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Mönchspfeffer bei prämenstruellem Syndrom (PMS)

Mönchspfeffer bei prämenstruellem Syndrom (PMS)

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Phytotherapie

Etwa Dreiviertel aller Frauen mit regelmäßiger Menstruation kennen zumindest eines der folgenden Symptome: Stimmungsschwankungen, Heißhunger, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Spannungsgefühle in der Brust oder Unterleibsschmerzen. Das prämenstruelle Syndrom (PMS) tritt im Zeitraum vom Eisprung bis zum ersten Tag der Blutung auf und kann den Alltag erheblich einschränken. Mönchspfeffer könnte Abhilfe schaffen.

Der interdisziplinäre Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde hat den Mönchspfeffer, lat. Vitex agnus-castus, auch bekannt als "Keuschlamm", zur Arzneipflanze des Jahres 2022 gekürt! (1) Der Name "vitex" leitet sich von lat. "viere" (binden, biegen) ab und deutet auf zum Flechten geeignete Zweige hin. "Agnus castus" leitet sich wiederum aus dem griech. "castus" (keusch) und "hagnös" (heilig, jungfräulich) ab. Schon den alten Griechen war der Mönchspfeffer ein Symbol der Keuschheit, im Mittelalter prägten Albertus Magnus und Konrad von Megenburg in christlicher Tradition die heutige Übersetzung von "agnus castus" als "keusches Lamm" im Sinne des Lammes Gottes als Symbol der Unschuld und Reinheit.

Meta-Analyse mit strengen Einschlusskriterien

Tatsächlich besteht auch eine Verbindung zwischen dem Namen der Pflanze und ihrer medizinisch eingesetzten Wirkung, denn Zubereitungen aus Früchten des Mönchspfeffers beeinflussen die Sexualhormone. Unter anderem wird die Produktion von Prolaktin, ein die Milchdrüsen und Milchbildung anregendes Hormon, gesenkt. Zuviel Prolaktin stört aber auch den weiblichen Zyklus und steht im Verdacht, PMS auszulösen. Die Frage, ob Mönchspfeffer PMS-Beschwerden lindern kann, suchte daher eine Meta-Analyse mit strengen Einschlusskriterien zu klären. (2)

Zwar gibt es bereits viele Forschungsarbeiten zum Thema, allerdings ist nicht immer klar, wie genau das untersuchte Mönchspfeffer-Präparat jeweils hergestellt wurde und auch die Kontrollgruppen sind nicht immer vergleichbar. (3) Um belastbare Aussagen treffen zu können, wurden in die vorliegende Meta-Analyse daher nur randomisierte, doppelt-verblindete sowie Placebo-kontrollierte Studien eingeschlossen, die den eindeutigen Namen der verwendeten Pflanze nennen, die Lösungsmittelextraktion exakt beschreiben und das Droge-Extrakt-Verhältnis angeben. Von 21 in Frage kommenden Arbeiten blieben daher nur drei (4, 5, 6) mit insgesamt 520 Probandinnen übrig.

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Ergebnisse

In allen drei Studien zeigte sich eine Überlegenheit von Mönchspfeffer gegenüber Placebo in der Behandlung von PMS-Beschwerden. Bei Frauen, die die pflanzlichen Präparate eingenommen hatten, war die Wahrscheinlichkeit für ein Nachlassen der Beschwerden über alle Studien gesehen um den Faktor 2,57 höher als für Frauen, die ein Placebo eingenommen hatten. Als signifikant wurde dabei ein Nachlassen von 50, respektive 60% betrachtet. Höhere Dosen zeigten eine bessere Wirkung als niedrigere und das unter der Bezeichnung "Ze 440" bekannte Extrakt eine bessere Wirkung als das mit der Bezeichnung "BNO 1095" (u.a. unterschiedliche Herstellungsverfahren) – wirksamer als Placebo waren die Mönchspfeffer-Präparate allerdings in allen betrachteten Subgruppen.

Einschätzung

Der Mönchspfeffer scheint seinem Ruf als Beeinflusser der Sexualhormone tatsächlich gerecht zu werden und das Potenzial zu besitzen, PMS-Beschwerden zu lindern. Eine Stärke der Meta-Analyse sind sicherlich die strengen Einschlusskriterien, die die Validität der Aussagen erhöhen. Ein wenig schade ist es allerdings, dass von den drei betrachteten Studien zwei vom selben Autoren stammen. Eine größere Datenbasis wäre für die Zukunft wünschenswert, um das Ergebnis zu untermauern.

Literatur zu "Mönchspfeffer bei prämenstruellem Syndrom (PMS)"

(1) Forschergruppe Klostermedizin: Arzneipflanze des Jahres 2022: Mönchspfeffer, Keuschlamm - Vitex agnus-castus. Zugriff am 04.01.2022. Link

(2) Csupor D, Lantos T, Hegyi P, Benkő R, Viola R, Gyöngyi Z, Csécsei P, Tóth B, Vasas A, Márta K, Rostás I, Szentesi A, Matuz M. Vitex agnus-castus in premenstrual syndrome: A meta-analysis of double-blind randomised controlled trials. Complement Ther Med. 2019 Dec;47:102190. doi: 10.1016/j.ctim.2019.08.024. Epub 2019 Aug 30. PMID: 31780016. Link

(3) Verkaik S, Kamperman AM, van Westrhenen R, Schulte PFJ. The treatment of premenstrual syndrome with preparations of Vitex agnus castus: a systematic review and meta-analysis. Am J Obstet Gynecol. 2017 Aug;217(2):150-166. doi: 10.1016/j.ajog.2017.02.028. Epub 2017 Feb 22. PMID: 28237870. Link

(4) Schellenberg R. Treatment for the premenstrual syndrome with agnus castus fruit extract: prospective, randomised, placebo controlled study. BMJ 2001; 322 :134 doi:10.1136/bmj.322.7279.134 Link

(5) He Z, Chen R, Zhou Y, et al. Treatment for premenstrual syndrome with Vitex agnus castus: A prospective, randomized, multi-center placebo controlled study in China. Maturitas. 2009;63(1):99–103. Link

(6) Schellenberg R, Zimmermann C, Drewe J, Hoexter G, Zahner C. Dose-dependent efficacy of the Vitex agnus castus extract Ze 440 in patients suffering from premenstrual syndrome. Phytomedicine. 2012;19(14):1325–1331. Link

Michèl Gehrke, M.A.
Michèl Gehrke, M.A.

Pressesprecher

Telefon: 0201 56 305 61