Durchblutung des betroffenen Bereiches den Abbau von Metaboliten fördert. (4-6) Die Wirksamkeit des Schröpfens im Kontext von Kniearthrose wird allerdings aufgrund heterogener Studien und des möglichen Verzerrungsrisikos durchaus diskutiert. (7-9) Ziel der vorliegenden Studie (1) ist es daher, durch Verblindung und Schein-Schröpfen als Kontrolle belastbare Daten zu generieren.

Studienaufbau

62 Probandinnen mit Kniearthrose wurden in die Studie eingeschlossen und in zwei Gruppen randomisiert. Die Teilnehmerinnen der Interventions-Gruppe erhielten eine Therapie mit echtem trockenem Schröpfen, die Teilnehmerinnen der Kontroll-Gruppe lediglich ein Schein-Schröpfen: Dort waren die Schröpfgläser mit kleinen Löchern präpariert, sodass der Unterdruck nach etwa drei Sekunden nicht mehr gehalten werden konnte. Die geschröpften Bereiche wurden in beiden Gruppen abgedeckt, damit die Probandinnen die Prozedur nicht sehen konnten. Die Sitzungen dauerten jeweils 15 min. und fanden zweimal in der Woche über einen Zeitraum von sechs aufeinanderfolgenden Wochen statt (insgesamt also 12 Sitzungen).

Ergebnisse

Hinsichtlich der soziodemographischen Daten waren beide Gruppen vergleichbar, das mittlere Alter lag bei 60.4 bzw. 60.0 Jahren und der BMI bei 30.8 bzw. 31.7. Insgesamt war das rechte Knie mit 55% etwas häufiger betroffen, als das linke. Während des Studienzeitraums nutzten 27 Teilnehmerinnen der Schröpf-Gruppe (87%) zusätzlich Schmerz- oder entzündungshemmende Mittel und 26 Teilnehmerinnen der Schein-Schröpf-Gruppe (84%).

Als Primäroutcome wurde der Schmerz in Ruhelage und während Bewegung festgelegt, als Sekundäroutcomes wurden u.a. die subjektiv wahrgenommene Besserung erfasst, ein 30-Sekunden-Sitz-und-Aufsteh-Test durchgeführt, 40m zügiges Laufen und Treppensteigen gefordert.

Innerhalb der Gruppen gab es jeweils signifikante Verbesserungen des Primäroutcomes Schmerz in Ruhelage und während Bewegung sowie für einige sekundäre Outcomes. Zu allen Zeitpunkten (Baseline, nach drei Wochen, nach sechs Wochen und vier Wochen nach der Intervention) gab es jedoch im Vergleich der beiden Gruppen miteinander keine signifikanten Unterschiede – weder für das Primäroutcome, noch hinsichtlich der sekundären Parameter.

Einschätzung

Die AutorInnen folgern angesichts dieses Ergebnisses, dass die Wirkung von Schröpfen zur Behandlung von Kniearthrose-Schmerzen bei Frauen als begrenzt zu betrachten ist. Schließlich konnte das Schein-Schröpfen hier einen vergleichbaren Effekt erzielen. Sie halten u.a. den Placebo-Effekt (10), eine positive Erwartungshaltung der Patientinnen gegenüber der bevorstehenden Therapie (11) und den Hawthorne-Effekt (Verhaltensänderung aufgrund von Beobachtung bzw. erfahrener Aufmerksamkeit) (12) für maßgeblich zur Erklärung der durch Schröpfen beobachteten Verbesserungen. Damit steht die vorliegende Studie im Widerspruch zu anderen Arbeiten (13) und wird sicher den wissenschaftlichen Diskurs befeuern.

Doch auch die vorliegende Arbeit ist nicht frei von Schwächen: In beiden Gruppen nahmen über 80% der Teilnehmerinnen Medikamente ein, was die Ergebnisse beeinflusst haben könnte. Zudem war der negative Druck beim Schröpfen nicht völlig genormt, sodass es zu Variationen kommen konnte. Eine längere Nachbeobachtungszeit wäre ebenfalls interessant gewesen.

