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Achtung Antibiotika: nicht vorschnell einnehmen

Die DAK bestätigt ein Problem, auf das die Carstens-Stiftung seit Jahren hinweist: Antibiotika werden zu viel und falsch eingenommen. Resistenzbildungen können die Folge sein. Doch es gibt Alternativen.

Antibiotika gehören zu den wichtigsten Medikamenten überhaupt, denn sie haben das Potenzial Bakterien zu töten oder diese in ihrem Wachstum zu hemmen. Dies macht sie so wertvoll bei gefährlichen bakteriellen Infektionskrankheiten, die früher lebensbedrohliche Folgen hatten. Zu diesen gehören etwa Lungenentzündungen, Hirnhautentzündungen, Typhus oder Tuberkulose.

Es gibt jedoch ein Problem mit den "Wundermitteln", auf das die Carstens-Stiftung schon seit Jahren [1, 2, 3, 4] aufmerksam macht: Antibiotika werden viel zu häufig und falsch eingenommen. Dies bestätigt der aktuelle DAK Antibiotika-Report (5), der eine deutliche Überversorgung zeigt. So hat ein Drittel der Befragten in den letzten zwölf Monaten mindestens einmal ein Antibiotikum verschrieben bekommen. Dabei gaben 76% an, dass sie auch bei hartnäckigen Erkältungen vom Arzt sogar ein Antibiotikum verlangen. Doch ist das sinnvoll?

Der typische Schnupfen mit verstopfter Nase und eitrigem Sekret
Zunächst muss festgehalten werden, dass 60-80% aller Patienten hier ganz ohne Behandlung innerhalb von zwei Wochen genesen. Dazu kommt aber, dass nur etwa ein Drittel dieser Erkrankungen überhaupt von Bakterien verursacht werden. In anderen Worten: ein Antibiotikum kann Patienten mit typischem Schnupfen in zwei Dritteln der Fälle gar nicht helfen. (6)

Akuter Husten
Der akute Husten als Begleiter von Erkältungskrankheiten lässt in der Regel von alleine nach 2-3 Tagen nach. (7) Und auch hier: Nur etwa 20% der Hustenerkrankungen werden als bakteriell verursacht eingeschätzt. (8)

Halsschmerzen, evtl. in Kombination mit Nasenschleimhautentzündungen
Vermutlich sind nur etwa 15-50% dieser Erkrankungen durch Bakterien bedingt. (8, 9, 10) Sicher ist, dass sie meist von selbst abklingen, sodass Patienten ohne Behandlung im Mittel innerhalb von 3,5 bis 5 Tagen genesen. (9)

Die Gefahr der Überversorgung
Schnupfen, Husten und Halsschmerzen – die hartnäckigen Erkältungen – werden in der Regel durch Viren verursacht, gegen die Antibiotika nicht wirken. Keine positive Wirkung bedeutet jedoch nicht die Abwesenheit jeglicher Wirkung. So ist die Gefahr von Nebenwirkungen wie Überempfindlichkeitsreaktionen, Allergien oder Störungen des Verdauungstraktes durchaus gegeben.

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Schwerwiegender ist jedoch, dass Bakterien, die im Körper sind und mit dem Antibiotikum in Berührung kommen, Resistenzen dagegen entwickeln können. Im Ernstfall, d.h. bei einer schwerwiegenden Erkrankung, bei der Antibiotika nötig sind, helfen diese dann nicht mehr – ein Problem, das nicht nur das einzelne Individuum betrifft, sobald die Resistenz auf andere Menschen übertragen wird.

Literatur

1) Immer noch zu viele Antibiotika, Meldung vom 20.10.2014 Öffnet externen Link im aktuellen FensterAbstract

2) Zu viele Antibiotika für Kinder, Meldung vom 29.02.2012 Öffnet externen Link im aktuellen FensterAbstract

3) Homöopathie in der Veterinärmedizin, Meldung vom 08.11.2011 Öffnet externen Link im aktuellen FensterAbstract

4) Forschungspreis 2010. Preise für hochwertige Forschung zur Wirksamkeit der Veterinär-Homöopathie. Meldung der GGTM vom 30.07.2009Opens external link in new window Abstract

5) DAK Antibiotika-Report 2014. Eine Wunderwaffe wird stumpf: Folgen der Über- und Fehlversorgung. Opens external link in new windowPDF

6) Schulten, K., Jobst, D., Popert, U., and Szecsenyi, J. DEGAM Leitlinie 10 Rhinosinusitis Kurzversion omikron publishing / DEGAM. Opens external link in new windowAbstract

7) Beck, S., Dini, L., Heintze, C., Holzinger, F., and Stöter, C. DEGAM Leitlinie 11 Akuter Husten Kurzversion DEGAM. Opens external link in new windowAbstract

8) Grätzel von Grätz, P. Erst Phytos bei Rhinosinusitis. Antibiotika meist unnötig. Ärzte Zeitung.

9) Wächtler, H. and Chenot, J. F. DEGAM Leitlinie 14 Halsschmerzen Kurzversion omikron publishing / DEGAM. Opens external link in new windowAbstract

10) H. Wächtler and J. F. Chenot (2011) Die Halsschmerz-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin. HNO 2011(5), pp. 480-484.Opens external link in new windowAbstract

Michèl Gehrke

Michèl Gehrke, M.A.
Pressesprecher

Telefon: 0201 56 305 61
E-Mail: Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-Mailm.gehrke@carstens-stiftung.de

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(Veronica Carstens)