Stillen: Kurbelt Shatavari die Muttermilchproduktion an?
Veröffentlicht am
Ayurvedische Medizin Pädiatrie
Der Übergang von der Schwangerschaft zum Stillen ist ein komplexer Prozess mit physiologischen, psychologischen und hormonellen Veränderungen. (2) In mehr als der Hälfte der Fälle kann die Milchproduktion in dieser postpartalen Phase zunächst eingeschränkt sein. (3) Die Ursachen sind vielfältig: Ein Kaiserschnitt beispielsweise verzögert den Hautkontakt zwischen Mutter und Kind und damit die Initiierung des Stillens (4-6); starker psychologischer Stress und Ängste hemmen die Ausschüttung von Oxytocin, einem Hormon, das für den Milchspendereflex essenziell ist (7).
Im Ayurveda wird Shatavari (Asparagus racemosus Willd), eine Schlingenpflanze aus der Familie der Spargel-Gewächse, traditionell als Mittel zur Anregung der Milchbildung (Galaktagogum), eingesetzt. (8) In ihren Wurzeln sind u.a. steroidale Saponine enthalten, Pflanzenstoffe, die strukturell ähnlich zu Östrogen sind und die Laktation fördern sollen. (9-11) Ob dem tatsächlich so ist, hat nun eine randomisiert-kontrollierte, doppel-blinde Studie (1) untersucht.
Studienaufbau
Insgesamt 120 schwangere Frauen wurden in die Studie eingeschlossen und in zwei Gruppen eingeteilt: 60 Frauen sollten für 72 Stunden nach der Geburt einmal täglich nach dem Frühstück eine Kapsel mit Shatavari-Wurzel-Extrakt, die anderen 60 eine Placebo-Kapsel einnehmen. Das mittlere Alter der Frauen in der Shatavari-Gruppe lag bei 27.73 und in der Placebo-Gruppe bei 27.95 Jahren. Auch der BMI war mit 28.93 und 28.94 vergleichbar. In der Shatavari-Gruppe bekamen 34 Teilnehmerinnen ihr Kind auf natürlichem Wege, in der Placebo-Gruppe 36. Kaiserschnitt-Entbindungen fanden 26, respektive 24 statt. 24 Frauen in der Shatavari-Gruppe nutzten eine Milchpumpe, 36 stillten manuell. In der Placebo-Gruppe war das Verhältnis mit 17 (Pumpe) zu 43 (manuell) nur leicht anders.
Die Babyfibel
Homöopathie, Schüßler-Salze, Heilpflanzen u.v.m. für Schwangere und junge Mütter
Homöopathie, Schüßler-Salze, Heilpflanzen u.v.m. für Schwangere und junge Mütter
ISBN: 978-3-945150-52-8
Erscheinungsjahr: 2016
12,00 EUR
Zum Shop »Ergebnisse
Zu Beginn der Studie, d.h. kurz nach Geburt, gab es zwischen den beiden Gruppen keinen signifikanten Unterschied in der Zeit bis zur ersten wahrgenommenen Brustfülle, auch wenn die Teilnehmerinnen in der Shatavari-Gruppe tendenziell etwas weniger Zeit (4.87 Stunden) benötigten, als die Frauen in der Placebo-Gruppe (5.49 Stunden). Auch nach der Intervention, als 72 Stunden nach Geburt, war der Unterschied mit 2.49 Stunden nach dem letzten Stillen in der Shatavari- und 3.05 Stunden in der Placebo-Gruppe moderat.
Anders sah es hinsichtlich der abgegebenen Milchmenge aus. Zu Beginn gab es mit im Schnitt 17.82 ml in der Shatavari- und 17.07 ml in der Placebo-Gruppe auch hier keine nennenswerte Abweichung. 72h später, also nach der Intervention, gab es jedoch einen Unterschied von 12.63 ml, der signifikant war: In der Shatavari-Gruppe konnte im Mittel 97.98 ml Milch produziert, bzw. abgepumpt werden, in der Placebo-Gruppe 85.36 ml. Auch wenn man die Werte vor und nach der Intervention innerhalb der Gruppen in Beziehung setzte, zeigte sich in der Shatavari-Gruppe ein Anstieg von höherer Größenordnung als bei Placebo.
