Integrative Medizin
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Carstens-Stiftung: Feine Spürnasen erkennen Krebs
Studien kurz und knapp

Feine Spürnasen erkennen Krebs

Von Dr. Jürgen Clausen

Onkologie

Nicht umsonst werden Hunde auch Spürnasen genannt: Der Geruchssinn von Hunden ist eine Million Mal stärker als unserer. Doch können sie damit auch Krebszellen erschnüffeln?

Hunde haben feine Nasen, das ist allgemein bekannt. Dass es in der Literatur einige Berichte von Hunden gibt, die bei ihren Besitzern Krebserkrankungen erkannt haben, wissen aber deutlich weniger Menschen (1, 2). In einer neuen, verblindeten und randomisierten Studie wurde jetzt untersucht, ob ausgebildete Hunde spezifisch Lungenkrebs bei erkrankten Patienten erkennen können (3).

Vier Hunde haben in dieser Studie 220 Atemproben von Lungenkrebs-Patienten, Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) und gesunden Patienten zum Beschnüffeln bekommen. In 71% der Fälle zeigten die Hunde die Lungenkrebspatienten richtig an; dementsprechend wurden 29% der Lungenkrebs-Atemproben nicht erkannt. Nur bei 7% der Proben von gesunden oder COPD erkrankten Patienten wurde fälschlicherweise Lungenkrebs durch die Hunde angezeigt. Ein positives Hundesignal auf Lungenkrebs war also sehr zuverlässig, ein Ausbleiben des Signals nicht so sehr.

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Bemerkenswert ist, dass die Ergebnisse scheinbar nicht davon beeinflusst wurden, wie weit der Lungenkrebs bereits fortgeschritten war und ob die Patienten Raucher waren oder nicht. Allerdings wurden neun Medikamentenwirkstoffe identifiziert, die wahrscheinlich die Wahrnehmung der Hunde gestört haben.

Einschätzung

Die Studie bekräftigt die Vermutung, dass Patienten mit Lungenkrebs spezifische Substanzen oder Substanzmuster mit der Atemluft ausatmen. In dieser Studie war bei allen Krebspatienten der Tumor bereits medizinisch diagnostiziert worden. In Zukunft wäre es auch interessant zu untersuchen, ob Hunde Lungenkrebs bei Menschen identifizieren können, bei denen die Erkrankung noch nicht durch andere medizinische Untersuchungen diagnostiziert worden ist.

Da frühe Stadien des Lungenkrebs normalerweise symptomfrei sind, wird dieser oftmals nur zufällig entdeckt oder sehr spät, wenn der Krebs bereits gestreut hat. Unglücklicherweise ist aber gerade beim Lungenkrebs die Prognose für den Patienten stark davon abhängig, dass der Krebs möglichst früh erkannt wird.

Letzten Endes werden für die Früherkennung aber wohl nicht Hunde eingesetzt werden. Wahrscheinlicher ist, dass die durch die Hunde erschnüffelten Substanzen oder Substanzmuster identifiziert werden und dafür ein Labortestsystem entwickelt werden wird.

Literatur

1) Williams H, Pembroke A. Sniffer dogs in the melanoma clinic? Lancet. 1989 Apr 1;1(8640):734. Abstract

2)McCulloch M, Jezierski T, Broffman M, Hubbard A, Turner K, Janecki T. Diagnostic accuracy of canine scent detection in early- and late-stage lung and breast cancers. Integr Cancer Ther. 2006 Mar;5(1):30-9. Abstract

3) Ehmann R, Boedeker E, Friedrich U, Sagert J, Dippon J, Friedel G, Walles T. Canine scent detection in the diagnosis of lung cancer: Revisiting a puzzling phenomenon. Eur Respir J. 2011 Aug 18. [Epub ahead of print] Abstract