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Literatur zu "Wie wirkungsvoll ist Schröpfen bei Kniearthrose?"

1) Cavalcanti RR, Almeida Silva HJ, Pontes-Silva A, Avila MA, de Souza CG, Sousa CO, Scattone Silva R, Barbosa GM, de Souza MC. Dry cupping therapy has no effect on pain, function, or quality of life in women with knee osteoarthritis: Randomized placebo-controlled trial. Braz J Phys Ther. 2026 Jan-Feb;30(1):101259. doi: 10.1016/j.bjpt.2025.101259. Epub 2025 Oct 2. PMID: 41043303; PMCID: PMC12522703. Link

2) Steinmetz J.D., Culbreth G.T., Haile L.M., et al. Global, regional, and national burden of osteoarthritis, 1990–2020 and projections to 2050: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2021. Lancet Rheumatol. 2023;5:e508–e522. doi: 10.1016/S2665-9913(23)00163-7. Link

3) De Roover A., Escribano-Núñez A., Monteagudo S., et al. Fundamentals of osteoarthritis: inflammatory mediators in osteoarthritis. Osteoarthritis Cartilage. 2023;31:1303–1311. doi: 10.1016/j.joca.2023.06.005. Link

4) Al-Bedah A., Aboushanab T.S., Alqaed M., et al. Classification of Cupping Therapy: a Tool for Modernization and Standardization. Journal of Complementary and Alternative Medical Research. 2016 doi: 10.9734/jocamr/2016/27222. Epub ahead of print. Link

5) Rozenfeld E., Kalichman L. New is the well-forgotten old: the use of dry cupping in musculoskeletal medicine. J Bodyw Mov Ther. 2016;20:173–178. doi: 10.1016/j.jbmt.2015.11.009. Link

6) Almeida Silva H.J., Barbosa G.M., Scattone Silva R., et al. Dry cupping therapy is not superior to sham cupping to improve clinical outcomes in people with non-specific chronic low back pain: a randomised trial. J Physiother. 2021;67:132–139. doi: 10.1016/j.jphys.2021.02.013. Link

7) Li J.Q., Guo W., Sun Z.G., et al. Cupping therapy for treating knee osteoarthritis: the evidence from systematic review and meta-analysis. Complement Ther Clin Pract. 2017;28:152–160. doi: 10.1016/j.ctcp.2017.06.003. Link

8) Aboushanab T.S., AlSanad S. Cupping Therapy: an Overview from a Modern Medicine Perspective. JAMS J Acupunct Meridian Studies. 2018;11:83–87. doi: 10.1016/j.jams.2018.02.001. Link

9) Wang Y.L., An C.M., Song S., et al. Cupping Therapy for Knee Osteoarthritis: a Synthesis of Evidence. Complement Med Res. 2018;25:249–255. doi: 10.1159/000488707. Link

10) Vase L., Vollert J., Finnerup N.B., et al. Predictors of the placebo analgesia response in randomized controlled trials of chronic pain: a meta-analysis of the individual data from nine industrially sponsored trials. Pain. 2015;156:1795–1802. doi: 10.1097/j.pain.0000000000000217. Link

11) Bishop M.D., Bialosky J.E., Cleland J.A. Patient expectations of benefit from common interventions for low back pain and effects on outcome: secondary analysis of a clinical trial of manual therapy interventions. J Manual Manipul Therapy. 2011;19:20–25. doi: 10.1179/106698110X12804993426929. Link

12) Taccolini Manzoni A.C., Bastos de Oliveira N.T., Nunes Cabral C.M., et al. The role of the therapeutic alliance on pain relief in musculoskeletal rehabilitation: a systematic review. Physiother Theory Pract. 2018;34:901–915. doi: 10.1080/09593985.2018.1431343. Link

13) Teut M., Kaiser S., Ortiz M., et al. Pulsatile dry cupping in patients with osteoarthritis of the knee – a randomized controlled exploratory trial. BMC Complem Altern Med. 2012;12:184. doi: 10.1186/1472-6882-12-184. Link

Michèl Gehrke, M.A.
Michèl Gehrke, M.A.

Pressesprecher

Telefon: 0201 56 305 61