Zusätzlich wurden die Mütter selbst nach ihrer Zufriedenheit befragt. Zum einen hinsichtlich des Wohlbefindens ihres Babys: In der Shatavari-Gruppe gaben 63.16% an, sehr zufrieden zu sein, in der Placebo-Gruppe nur 35,71%. Entsprechend waren 7.02% zu 28.57% unzufrieden und 1.75% zu 3.57% sehr unzufrieden. Zum anderen hinsichtlich der Brustfülle: In der Shatavari-Gruppe zeigten sich 52.63% der Mütter sehr zufrieden, in der Placebo-Gruppe jedoch nur 25.00%.
Einschätzung
Die Ergebnisse legen nahe, dass Shatavari zurecht traditionell als Galaktagogum eingesetzt wird. Positiv ist, dass auch die Zufriedenheit der Mütter abgefragt wurde, denn das emotionale und psychische Wohlbefinden der Mutter hat sich bereits in anderen Studien ebenfalls als wichtiger Parameter für ein gelingendes Stillen erwiesen. (12) Als Schwäche der Studie muss die kurze Dauer von 72 Stunden angemerkt werden. Zukünftige Arbeiten sollten eine längere Nachbeobachtungszeit vorsehen, um Aussagen über den langfristigen Effekt von Shatavari auf die Milchproduktion und auch das Säuglingswachstum zu ermöglichen. Ebenso wäre es sicher ratsam, verschiedene Techniken – manuelles Stillen und Nutzung einer Milchpumpe – nicht zu vermischen.
Literatur zu "Stillen: Kurbelt Shatavari die Muttermilchproduktion an?"
1) Ajgaonkar A, Debnath T, Bhatnagar S, Debnath K, Langade J. Shatavari (Asparagus racemosus Willd) root extract for postpartum lactation: A randomised, double-blind, placebo-controlled study. J Obstet Gynaecol. 2025 Dec;45(1):2564168. doi: 10.1080/01443615.2025.2564168. Epub 2025 Oct 7. PMID: 41055223. Link
2) Dessì, A., et al., 2024. From breastfeeding to support in mothers’ feeding choices: a key role in the prevention of postpartum depression? Nutrients, 16 (14), 2285. Link
3) Huang, Y., et al., 2022. The rates and factors of perceived insufficient milk supply: a systematic review. Maternal & Child Nutrition, 18 (1), e13255.Link
4) Kent, J.C., et al., 2021. Causes of perception of insufficient milk supply in Western Australian mothers. Maternal & Child Nutrition, 17 (1), e13080.Link
5) Lian, W., et al., 2022. Determinants of delayed onset of lactogenesis II among women who delivered via Cesarean section at a tertiary hospital in China: a prospective cohort study. International Breastfeeding Journal, 17 (1), 81.Link
6) Angolile, C.M., et al., 2023. Global increased cesarean section rates and public health implications: a call to action. Health Science Reports, 6 (5), e1274.Link
7) Nagel, E.M., et al., 2022. Maternal psychological distress and lactation and breastfeeding outcomes: a narrative review. Clinical Therapeutics, 44 (2), 215–227.Link
8) Alok, S., et al., 2013. Plant profile, phytochemistry and pharmacology of Asparagus racemosus (Shatavari): a review. Asian Pacific Journal of Tropical Disease, 3 (3), 242–251.Link
9) Joshi, R.K., 2016. Asparagus racemosus (Shatawari), phytoconstituents and medicinal importance, future source of economy by cultivation in Uttrakhand: a review. International Journal of Herbal Medicine, 4 (4), 18–21.Link
10) MacIndoe, J.H. and Turkington, R.W., 1973. Stimulation of human prolactin secretion by intravenous infusion of L-tryptophan. The Journal of Clinical Investigation, 52 (8), 1972–1978.Link
11) Domínguez-López, I., et al., 2020. Effects of dietary phytoestrogens on hormones throughout a human lifespan: a review. Nutrients, 12 (8), 2456.Link
12) Gupta, M. and Shaw, B., 2011. A double-blind randomized clinical trial for evaluation of galactogogue activity of Asparagus racemosus Willd. Iranian Journal of Pharmaceutical Research: IJPR, 10 (1), 167–172.Link



