Integrative Medizin
Zum Hauptinhalt springen Zum Seiten-Footer springen
Carstens-Stiftung: Können Hunde Migräneanfälle erahnen?
Studien kurz und knapp

Können Hunde Migräneanfälle erahnen?

Von Dr. Jürgen Clausen

Migräne Tiergestützte Therapie

Eine Umfrage untersucht, ob sich das Verhalten der Hunde von Migräne-Patienten vor einer Attacke ändert. Falls dies der Fall ist, könnte es als "Frühwarnsystem" interpretiert werden.

Manche Migränepatienten behaupten, dass Sie kurz vor einer neuen Migräne-Attacke Veränderungen beim Verhalten ihres Haustieres beobachten können. Dies ist von besonderer Bedeutung, da das frühzeitige Erkennen eines bevorstehenden Anfalls effektivere Gegenmaßnahmen ermöglichen kann, um die Schwere eines Anfalls zu vermindern oder ihn komplett zu verhindern. Um erfassen zu können, wie viele Migräne-Patienten mit Hunden als Haustieren solche Beobachtungen gemacht haben und um welche auffälligen Verhaltensweisen es sich dabei handelt, wurde eine Umfrage im Internet gestartet, deren Ergebnisse jetzt vorliegen (1).

Von 1029 Patienten wurden die Fragebogen ausgefüllt. Dabei handelte es sich fast ausschließlich um Frauen (95%). Etwa 60% der Befragten gaben an, dass sich das Verhalten des Hundes kurz vor oder zu Beginn einer Migräne-Attacke ändert. Dies war zumeist eine ungewöhnlich hohe Aufmerksamkeit seitens der Hunde gegenüber den Besitzern, was sich (z.B.) darin ausdrückte, dass die Tiere ihren Besitzern nicht von der Seite wichen.

Ungefähr ein Viertel der Migränepatienten konnte von auffälligen Verhaltensweisen ihrer Hunde berichten, die vor (bis zu zwei Stunden) Beginn einer anstehenden Migräne-Attacke bei ihren Hunden auftraten und somit eine prophylaktische Behandlung grundsätzlich ermöglichen. Allerdings nutzten nur etwa 10% der Befragten diese Möglichkeit.

Bezüglich verschiedener Hunderassen wurden keine Unterschiede gefunden.

Einschätzung

Das Fragebogendesign hat zahlreiche Schwächen, derer sich die Autoren bewusst sind und die sie auch diskutieren. Ebenso gehen die Autoren darauf ein, dass die beobachteten Verhaltensäuffälligkeiten möglicherweise nur eingebildet sein könnten. Wenn sich in weiteren Studien aber herausstellt, dass Hunde tatsächlich frühe physiologische Signale einer drohenden Migräne-Attacke wahrnehmen können, wäre dies eine große Erleichterung für Migränepatienten im Sinne einer prophylaktischen Behandlungsoption.

Literatur

1) Marcus DA, Bhowmick A. Survey of migraine sufferers with dogs to evaluate for canine migraine-alerting behaviors. J Altern Complement Med. 2013 Jun;19(6):501-8. Abstract