Studien kurz und knapp

Pflege von demenzkranken Angehörigen – Starke Nerven durch Yoga und Meditation

Die Betreuung Demenzkranker fordert pflegenden Angehörigen vor allem auf psychischer Ebene ein hohes Maß an Belastbarkeit ab. Eine Studie zeigt, dass regelmäßiges Yoga-Training in Kombination mit Übungen der Achtsamkeitsmeditation bei der Bewältigung des Pflegealltags helfen kann.

Laut der Deutschen Alzheimer Gesellschaft wird sich die Zahl der Demenzkranken in Deutschland in 30 Jahren von derzeit 1,6 auf schätzungsweise 3 Millionen nahezu verdoppelt haben. [1] Damit einhergehend wird es erwartungsgemäß auch eine höhere Anzahl Angehöriger geben, die sich um die Pflege ihres an Demenz erkrankten Verwandten oder Partners kümmern muss. Die hohe Belastung führt bei den betroffenen Angehörigen nicht selten zu Erschöpfung, Angst, Depression und zum Verlust sozialer Kontakte – Faktoren, die häufig auch körperliche Beschwerden wie z.B. Rückenschmerzen nach sich ziehen. Umso wichtiger wird es also für pflegende Angehörige, zum einen ihre psychische Belastungsfähigkeit zu stabilisieren und zum anderen ihr Selbstmitgefühl. Dies impliziert auch, seine Stärken und Schwächen anzuerkennen, um den Pflegealltag sowohl auf seelischer als auch körperlicher Ebene bewältigen zu können.

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Zur Überprüfung ihrer Hypothese, dass regelmäßige Yoga- und Meditationsübungen die Lebensqualität, Aufmerksamkeit/Achtsamkeit, Lebensfreude und das Selbstmitgefühl pflegender Angehöriger verbessern können, führten Wissenschaftlerinnen eine Studie mit 46 Angehörigen von Alzheimer-Patienten durch. Hierbei handelte es sich überwiegend um Frauen, die zufällig einer Therapie- und einer Kontrollgruppe zugeteilt wurden. Die Teilnehmerinnen in der Therapiegruppe wurden angehalten, über einen Zeitraum von acht Wochen drei Mal wöchentlich kombinierte Yoga- und Meditationsübungen von jeweils einer Stunde und 15 Minuten zu absolvieren. Zwei der drei Übungseinheiten konnten die Probandinnen zu Hause durchführen. Die Yoga-Übungen beinhalteten spezielle Körperhaltungen (Asanas), die jeweils für ca. 1 Minute und 30 Sekunden gehalten, sowie Atemübungen (Pranayamas), die jeweils für drei Minuten durchgeführt werden sollten. Zusätzlich setzten die Wissenschaftlerinnen eine Zeit von etwa 12 Minuten und 30 Sekunden im Anschluss der Yoga-Einheiten an, in der die Probandinnen Achtsamkeitsmeditationsübungen praktizieren sollten.

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Das auf dem Prinzip der Metta-Meditation basierende Meditationsmodell beinhaltet unter anderem die Stärkung von Mitgefühl mit anderen, aber auch mit sich selbst. Die Kontrollgruppe erhielt keine Intervention. Die für die Studie relevanten Zielparameter wurden zu Studienbeginn und nach Ablauf des achtwöchigen Behandlungszeitraums mittels vier Fragebögen erhoben: Lebensqualität: World Health Organization Quality of Life questionnaire (WHOQOL-BREF), Aufmerksamkeit/Achtsamkeit: Mindfulness Attention Awareness Scale, Lebensfreude: Subjective Vitality Scales, Selbstmitgefühl: Self-Compassion Scale. Die Auswertung der Fragebögen ergab, dass sich alle ermittelten Werte im Vergleich zur Kontrollgruppe in der Interventionsgruppe signifikant verbessert hatten.

Hinweis: Weitere Selbsthilfekonzepte, Hilfen und Anlaufstellen für pflegende Angehörige demenzkranker Patienten finden Sie übrigens in einem früheren Artikel zu diesem Thema.

Einschätzung:

Die regelmäßige Durchführung kombinierter Yoga- und Meditationsübungen kann laut der vorliegenden Ergebnisse pflegenden Angehörigen helfen, dem mit der Betreuung Demenzkranker häufig verbundenen negativen Stress entspannter zu begegnen. Gleichzeitig wird nicht nur die psychische, sondern auch die physische Gesundheit gestärkt. Obwohl in dieser Studie das Auftreten körperlicher Beschwerden nicht untersucht wurde, assoziieren die Wissenschaftlerinnen einen optimierten Umgang mit Stress, auch auf Basis vergangener Studien, mit einem selteneren Auftreten von Rücken- und Kopfschmerzen oder Schlafstörungen. Diese Annahme könnte Gegenstand weiterer Untersuchungen sein.

Sieben Probandinnen brachen ihre Studienteilnahme wegen Zeitmangels ab. Der Zeitaspekt könnte in der Tat ein problematischer Faktor in der Realität des Pflegealltags für die betroffenen Angehörigen darstellen. Aus diesem Grund wäre für zukünftige Studien zu überlegen, ob kürzere Übungseinheiten nicht einen ähnlich positiven Effekt erzielen würden wie die insgesamt je 1 Stunde und 15 Minuten umfassenden Interventionen in der vorliegenden Studie. Weiterhin entziehen sich die größtenteils zu Hause durchgeführten Übungen weitgehend der Kontrolle der Wissenschaftler.

In zukünftigen Studien sollte dies berücksichtigt und die Therapietreue der Probanden überprüfbar gestaltet werden. In einer systematischen Übersichtsarbeit wurden außerdem weitere, zum Teil supportive Maßnahmen zur Verbesserung der Pflegesituation Angehöriger von Demenzpatienten als hilfreich bewertet. [3] Für einen entspannten Umgang mit demenzkranken Patienten können pflegende Angehörige demnach Maßnahmen wie die kognitive Verhaltenstherapie, psychoedukative Interventionen und den gruppenbasierten Austausch mit anderen betroffenen Angehörigen sowie Weiterbildungsmaßnahmen hinsichtlich der Kommunikation mit Demenzkranken in Anspruch nehmen, und den Umgang mit hilfreichen Techniken in der Betreuung von Demenzpatienten erlernen.

Literatur

1) Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. – Selbsthilfe Demenz. Informationsblatt 1: Die Häufigkeit von Demenzerkrankungen, Juni 2016 Öffnet externen Link in neuem FensterLink

2) Danucalov MAD et al. Yoga and compassion meditation program improve quality of life and self-compassion in family caregivers of Alzheimer’s disease patients. A randomized controlled trial. Geriatr Gerontol Int 2017; 17: 85-91 Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

3) Piersol CV et al. Effectiveness of interventions for caregivers of people with Alzheimer’s disease and related major neurocognitive disorders: a systematic review. Am J Occup Ther 2017; 71(5): 1-10 Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

Daniela Hacke

Daniela Hacke, M.A.
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