Naturheilkundliche und integrative Therapie bei kardiovaskulären Erkrankungen
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Herz-Kreislauf Integrative Medizin
Forschungsprojekt der Initiative "Young Clinician Scientists" erfolgreich abgeschlossen: Projektleiterin und Oberärztin Dr. Wiebke Kohl-Heckl untersuchte Nutzungen, Wirksamkeit und Sicherheit naturheilkundlich-integrativer Ansätze zur Behandlung der arteriellen Hypertonie.
Die Anzahl der kardiovaskulären Erkrankungen hat innerhalb der letzten Jahrzehnte stetig zugenommen. Sie stellen weiterhin die Haupttodesursachen weltweit dar. Bedingt durch ungesunden Lebensstil zeigen die dazu führenden Risikofaktoren ebenfalls eine steigende Prävalenz, wobei eine Änderung des Lebensstils 75-90% dieser Risikofaktoren inkl. Folgen minimieren kann.
Die arterielle Hypertonie gilt als einer der Hauptrisikofaktoren für die Entwicklung weiterer kardiovaskulärer Erkrankungen. Weltweit leiden mehr als 28 % der Weltbevölkerung unter einer arteriellen Hypertonie. Zu Beginn ist der arterielle Hypertonus oftmals klinisch stumm und kann je nach Dauer bei seiner Entdeckung bereits Endorganschäden bewirkt haben. Von therapeutischer Seite steht – vor allem zu Beginn einer Erkrankung bei Nachweis einer Prähypertonie oder Hypertonie I. Grades – die Lebensstilmodifikation im Vordergrund, später auch medikamentöse Maßnahmen.
Aufbau des Projekts
Ziel dieses Forschungsprojekts war eine Untersuchung zu Nutzungen, Wirksamkeit und Sicherheit naturheilkundlich-integrativer Ansätze zur Behandlung der arteriellen Hypertonie. Hierzu wurden folgende Teilprojekte realisiert:
- Es erfolgten drei (vier) Analysen aus Daten des 2017 National Health Interview Survey (NHIS) zur Inanspruchnahme naturheilkundlicher und komplementärer Verfahren bei Herzkreislauferkrankungen (cardiovascular diseases, CVD), arterieller Hypertonie sowie Schlaganfall.
- Zwei Metaanalysen zur Wirksamkeit von Yoga bzw. Mindfulness-based Stress Reduction/Mindfulness-based Cognitive Therapy (MBSR/MBCT) bei arterieller Hypertonie wurden im Rahmen eines Promotiionsvorhabens bearbeitet.
- Eine randomisiert-kontrollierte Studie (RCT) zur Wirksamkeit der therapeutischen Anwendung von temperaturansteigenden Armbädern (Hauffe-Schweninger Armbäder) zur Blutdrucksenkung bei Probanden mit arterieller Hypertonie wurde durchgeführt.
Insgesamt sind bislang sechs Veröffentlichungen erfolgt, eine siebte, die des RCTs, ist derzeit noch im Publikationsprozess.
Fazit
Insgesamt bieten komplementäre und naturheilkundliche Verfahren eine gute Ergänzung zur konventionellen Therapie. Integrative Ansätze sind jedoch weiterhin zu wenig vorhanden, auch hinsichtlich des Überschneidungsbereichs von Naturheilkunde und Prävention. Einige Verfahren, die zwar zur (europäischen) Erfahrungsmedizin gehören, wie beispielsweise auch hydrotherapeutische Anwendungen, benötigen sowohl in Hinblick auf Wirksamkeit aber auch Wirtschaftlichkeit und Umsetzbarkeit im Alltag einen durchaus kritischen Forscherblick. Hier wäre – unter der Maßgabe finanzieller Mittel – eine weiterführende Betrachtung sinnvoll und notwendig.
I. Inanspruchnahme naturheilkundlicher und komplementärer Verfahren bei Hypertonie (Teilprojekt abgeschlossen)
Anhand von Daten des 2017 National Health Interview Survey (NHIS) sind drei (vier) Analysen zur Inanspruchnahme komplementärmedizinischer Verfahren bei CVD erfolgt. Die drei erfolgten Analysen wurden wie folgt veröffentlicht. Eine weitere Analyse mit dem Thema Komplementärmedizinische Verfahren und Impfverhalten bei Grippe wurde ebenfalls im Zeitraum des Stipendiums bearbeitet (in Klammern unten aufgelistet).
Ia) Conventional and complementary health-care utilization among US adults with cardiovascular disease or cardiovascular risk factors: a nationally representative survey
Kohl WK, Dobos G, Cramer HJ Am Heart Assoc. 2020 May 5;9(9):e014759. doi: 10.1161/JAHA.119.014759. (Link)
Ib) Complementary medicine use in stroke survivors: a US nationally representative survey
Kohl-Heckl WK, Koch AK, Cramer H.; BMC Complement Med Ther. 2022 Feb 12;22(1):41. doi: 10.1186/s12906-022-03525-0. PMID: 35151306; PMCID: PMC8840627. (Link)
Ic) Complementary medicine use in US adults with hypertension: a nationally representative survey
Kohl-Heckl WK, Schröter M, Cramer H. Complement Ther Med. 2022 May;65:102812. doi: 10.1016/j.ctim.2022.102812. Epub 2022 Jan 29. PMID: 351015. (Link)
(Id) Complementary medicine use and flu vaccination – A nationally representative survey of US adults)
Kohl-Heckl WK, Schröter M, Dobos G, Cramer H. Vaccine. 2021 Sep 15;39(39):5635-5640. doi: 10.1016/j.vaccine.2021.08.017. Epub 2021 Aug 19. PMID: 34419302. (Link)
Zusammenfassend konnten die durchgeführten Analysen zeigen, dass komplementäre Verfahren (complementary methods, CM) – soweit im 2017 NHIS abgefragt – von Personen mit CVD generell, aber auch speziell hinsichtlich arterieller Hypertonie häufig in Anspruch genommen werden. Die Nutzung von CM scheint sich insgesamt auch positiv auf das allgemeine Gesundheitsverhalten von Menschen mit CVD auszuwirken, sodass auch generelle gesundheitliche Check-ups häufiger in Anspruch genommen werden. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch bei der arteriellen Hypertonie. Beim Schlaganfall zeigte sich ein anderes Bild, sodass Menschen mit durchgemachten Schlaganfall deutlich seltener CM nutzten, als nicht Betroffene. Gründe dafür sind unklar, möglicherweise aber auch in Zusammenhang stehend mit mangelndem Wissen über therapeutische Optionen oder mangelnde Verfügbarkeit, wobei dies lediglich Vermutungen sind.
