Carstens-Stiftung: Fitness-Training oder Tanzkurs – Was hält im Alter besser fit?

Studien kurz und knapp

Fitness-Training oder Tanzkurs – Was hält im Alter besser fit?

Eine flotte Sohle aufs Parkett zu legen erwies sich für Senioren in einer aktuellen Studie hinsichtlich der Verbesserung altersbedingter Gedächtnis- und Gleichgewichtsstörungen als wirkungsvoller als ein Ausdauer-Kraft-Training.

Nicht nur pathologische Erkrankungen wie die Alzheimer-Krankheit sind für Veränderungen im menschlichen Gehirn verantwortlich. Der altersbedingte Rückgang der Plastizität bestimmter Hirnregionen, so auch des Hippocampus, kann sich nicht nur in immer häufiger auftretenden Gedächtnislücken, abnehmender Lernfähigkeit und zunehmender räumlicher Desorientierung äußern, sondern auch in Gleichgewichtsstörungen, die insbesondere beim älteren Menschen zu gefährlichen Stürzen und damit einhergehenden Verletzungen führen können.

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Zurückliegende Studien liefern bereits Hinweise auf eine Verbesserung der Hirnstruktur und des Gleichgewichtssinns bei Senioren durch die regelmäßige Durchführung von Fitness-Übungen. Ähnliche Erfolge lassen sich auch für kontinuierlich praktizierte Tanz-Übungen feststellen. Ausgehend von der Hypothese, dass die Stimulation bestimmter Areale des Hippocampus durch eine Kombination von Bewegung und dem Erlernen und Trainieren von Tanzschritten sowohl kognitive als auch motorische Fähigkeiten verbessern kann, verglichen Wissenschaftler nun in einer Langzeitstudie die Effekte von Tanzübungen auf die kognitiven Fähigkeiten und den Gleichgewichtssinn von Senioren mit denen eines Fitness-Trainings. [1] Von anfänglich 62 rekrutierten, gesunden Probanden im Alter zwischen 63 und 80 beendeten 26, davon 14 in der Tanz- und 12 in der Fitness-Gruppe, die insgesamt über anderthalb Jahre andauernde Studie. Aus organisatorischen Gründen, die von den Wissenschaftlern nicht weiter ausgeführt werden, wurde die in den ersten sechs Monaten angesetzte Frequenz von zwei Mal 90 Minuten Training pro Woche für die nachfolgenden 12 Monate auf ein einmal wöchentliches Training herabgesetzt. Die Senioren in der Tanzgruppe lernten in dieser Zeit wöchentlich neue Tanz- und Musikstile, so z.B. Jazz- und Square-Tanz oder lateinamerikanische Tänze, die ein umfangreiches Repertoire an verschiedenen Drehungen und Schritten beinhalten. In der Fitness-Gruppe absolvierten die Probanden in derselben Frequenz ein Kraft- und Ausdauer-Training sowie Stretching-Übungen. Während der ersten sechs Monate trainierten die Senioren ihre Ausdauer auf Fahrradergometern, in den nachfolgenden zwölf Monaten absolvierten sie ein Nordic-Walking-Programm.

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In Ergänzung einer früheren Publikation [2] werteten die Wissenschaftler nun auch für die Gleichgewichtskontrolle relevante Parameter aus, die Sinneswahrnehmungen wie die somatosensorische (Körperwahrnehmung), die visuelle (Sehen) sowie die vestibuläre Wahrnehmung (Gleichgewichtssinn) implizieren. Diese wurden mithilfe eines Sensorischen Organisationstests (Dual-Force-Plate-System) ermittelt. Außerdem wurden mittels Magnetresonanztomographie die Volumenveränderung des Hippocampus und seiner verschiedenen Areale erfasst. Zwar zeigten die Probanden beider Gruppen eine ähnlich hohe Zunahme des hippocampalen Volumens, jedoch mit einer leichten Tendenz zugunsten der Tanzgruppe. Hinsichtlich der Körperbalance schnitten die Tänzer jedoch statistisch signifikant besser ab als die Probanden in der Fitnessgruppe.

Einschätzung:

Im Vergleich mit einem alleinigen Kraft-Ausdauer-Training, so das Resümee der Wissenschaftler, steigert regelmäßiges Tanzen im Alter nicht nur Ausdauer, Körperwahrnehmung und Kraft, sondern auch den Gleichgewichtssinn und die Gedächtnisleistung. Während des Tanzens und der damit verbundenen Lern- und Erinnerungsprozesse werden insbesondere jene Hirnareale gefordert und trainiert, die von altersbedingten Atrophien betroffen sein können, wie sie z.B. bei Morbus Alzheimer zu beobachten sind.

Wenngleich die Studie nicht ganz ohne Kritikpunkte wie z.B. die durch die hohe Dropout-Rate entstehende niedrige Probandenzahl auskommt, lässt sie doch schlussfolgern, dass durch eine Kombination aus Bewegung und kognitiver Leistung, wie beim Tanzen, größere Effekte erzielt werden können als durch alleiniges körperliches Training. Darüber hinaus wird meist in Gesellschaft getanzt, so dass auch die Ebene der sozialen Kontaktpflege im Alter bedient wird.

Literatur

1) Rehfeld K, Müller P, Aye N, Schmicker M, Dordevic M, Kaufmann J, Hökelmann A, Müller NG. Dancing or fitness sport? The effects of two training programs on hippocampal plasticity and balance abilities in healthy seniors. Frontiers in Human Neuroscience 2017; 11: Article 305 Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

2) Rehfeld K, Hökelmann A, Lehmann W, Blaser P. Auswirkungen einer Tanz- und Kraft-Ausdauer-Intervention auf kognitive Fähigkeiten älterer Menschen. Z Neuropsychol 2014; 25: 99-108 Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

Daniela Hacke

Daniela Hacke, M.A.
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