Studien kurz und knapp

Hirtentäschelkraut gegen Blutungen nach der Entbindung

In Ergänzung zu Oxytocin erwies sich die Gabe eines Extraktes von Capsella bursa pastoris zur Linderung postpartaler Hämorrhagie gegenüber Placebo überlegen.

Starke Blutungen nach einer Geburt können die frisch entbundene Mutter in einen kritischen Gesundheitszustand versetzen und den Start ins Mutterglück beeinträchtigen. Folgen des hohen Blutverlustes und anhaltender Blutungen können eine Anämie, Infektionen, Nierenprobleme, die Erfordernis von Bluttransfusionen oder einer Gebärmutterentfernung und die damit verbundenen Risiken sein. Im schlimmsten Fall kann die postpartale Hämorrhagie sogar zum Tode führen. Das vom menschlichen Körper produzierte Hormon Oxytocin wird als Standardtherapie zur Eindämmung übermäßiger postpartaler Blutungen und zur Gebärmutterrückbildung eingesetzt. Hebammen nutzen in verschiedensten Kulturkreisen seit jeher die Kräuterheilkunde in der Begleitung von Schwangeren und Wöchnerinnen. Eine nahezu über den gesamten Erdball verbreitete Heilpflanze, die traditionell zur Stillung von Blutungen eingesetzt wird, ist das Hirtentäschelkraut (Capsella bursa pastoris).

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An der Shahid Beheshti University of Medical Sciences in Teheran wurde im Rahmen einer Doktorarbeit erstmals klinisch untersucht, inwieweit die Verabreichung eines hydroalkoholischen Extraktes von Capsella bursa pastoris einem postpartalen Blutverlust bei Frauen mit vaginaler Entbindung entgegenwirkt. Randomisiert wurden jeweils 50 Frauen der Behandlung mit Hirtentäschelkraut-Extrakt bzw. Placebo-Flüssigkeit zugeordnet. Nach vollständiger Entfernung der Nachgeburt wurden den Frauen sublingual 10 Tropfen der jeweiligen Testflüssigkeit verabreicht. Alle erhielten als Standardtherapie eine Infusion mit 20 U Oxytocin in 1 l Ringerlösung. Der Blutverlust in den ersten drei Stunden nach der Geburt wurde durch das Wiegen unbenutzter und der benutzten (blutgetränkten) Hygienevorlagen ermittelt. Darüber hinaus wurden in diesem Zeitraum in regelmäßigen Abständen die Vitalwerte der Frauen dokumentiert. Zu Geburtsbeginn und 6 Stunden nach der Entbindung wurden Blutproben der Studienteilnehmerinnen auf den Hämoglobin- und den Hämatokrit-Gehalt untersucht. In einer 40-tägigen Follow-up-Phase befragte die Studienleiterin die Frauen telefonisch zu ihrem Wohlbefinden und zu besonderen Vorkommnissen (Blutungen, Krankenhausaufenthalte, sonstige Komplikationen bei der Mutter oder beim Kind).
Im Vergleich zur Kontrollgruppe (Oxytocin + Placebo) verlor die Behandlungsgruppe (Oxytocin + Capsella) insgesamt durchschnittlich 35 ml weniger Blut (Placebo 112,46 ml (SD 39,64), Capsella 76,94 ml (SD 29,1)). Der Unterschied erwies sich im statistischen Test für den Gesamtverlust und für die Messungen zur ersten, zweiten und dritten Stunde nach der Geburt als signifikant (p < 0.0001). Sowohl die Hämoglobin- als auch der Hämatokrit-Werte lagen bei der Hirtentäschelkraut-Gruppe höher als in der Placebo-Gruppe. Die Frauen in der Testgruppe waren mit ihrer Behandlung deutlich zufriedener als die Frauen der Kontrollgruppe.

Einschätzung:

Die Behandlung frisch entbundener Mütter mit einem hydroalkoholischen Extrakt des Hirtentäschelkrautes zusätzlich zur Gabe von Oxytocin ist gemäß den Ergebnissen der vorliegenden Studie geeignet, den postpartalen Blutverlust zu mindern. Von einer ausschließlichen Behandlung mit dem pflanzlichen Präparat ist jedoch zunächst abzusehen, da bei einer nicht ausreichend hohen Wirksamkeit das Risiko durch einen übermäßigen Blutverlust für die Wöchnerinnen zu hoch ist. Denkbar wären weitere Studien, in denen die verabreichte Menge von Oxytocin herabgesetzt und die optimale Dosierung der Capsella bursa pastoris -Tropfen ermittelt wird.

Literatur

Ghalandari S, Kariman N, Sheikhan Z, Mojab F, Mirzaei M, Shahrahmani H. Effect of hydroalcoholic extract of Capsella bursa patoris on early postpartum hemorrhage: a clinical trial study. J Altern Complement Med 2017; 23(10):794-799. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

Petra Koczy

Petra Koczy, Dipl.-Biol.
Fachbereich Bibliothek | Informationsmanagement

Telefon: 0201 56 305 0
E-Mail: Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-Mailp.koczy@carstens-stiftung.de


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