Mit Laktobazillen gegen Scheidenpilz
Fast jede Frau erkrankt im Lauf ihres Lebens einmal an einer Pilzinfektion der Vagina – Rückfälle sind häufig. Viele Patientinnen wenden komplementärmedizinische Methoden an.
Aufgrund der oftmals nicht zufriedenstellenden konventionellen Behandlungsoptionen bei Candidosen, besteht eine rege Forschungsaktivität bei der Suche nach Alternativen (vgl. Ätherische Öle bei vaginaler Candidose, Hilfe gegen Candidose). In Australien wurden die Erfahrungen von 66 Angehörigen aus dem Gesundheitswesen zusammengetragen, die Patientinnen mit vaginaler Candidose behandeln, um herauszufinden, inwieweit von den Patientinnen Angaben über zusätzliche komplementärmedizinische Methoden gemacht werden (1).
Nahezu 90% der Befragten konnten über Patientinnen berichten, die zusätzliche komplementärmedizinische Verfahren anwendeten. Besonders häufig werden Nahrungsergänzungsmittel mit Laktobazillen genutzt, gefolgt von oraler oder vaginaler Einnahme von Joghurt. Die Anwendung zusätzlicher komplementärmedizinischer Methoden geschieht meist im Gegensatz zur Wirksamkeits-Einschätzung der Therapeuten, die im besten Fall (zu knapp 50%) gerade noch die Zusatzbehandlung mit Laktobazillen empfehlen. Insgesamt waren weibliche Therapeuten besser über komplementärmedizinische Methoden zur Behandlung der vaginalen Candidose informiert als ihre männlichen Kollegen und empfahlen diese auch häufiger.
Trotz der Popularität komplementärmedizinischer Methoden zur Behandlung vaginaler Candidose, sind Ergebnisse aus humanmedizinischen Studien, die die Anwendung unterstützen, noch spärlich gesät und widersprüchlich.
Einschätzung
Im Gegensatz zu zwei früheren Studien (2,3), wurden hier nicht die Patientinnen direkt befragt, sondern ihre ärztlichen Therapeuten. Dies wirft im Vergleich zu den früheren Studien ein besonderes Licht auf die Situation, da viele Patientinnen ihre Ärztin/ihren Arzt nicht über ihre zusätzlichen komplementärmedizinischen Maßnahmen informieren. Zwar konnten 90% der befragten Ärzte über Erfahrungen einzelner Patientinnen mit komplementärmedizinischen Methoden berichten – doch die Gesamtzahl der Patientinnen, die Ihren Arzt darüber informiert, dürfte eher gerig sein.
Die Inkenntnissetzung des Arztes ist jedoch ein wichtiger Faktor bei der Bewertung von Nebenwirkungen und Wechselwirkungen, aber vor allem zur Erfassung wirklich wirksamer Zusätze in der Behandlung der hartnäckigen vaginalen Candidose.
Literatur
1) Watson CJ, Pirotta M, Myers P. Use of complementary and alternative medicine in recurrent vulvovaginal candidiasis-Results of a practitioner survey. Complement Ther Med. 2012 Aug;20(4):218-21 Abstract
2) Nyirjesy P, Weitz MV, Grody MH, Lorber B. Over-the-counter and alternative medicines in the treatment of chronic vaginal symptoms. Obstet Gynecol. 1997 Jul;90(1):50-3 Abstract
3) Nyirjesy P, Robinson J, Mathew L, Lev-Sagie A, Reyes I, Culhane JF. Alternative therapies in women with chronic vaginitis. Obstet Gynecol. 2011 Apr;117(4):856-61 Abstract