Studien kurz und knapp

Akupunktur mit Elektrostimulation zur nachhaltigen Migräneprophylaxe

Eine vierwöchige Elektroakupunkturbehandlung reduzierte Migräneattacken ohne Aura in einer klinischen Studie effektiv, auch noch 20 Wochen nach Behandlungsende.

Sowohl in China als auch in westlichen Ländern hat sich eine Akupunkturbehandlung gegen Migräne zunehmend durchgesetzt. Neben der Akutbehandlung ist auch der prophylaktische Einsatz der Traditionellen Nadeltechnik von Interesse. Insbesondere eine Akupunktur mit Elektrostimulation verspricht länger anhaltende Verbesserungen. Allerdings fielen die Studienergebnisse hinsichtlich einer Überlegenheit gegenüber einer Placebo-Behandlung bisher noch widersprüchlich aus. Dies könnte damit zusammenhängen, dass in den jeweiligen Studien Patienten mit unterschiedlichen Migränetypen behandelt wurden und dafür unterschiedlichste Akupunkturpunkte benutzt wurden.

Akupunktur zwischen Mythos und Moderne

Akupunktur zwischen Mythos und Moderne

Aus der Perspektive dieser Arbeit ist das Konzept des Nicht-Akupunkturpunktes als Sham-Kontrolle in klinischen Studien nicht haltbar. Iven Tao plädiert in seiner Dissertation dafür, die alten Konzepte zu überdenken und die Studienmethoden der Realität der Akupunktur anzupassen.

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Eine chinesische Wissenschaftlergruppe publizierte jüngst ihre Untersuchungen an Migränepatienten ohne Aura mit einer Teilstandardisierung der stimulierten Akupunkturpunkte im Vergleich mit einer unbehandelten und einer Placebo-Kontrollgruppe (Sham-Akupunktur). Die überwiegend weiblichen Studienteilnehmer waren durchschnittlich 38 Jahre alt und hatten zwischen zwei und acht Migräneattacken pro Monat. Nach der randomisierten Zuordnung zu den jeweiligen Gruppen erhielten die beiden Akupunkturgruppen vier Wochen lang 30-minütige (Sham-)Akupunktureinheiten an jeweils fünf aufeinanderfolgenden Tagen im Wechsel mit zwei behandlungsfreien Tagen. Genadelt wurden bei der "echten" Akupunktur immer die beiden Punkte GB20 und GB8; zusätzlich wurden für die Teilnehmer in Abhängigkeit von der Syndromdifferenzierung individuell zwei weitere Punkte aus einem Pool von insgesamt acht weiteren Aktupunkturpunkten ausgewählt. Die Sham-Akupunktur erfolgte an vier sogenannten "Nicht-Punkten". Der dritten Gruppe wurde eine Akupunkturbehandlung nach 24 Wochen in Aussicht gestellt (Warteliste-Gruppe). Während der gesamten sechsmonatigen Studienzeit durften die Teilnehmer ausschließlich Ibuprofen (300 mg) als Notfallmedikament bei extrem starken Schmerzen einnehmen. Alle Probanden führten während der Studienphase ein Kopfschmerztagebuch, in dem sie die Häufigkeit, Dauer und Schwere der Migräneattacken sowie die Einnahme des Schmerzmittels dokumentierten. Zusätzlich wurde zu Studienbeginn und nach vier Wochen anhand drei verschiedener Fragebögen die durch die Migräne bedingte Einschränkung der Lebensqualität erfasst.

Die Frequenz der Migräneattacken war bei allen drei Gruppen nach 16 Wochen niedriger als zu Studienbeginn (durchschnittlich fünf Attacken pro vier Wochen). Die Akupunktur-Gruppe hatte durchschnittlich 3,2 Attacken weniger, die Placebo-Gruppe 2,1 und die Warteliste-Gruppe 1,4. Diese Werte waren auch nach 24 Wochen in etwa gleich. Während die Anzahl der Migränetage bei allen Teilnehmern anfangs bei circa sechs Tagen in vier Wochen lag, reduzierte sich diese Zahl in der Akupunktur-Gruppe um zwei Drittel, in der Placebo-Gruppe um die Hälfte und in der Warteliste-Gruppe um knapp ein Drittel. Auch die Schmerzintensität wurde durch die Elektroakupunkturbehandlung am deutlichsten reduziert. Ibuprofen wurde in den beiden genadelten Gruppen nach vier Wochen und in den Folgewochen signifikant weniger als zu Beginn und im Vergleich zur dritten Kontrollgruppe eingenommen. Hinsichtlich der empfundenen Lebensqualität zeigten sich nur bei Einzelparametern Unterschiede zwischen den Gruppen.

Einschätzung:

Elektroakupunktur vermag Migräne ohne Aura hinsichtlich der Häufigkeit von Attacken, der Anzahl der Migränetage und der Schmerzintensität signifikant und andauernd zu reduzieren. Sie war in der vorliegenden Studie der Scheinakupunktur überlegen, welche im Vergleich mit gar keiner Behandlung immerhin auch noch eine deutliche, aber bei den verschiedenen Messparametern  überwiegend keine statistisch signifikante Verbesserung der Beeinträchtigungen durch Migräne bewirkte.

Bemerkenswert an dieser Studie ist die sehr geringe Dropout-Rate mit nur sechs von insgesamt 245 Probanden. Dies mag mit der zu Studienbeginn erfassten, hohen Erwartung der Studienteilnehmer an die Akupunkturbehandlung zusammenhängen.

Inwiefern Elektroakupunktur bei Migränepatienten mit Aura prophylaktisch wirksam ist, wurde bisher nicht explizit untersucht. Die Autoren der vorliegenden Studie vermuten jedoch eine geringere Wirksamkeit aufgrund der unterschiedlichen Pathogenese von Migräne mit und ohne Aura.

Literatur

Zhao L, Chen J, Li Y, Sun X, Chang X, Zheng H, Gong B, Huang Y, Yang M, Wu X, Li X, Liang F. The long-term effect of acupuncture for migraine prophylaxis. A randomized clinical trial. JAMA Intern Med 2017; 177(4): 508-515. Abstract

Petra Koczy

Petra Koczy, Dipl.-Biol.
Fachbereich Bibliothek | Informationsmanagement

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