Komplementäre und
Integrative Medizin
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Es zählt die individuelle Situation des Patienten
40 Jahre Karl und Veronica Carstens-Stiftung

Es zählt die individuelle Situation des Patienten

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Integrative Medizin Homöopathie

40 Jahre Carstens-Stiftung: Dr. Markus Wiesenauer erinnert frühe Vorstandssitzungen im Sommerhaus des Ehepaars Carstens und führt aus, weshalb die Homöopathie auch zu Zeiten der evidenzbasierten Medizin ihren festen Sitz haben muss.

Gerne erinnere ich mich zurück an die beeindruckenden Vorstandssitzungen in Eichen, einem Dorf inmitten der Eifel. Wir trafen uns im Juli oder August im Ferienhaus des Ehepaars Carstens. Das Sommerhaus spiegelte in typischer Weise das Naturell seiner Bewohner wider: Es war bescheiden und nicht extravagant. Von Bäumen umgeben, "potenzierte" es die besondere, sehr harmonische und familiäre Atmosphäre unserer Vorstandssitzungen.

In der Mittagspause vertraten wir uns im Garten die Beine. Zurück im Haus, gehörte zur lieb gewonnenen Gewohnheit, dass Frau Dr. Carstens neben einer Tasse guten Kaffees auch etwas Süßes reichte, was Professor Carstens mit Verweis auf sein Gewicht meist höflich ablehnte.

Es folgte der wichtigste Tagesordnungspunkt der Sitzung: das Begutachten der eingereichten Förderanträge. Obwohl Karl Carstens´ Amtszeit als Bundespräsident bereits abgelaufen war, saßen wir unter Begleitschutz am Tisch und diskutierten mit großem Ernst und wahrhaft harmonisch die eingereichten Projektvorschläge. Der Begleitschutz positionierte sich meist unter dem Tisch. Er legte größten Wert darauf, möglichst alle beschuhten Füße berühren zu können. Es handelte sich um Ben, den Hund des Ehepaars Carstens …

Die Integrative Medizin ist im Aufwind und wird von der Bevölkerung stark nachgefragt. Ist das ein Erfolg, zu dem Sie mit Unterstützung der Carstens-Stiftung beigetragen haben?

Die Carstens-Stiftung leistet durch die vielen geförderten Projekte in Zusammenarbeit mit renommierten Institutionen einen enormen Beitrag. Gemeinsam mit den vielfältigen Aktivitäten ihres Fördervereins Natur und Medizin und anderen Initiativen entstand und entsteht letztlich ein Mosaik. Allmählich ergeben diese einzelnen Bestandteile ein kohärentes Bild.

Um aber auf die Frage zurückzukommen: Ich bin seit 32 Jahren praktizierender Arzt. Letztlich ist nicht von Bedeutung, wer für diesen Aufwind gesorgt hat, denn wesentlich ist allein der Patient. Es war die Internistin Frau Dr. Veronica Carstens, die die Entscheidungsmöglichkeit, die Aktivierungskraft und die Selbstverantwortung des Patienten in den Mittelpunkt gestellt hat. Auch mit Hilfe der digitalen Welt erkennt der Patient nun mehr und mehr, dass seine Rolle im Rahmen des therapeutischen Settings, insbesondere im Arzt-Patienten-Dialog, keine passive sein sollte, sondern dass er sich aktiv um seine Gesundung beziehungsweise Gesunderhaltung kümmern muss. In diesem Zusammenhang hat auch der KVC Verlag mit seinen vielen großartigen Selbsthilfe-Ratgebern einen wichtigen Beitrag geleistet.

Dr. Markus Wiesenauer 2004 mit Professor Andreas Michalsen und Frau Professorin Claudia Witt während des Projektleitersymposiums auf der Burg Reisensburg. Quelle: Archiv der Carstens-Stiftung
Dr. Markus Wiesenauer 2004 mit Professor Andreas Michalsen und Frau Professorin Claudia Witt auf der Burg Reisensburg. Quelle: Archiv der Carstens-Stiftung

Und wie geht es jetzt weiter?

Arzt und Patient müssen miteinander kommunizieren in einer Sprache, die Diagnosen verständlich und Therapien sinnvoll machen. Das ist die Basis. Hinzu kommt die Aktivierung des Patienten. Gerade die Integrative Medizin mit ihren medikamentösen und nicht-medikamentösen Ansätzen bezieht diese Aktivität mit ein. Im Dialog mit der Bevölkerung wird es wichtig sein, auf die Sachebene zurückzufinden und nicht allein auf die eigenen Interessen zu blicken. Nehmen wir das meines Erachtens etwas überstrapazierte Schlagwort Evidenzbasierte Medizin. Externe Evidenz ist wichtig, aber eine klinisch kontrollierte Studie bildet beileibe noch nicht die Praxisrealität ab. Hinweise in Leitlinien sollten als Orientierungslinien angesehen werden, das ist wichtig, aber ich kann auf der Autobahn auch einmal die linke Spur benutzen. Gar ist ein Spurwechsel innerhalb der Leitplanken manchmal nicht nur möglich, sondern notwendig.

Und hier sind wir bei weiteren modernen Ansichten: Dem sehr vernünftigen Ruf nach multimodalen Therapiekonzepten beispielsweise oder dem Ruf nach personalisierter Medizin. Allein in dieser Begrifflichkeit kommt zum Ausdruck, was die Homöopathie, mein Lieblingskind, schon immer gesagt hat: Die individuelle Situation des Patienten zählt, und nicht allein die Frage, wie viele Studien es dazu gibt.

Wir sehen: Der Arzt und die Ärztin der Zukunft muss beide Sprachen sprechen, die der Schulmedizin und die der Naturheilkunde und Homöopathie. Wir nennen dies mittlerweile Integrative Medizin – das ist die Medizin der Zukunft.

Auch die Homöopathie feiert Geburtstag

Abschließend möchte ich anmerken, dass es in diesem Jahr noch einem zweiten Jubilar zu gratulieren gilt, denn die Homöopathie wird 225 Jahre alt! Abgesehen von der Phytotherapie gibt es keine medikamentatöse Behandlungsmethode, die ihre Wirksamkeit über einen derart langen Zeitraum empirisch dokumentieren kann, und zwar über alle Kulturkreise hinweg.

In diesem Sinne gratuliere ich sehr gerne zum Jubiläum und schließe mit Samuel Hahnemann, dem Begründer der Homöopathie:

Wer heilt, hat Recht.

Damit mehr Menschen ganz selbstverständlich in den Genuss seriöser integrativ-medizinischer Behandlungen kommen können, brauchen wir Ihre Unterstützung.

Helfen Sie bitte mit!

Karl und Veronica Carstens-Stiftung
Redaktion Carstens-Stiftung

Neben freien Autoren besteht unsere Redaktion vor allem aus den festen Redakteuren Michèl Gehrke M.A. (Pressesprecher), Ines Bergfort sowie Ingo Munz (Digital PR, SEO).