Körperwahrnehmung und Lebensqualität: Akupressur in der Palliativ- und Hospizversorgung
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Wissenschaft Integrative Medizin
Wenn kurativ alle Optionen ausgeschöpft sind, gilt es, das Lebensende würdig und bei größtmöglicher Lebensqualität zu gestalten. Das Gefühl für den eigenen Körper spielt dabei eine große Rolle für schwerstkranke Patient*innen. PD Dr. Dr. Julia Strupp und ihr Team am Zentrum für Palliativmedizin, Universitätsklinikum Köln, prüfen, ob Akupressur eine veränderte oder als negativ empfundene Körperwahrnehmung sowie die Symptomlast positiv beeinflussen kann. Die Carstens-Stiftung fördert das Projekt mit rund 200.000 EUR.
Menschen mit einer nicht heilbaren Erkrankung leiden am Lebensende häufig unter belastenden Symptomen wie Schmerzen, Müdigkeit, Übelkeit, Atemnot oder Unruhe. Gleichzeitig erleben viele Patient*innen tiefgreifende körperliche Veränderungen – etwa Gewichtsverlust, Schwellungen oder funktionelle Einschränkungen. Diese Veränderungen beeinflussen nicht nur das körperliche Befinden, sondern auch die Wahrnehmung des eigenen Körpers und das Selbstbild. Eine veränderte oder als negativ empfundene Körperwahrnehmung kann das psychische Wohlbefinden beeinträchtigen und sich auf soziale Beziehungen, etwa zu Angehörigen oder zum Behandlungsteam, auswirken.
Neben medikamentösen Therapien, die ihrerseits Nebenwirkungen mit sich bringen können, gewinnen daher ergänzende, nicht-medikamentöse Verfahren zunehmend an Bedeutung. Die Akupressur ist eine solche Methode und hat sich in palliativen Situationen bereits bewährt: Studien zeigen positive Effekte auf Schmerzen, Fatigue, Übelkeit, Angst und Lebensqualität. Ein möglicher Einfluss auf die Körperwahrnehmung wurde hingegen bislang nicht wissenschaftlich untersucht.
Erstmals systematisch erforscht: Stärkt Akupressur die Körperwahrnehmung?
Das Projekt „AKiPal“ von PD Dr. Dr. Julia Strupp und Team soll diese Forschungslücke schließen. Zunächst ist eine sogenannte Machbarkeitsstudie geplant, die erste Hinweise darauf liefern wird, wie gut sich die Akupressur in der Palliativ- und Hospizversorgung umsetzen lässt und welchen Einfluss sie auf die Körperwahrnehmung der Patient*innen hat. Geplant ist die Einbeziehung von 60-80 erwachsenen Patient*innen mit nicht heilbaren Erkrankungen – auf einer Palliativstation, im palliativmedizinischen Konsiliardienst im Krankenhaus, in der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) sowie in einem stationären Hospiz. Dadurch kann untersucht werden, ob und wie sich die Umsetzung der Akupressur in unterschiedlichen Versorgungsstrukturen unterscheidet. Vorgesehen sind mindestens zwei Anwendungen pro Patient*in, die nach standardisiertem Ablauf von speziell geschultem Pflegepersonal durchgeführt werden. Zusätzlich besteht für die Patient*innen die Möglichkeit, einfache Techniken zur Selbstanwendung zu erlernen.
Vor und nach dem Interventionszeitraum werden Symptomlast und Körperwahrnehmung durch standardisierte Fragebögen erfasst, ergänzend sind kurze Interviews mit den Proband*innen und den Pflegefachpersonen vorgesehen. Durch diese Kombination aus quantitativen und qualitativen Methoden werden auch nicht messbare Veränderungen, wie subjektive Erfahrungen und mögliche Barrieren in der Anwendung, erhoben.
Ausblick
Der Fokus des Projektes liegt auf der integrativen Versorgung: Medizinische Behandlung soll mit komplementären, ganzheitlichen Ansätzen sinnvoll verbunden werden, um die Lebensqualität schwerstkranker Menschen an ihrem Lebensende bestmöglich zu unterstützen. Erste Ergebnisse werden in 2 Jahren erwartet.
Am Ende werden nicht nur Empfehlungen für die erfolgreiche Implementierung der Akupressur in der Palliativ- und Hospizversorgung möglich sein – das Projekt soll außerdem die Grundlage bilden für eine größer angelegte, kontrollierte Wirksamkeitsstudie.




