Integrative Medizin
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Carstens-Stiftung: Abwehrkräfte lieber mit Sport statt kalter Dusche stärken.
Carstens-Stiftung: Abwehrkräfte lieber mit Sport statt kalter Dusche stärken.
Studien kurz und knapp

Abwehrkräfte stärken: Lieber Sport statt kalte Dusche!

Will man sein Immunsystem stärken, sollte man sich nicht unbedingt nur auf morgendliche Kältegüsse unter der Dusche verlassen, so lautet das Fazit einer Studie. Moderate Bewegung, Saunabesuche und die richtige Ernährung sind effizienter.

Winterzeit ist Erkältungszeit. Umso mehr gilt es, seine Immunabwehr zu trainieren, um erst gar nicht krank zu werden. Viele setzen auf den Kältereiz beim Wechselduschen, dessen positive Effekte auf das Immunsystem jedoch bisher im Rahmen kontrollierter klinischer Studien noch nicht verifiziert werden konnten.
Niederländische Wissenschaftler initiierten deshalb eine randomisierte Studie, die die bisher nur auf Erfahrungswerten beruhende Hypothese der Immunstärkung durch regelmäßige kalte Duschgänge auch wissenschaftlich validieren soll.

Grippe und Infekte

Grippe und Infekte

Michael Elies · Annette Kerckhoff

ISBN: 978-3-96562-001-8
Erscheinungsjahr: 2019

6,90 EUR

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Die aus insgesamt 3018 Teilnehmern im Alter zwischen 18 und 65 Jahren bestehende Studienpopulation wurden nach dem Zufallsprinzip auf vier Gruppen aufgeteilt. Die Probanden, die zudem keine schweren Grunderkrankungen aufweisen durften, wurden gebeten, über einen Zeitraum von 30 Tagen ihrer normalen täglichen Dusche eine Kaltduschphase mit 10 bis 12° Celsius kaltem Wasser von entweder 30, 60 oder 90 Sekunden folgen zu lassen, während die Teilnehmer in der Kontrollgruppe keinerlei Anweisungen hinsichtlich des Duschens erhielten. Per Fragebögen wurden dann unter anderem Angaben hinsichtlich Krankmeldungen, Lebensqualität und Produktivität im Berufsalltag erfasst. Die genaue Einhaltung der Vorgaben in den Interventionsgruppen wurde von den Wissenschaftlern jedoch nicht nachgehalten. Da die Studie während der im Zeitraum 2014/2015 grassierenden, 21 Wochen andauernden Grippeepidemie in den Niederlanden durchgeführt wurde, stellte die Influenza auch der häufigste Grund für Arbeitsfehlzeiten dar.

Das Ergebnis: In der Interventionsgruppe konnte die Anzahl der Krankheitstage um 29 Prozent im Vergleich mit der Kontrollgruppe reduziert werden, unabhängig von der Dauer des Kaltwassergusses. Es ließ sich jedoch nicht feststellen, ob die Teilnehmer tatsächlich gesund geblieben oder doch krank zur Arbeit erschienen sind, da sich die Wissenschaftler auf die subjektiven Angaben der befragten Probanden verlassen mussten. Hinsichtlich der Lebensqualität zeigte sich in den Kaltduschgruppen nur eine geringfügig signifikante positive Auswirkung gegenüber der Kontrollgruppe.

Einschätzung

Die Erkenntnisse aus dieser Studie in punkto Immunmodulation durch regelmäßige kalte Duschen erweisen sich als eher ernüchternd. Zudem sind die leicht positiven Ergebnisse mit Vorsicht zu genießen, beruhen die Daten doch auf den subjektiven Angaben der Probanden. Eine Erhebung objektiver Daten, z.B. durch Messung der Immunparameter, fand leider nicht statt. Des Weiteren gab es eine große Anzahl an vorzeitigen Studienabbrechern (21 Prozent), die über ein länger anhaltendes Kältegefühl in Körper und Gliedmaßen klagten. Weitere Zweifel hinsichtlich der Aussagekräftigkeit der erzielten Ergebnisse kommen auf, wenn man bedenkt, dass die Nachbeobachtungsphase von 60 Tagen recht kurz war und die Einhaltung der Vorgaben durch die Probanden von den Wissenschaftlern nicht überprüft wurden. Eine Empfehlung zur täglichen kalten Dusche zwecks Abhärtung kann dementsprechend zunächst einmal nicht ausgesprochen werden.

Bessere Ergebnisse erzielten Studien, die die Effekte moderaten bis intensiven Trainings zur Stärkung des Immunsystems und Abwehr von Erkältungskrankheiten untersuchten. [2,3] Regelmäßige sportliche Betätigung führt, wie in den Studien nachgewiesen, zu einem Anstieg von entzündungshemmenden Immunzellen, den sog. regulatorischen T-Zellen. In Kombination mit einem gesunden Lebensstil, der die Vermeidung von schädigenden Faktoren wie Rauchen, übermäßigen Alkoholkonsum und Stress impliziert, sowie einer gesunden Ernährung kann körperliche Aktivität wesentlich dazu beitragen, die Immunabwehr gegen Erkältungen und Grippeviren zu stärken.

Literatur

1) Buijze GA, Sierevelt IN, Heijden BCJM van der, Dijkgraaf MG, Frings-Dresen MHW. The effect of cold showering on health and work: a randomized controlled trial. PLoS One 2016; 11(9): e0161749 Abstract

2) Lee HK, Hwang IH, Kim SY, Pyo SY. The effect of exercise on prevention of the common cold: a meta-analysis of randomized controlled trial studies. Korean J Fam Med 2014; 35: 119-126 Abstract

3) Weinhold M, Shimabukuro-Vornhagen A, Franke A, Theurich S, Wahl P, Hallek M, Schmidt A, Schinköthe T, Mester J, Bergwelt-Baildon M von, Bloch W. Physical exercise modulates the homeostasis of human regulatory T cells. J Allergy Clin Immunol 2015; 137(5): 1607-1610 Abstract