Studien kurz und knapp

Tai Chi zur Sturzprävention bei älteren Menschen

Regelmäßige Ausübung der meditativen Bewegungsübungen verkürzt die Reaktionszeiten der Beinmuskulatur und erhöht dadurch die Balance.

Mit zunehmendem Alter lässt die Muskelkraft nach, die Tiefensensibilität der Gelenke verschlechtert sich und bedingt durch anderweitige Einschränkungen (z.B. Herz-Kreislauf-Probleme oder nachlassende Sehkraft) nimmt die Mobilität älterer Menschen ab. Diese und weitere Faktoren erhöhen das Risiko eines Sturzes und daraus resultierender Verletzungen. 30% der über 65-jährigen stürzen mindestens einmal pro Jahr, 33 % dieser Stürze ziehen geringfügige und 5-15 % schwerwiegendere Verletzungen mit einer stationären Behandlung nach sich. Verschiedene Arten des Bewegungstrainings werden erfolgreich zur Sturzprävention eingesetzt. Eine davon ist das an die chinesischen Kampfkünste angelehnte Schattenboxen Tai Chi Chuan. Es ist Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin und wird zur Prävention sowie Therapie körperlicher und seelischer Beschwerden eingesetzt. Aufgrund der langsamen und fließenden Ausführung der Bewegungen sind diese auch für ältere Menschen gut geeignet.

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In der vorliegenden Studie [1] untersuchten chinesische Wissenschaftler die Wirkungsweise des Tai Chi auf neuromuskulärer Ebene.  52 Frauen im Alter von 55 bis 68 Jahren wurden randomisiert einer Tai Chi- und einer inaktiven Kontrollgruppe zugeordnet. Über ein Jahr übten die Frauen der Tai Chi-Gruppe unter Anleitung mehrmals pro Woche 60 Minuten lang ein 24-Formen Tai Chi, während die Frauen der Kontrollgruppe zur gleichen Zeit fernsahen. Zu Beginn und am Ende der Studie wurden bei allen Teilnehmerinnen elektromyographische Messungen des neuromuskulären Reaktionsvermögens in Millisekunden an vier Beinmuskeln vorgenommen. Hierzu standen die Probandinnen barfuß auf zwei unabhängig voneinander beweglichen Plattformen. Ein Wissenschaftler versetzte für die Probanden unvorhersehbar jeweils eine der Plattformen in Bewegung. Über am Bein angebrachte Messsonden wurde die neuromuskuläre Reaktionszeit zur Wiederherstellung der Balance an zwei Ober- und zwei Unterschenkelmuskeln aufgezeichnet.
Am Ende der einjährigen Studienphase standen die Daten von 79 % der Teilnehmerinnen zur Auswertung zur Verfügung. In der Tai Chi-Gruppe waren nach einem Jahr Training die neuromuskulären Reaktionszeiten aller vier Muskeln im Vergleich zu den Ausgangswerten am Studienanfang und im Vergleich zur Kontrollgruppe signifikant kürzer.

Einschätzung:

Die Verbesserung der neuromuskulären Reaktionszeit ist ein wichtiger Faktor für die Körperbalance und den Ausgleich von unmittelbar auf die Körperhaltung wirkenden Einflüssen (z.B. beim Gehen über einen unebenen Untergrund). Wenige Millisekunden können hier entscheiden, ob die Person stürzt oder nicht. Die Ergebnisse der vorliegenden Studie zeigen, dass ein regelmäßiges Tai Chi-Training über einen längeren Zeitraum dazu verhilft, diese Reaktionszeit in den unteren Extremitäten zu verbessern. In einer türkischen Studie [2] verglichen Wissenschaftler den Effekt von Tai Chi mit kombinierten Kräftigungsübungen der Beinmuskulatur auf die statische und dynamische Balance der geriatrischen Probanden und kamen zu dem Schluss, dass Tai Chi den kombinierten Übungen überlegen ist. In dieser Studie wurden keine elektromyographischen Messungen durchgeführt, sondern andere Messparameter angesetzt, einschließlich der Angst vor Stürzen und der Stimmung der Probanden. Die psychischen Faktoren im Zusammenhang mit der Prävention von Stürzen und Sturzverletzungen bei älteren Menschen spielen neben den körperlichen Faktoren, wie Reaktionsvermögen, Gelenkigkeit und Schmerzfreiheit, eine wichtige Rolle. Auch hier kann Tai Chi positiv einwirken, wie frühere Studien gezeigt haben [3].

Literatur

1) Sun W, Zhang C, Song Q, Li W, Cong Y, Chang S, Mao D, Hong Y. Effect of 1-year regular Tai Chi on neuromuscular reaction in elderly women: a randomized controlled study. Res Sports Med 2016; 24(2): 145-156. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract
2) Yildirim P, Ofluoglu D, Aydogan S, Akyuz G. Tai Chi vs. combined exercise prescription: a comparison of their effects on factors related to falls. J Back Musculoskelet Rehabil 2016; 29(3): 493-501. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract
3)    Hackney ME, Wolf SL. Impact of Tai Chu’an practice on balance and mobility in older adults: An integrative review of 20 years of research. J Geriatr Phys Ther 2014; 37(3): 127-135. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

Petra Koczy

Petra Koczy, Dipl.-Biol.
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