Carstens-Stiftung: Stabilisierungsübungen bei Rückenschmerzen?

Studien kurz und knapp

Kreuzschmerzen: Gezielt stabilisieren, ganzheitlich trainieren oder mobilisieren?

Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse beleuchtet die Studienlage zur Wirksamkeit von Stabilisierungsübungen im Vergleich mit allgemeinem Bewegungstraining oder manueller Physiotherapie zur Behandlung von chronischen Rückenschmerzen im Lendenwirbelsäulenbereich.

Nahezu jeder leidet irgendwann im Laufe seines Lebens unter Rückenschmerzen. Bedingt durch verschiedene Faktoren wie Bewegungsmangel, vorwiegend sitzende Lebensweise und Übergewicht kann es zu einer Chronifizierung der Beschwerden kommen. Als nicht-medikamentöses Verfahren wird in den Europäischen Richtlinien zur Behandlung von unspezifischen Rückenschmerzen ein Bewegungstraining unter Anleitung empfohlen. Manuelle physiotherapeutische Behandlungen tragen zur Mobilisation von Gelenken und zum Lösen muskulärer Verspannungen bei. Sowohl in der Prävention als auch in der Rehabilitation werden gezielte Stabilisierungsübungen zur Verbesserung der Funktion spezifischer Rumpfmuskeln und damit einer Optimierung der Bewegungskontrolle im Lendenwirbelsäulenbereich eingesetzt.

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Ziel der vorliegenden Meta-Analyse [1] ist eine Überprüfung, ob Stabilisierungsübungen bei unspezifischen Rückenschmerzen genauso wirksam sind wie allgemeine Bewegungsübungen bzw. manuelle Behandlungen, oder ob eines der Verfahren effizienter ist. Von anfänglich 641 Quellenangaben der systematischen Literaturrecherche entsprachen 11 Studien den folgenden festgelegten Einschlusskriterien: randomisierte kontrollierte Studie, Vergleich von Stabilisation mit Bewegungstherapie oder manueller Therapie, Patienten mit chronischen unspezifischen Rückenschmerzen (> 3 Monate), primäre Untersuchungsparameter sind die Schmerzintensität und Bewegungseinschränkung bzw. Funktionsfähigkeit.
Sowohl hinsichtlich der Schmerzintensität als auch der Bewegungseinschränkung zeigte sich eine statistisch signifikante Überlegenheit der Stabilisierungsübungen gegenüber den allgemeinen Bewegungsübungen und eine nicht-signifikante Überlegenheit gegenüber der manuellen Therapie. Die durchschnittliche, mittels einer visuellen Analogskala von 0 (schwach) bis 10 (stark) gemessene Schmerzintensität sank durch die Stabilisation von 6,01 zu Beginn auf 2,1 am Ende der Behandlungsphase. Der berechnete Wert für die gewichtete mittlere Differenz von -1.03 entspricht einer Schmerzlinderung von 39 %. Die Funktionsfähigkeit wurde nur in zwei der elf Studien untersucht; die Meta-Analyse ergab lediglich eine leichte positive Tendenz für die Stabilisation gegenüber der Bewegungstherapie.
Die methodische Qualität der analysierten Studien stufen die Autoren dieser Übersichtsarbeit als mittelmäßig ein; so fehlen zum Teil Angaben zur Randomisation, zur Verblindung und weitere Details zum Studienablauf, die dazu dienen könnten, das Biasrisiko (Verzerrung der Ergebnisse durch systematische Fehler in der jeweiligen Studie) zu bewerten. Darüber hinaus waren die Studien hinsichtlich ihrer primären Analysedaten und Messverfahren sehr heterogen, was eine Vergleichbarkeit erschwert.

Einschätzung:

Stabilisierungsübungen für die Rumpfmuskulatur lindern unspezifische Rückenschmerzen im Lendenwirbelsäulenbereich  gemäß den Ergebnissen des vorliegenden Systematischen Reviews und der Meta-Analyse effektiver als allgemeine Bewegungsübungen (Kraft- und Ausdauerübungen sowie Dehnübungen) und genauso effektiv wie manuelle physiotherapeutische Anwendungen. Ein eindeutiges Fazit lässt sich jedoch noch nicht ziehen, da nicht genügend qualitativ hochwertige Studien vorliegen.
Für die Praxis lässt sich bis dahin folgender Schluss ziehen: Gezielte Stabilisierungsübungen sind ein wichtiges Element in der Vorbeugung und Therapie von Rückenschmerzen. Oft sind sie bereits in entsprechende Präventions- und Reha-Programme integriert. Patienten, die unter Rückenschmerzen leiden, sollten sich im Vorfeld bei der Auswahl von Rückentrainingsangeboten über den Aufbau des Trainings informieren.

Literatur

Gomes-Neto M, Lopes JM, Conceicao CS, Araujo A, Brasileiro A, Sousa C, Carvalho VO, Arcanjo FL. Stabilization exercise compared to general exercises or manual therapy for the management of low back pain: A systematic review and meta-analysis. Phys Ther Sport 2017; 23: 136-142. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

Petra Koczy

Petra Koczy, Dipl.-Biol.
Fachbereich Bibliothek | Informationsmanagement

Telefon: 0201 56 305 0
E-Mail: Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-Mailp.koczy@carstens-stiftung.de


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