Grundsätzlich zeigen diese Daten ein positives Bild zur Nutzung von CM. Es ist unter dem Vorbehalt zu sehen, dass die Daten des NHIS jedoch bei jeder Erhebung Abweichungen in der Abfrage der eingeschlossenen Methoden zeigen und auch demnach nicht alle bekannten Verfahren abgefragt werden. Die Vergleichbarkeit mit anderen Analysen ist somit eingeschränkt.
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Zum Shop »II. Metaanalysen zur Wirkung von Yoga und Mindfulness-based Stress Reduction / Mindfulness-based Cognitive Therapy bzw. Yoga bei arterieller Hypertonie (Teilprojekt abgeschlossen)
Die Durchführung dieses Teilprojekts erfolgt in enger Zusammenarbeit mit Herrn Christoph Geiger, im Rahmen seines Promotionsvorhabens. Seine Promotion wird als Kumulativarbeit in Form der veröffentlichen Paper eingereicht.
IIa) A systematic review and meta-analysis of Mindfulness-Based Stress Reduction for Hypertension
Geiger C, Cramer H, Dobos G, Kohl-Heckl WK. J Hum Hypertens. 2023;37(3):161-169. doi:10.1038/s41371-022-00764-z. (Link)
IIb) A systematic review and meta-analysis of Yoga for Hypertension
Geiger C, Cramer H, Anheyer D, Dobos G, Kohl-Heckl WK. PLoS One. 2025 May 14;20(5):e0323268. doi: 10.1371/journal.pone.0323268. (Link)
Sowohl MBSR/MBCT als auch Yoga zeigten positive Effekte auf die Blutdruckregulation bei Probanden mit Prähypertonie oder bereits manifestem Hypertonus. Dies war vor allem der Fall bei Kontrolle gegenüber passiver Therapie oder Warteliste. Aktive Verfahren, v.a. Bewegungsverfahren gegenüber Yoga, waren nahezu gleichwirksam. Insgesamt war die Datenlage hinsichtlich MBSR/MBCT bei Hypertonie zum Erhebungszeitpunkt schmal, sodass nur 7 RCTs in die Analyse eingeschlossen werden konnten. Bei Yoga zeigte sich verglichen mit der ersten Analyse der Forschungsgruppe unter Herrn Prof. Cramer eine deutliche Zunahme der Studien (ehemals 7 RCTs in 2014), sodass 30 RCTs eingeschlossen werden konnten. Bedingt durch qualitativ große Unterschiede der RCTs sind sowohl für Yoga als auch MBSR/MBCT zukünftige Analysen notwendig, um diese Ergebnisse weiter zu untermauern.
III. Therapie der arteriellen Hypertonie mit temperaturansteigenden Hauffe-Schwenninger Armbädern – eine randomisierte kontrollierte Studie (Teilprojekt noch in Arbeit)
Dieses RCT erfolgte in Zusammenarbeit mit der Doktorandin Frau Thalia Becker im Rahmen ihres Promotionsvorhabens. Die Studienintervention erfolgte unter Einschluss von 59 Patienten (n = 29 Intervention, dropout 11; n = 30 Warteliste Kontrolle, dropout 4) von Dezember 2023 bis Juli 2024. Die Intervention wurde über 8 Wochen durchgeführt mit einer Mindestanzahl von fünf Armbädern/Woche. Finales Follow-up war 24 Wochen nach Baseline Erhebung (T0=Baseline, T1=nach 8 Wochen, T2=nach 24 Wochen). Primärer Endpunkt war die Veränderung des Blutdrucks (systolisch/diastolisch) nach 8 Wochen im Rahmen einer 24h-Blutdruckmessung. Sekundäre Endpunkte waren die Blutdruckveränderungen zu T2, sowie differenziert betrachtet Veränderungen im nächtlichen oder täglichen Blutdruck.
Insgesamt zeigte sich keine signifikante Veränderung des Blutdrucks von T0 zu T1, weder in der Interventions- noch der Kontrollgruppe. Ein Nicht-Signifikanter Anstieg des systolischen Blutdrucks in der Interventionsgruppe von T0 zu T1, nicht jedoch in der Kontrollgruppe, wurde festgestellt. Dieser Anstieg war zu T2 wieder normalisiert.
Insgesamt zeigte sich somit kein antihypertensiver Effekt. Der umschriebene, nicht-signifikante Anstieg ist möglicherweise auf ein subjektives Stressempfinden während der Intervention (von einigen Probanden beschrieben, z.B. durch ungünstige Sitzposition) zurückzuführen. Zusätzlich erscheint die Intervention in unserer heutigen Zeit bei entsprechend hoher Ressourcennutzung wirtschaftlich nicht mehr zeitgerecht.
Derzeit befinden sich die Ergebnisse im Publikationsprozess.




