Husten: Warum mit Kanonen auf Spatzen schießen?

Rubrik: Studien kurz und knapp

Warum mit Kanonen auf Spatzen schießen?

Laut Studie helfen bei Erkältung pflanzliche Mittel oft besser als Ibuprofen® und Co.: Bei akuten und chronischen Infektionen der Atemwege muss man nicht sofort zur Chemiekeule zu greifen, denn pflanzliche Mittel sind hinsichtlich ihrer klinischen Evidenz mittlerweile ebenso gut etabliert wie ihre chemischen Pendants, verursachen jedoch weniger Nebenwirkungen. Eine Überblicksarbeit informiert über die wichtigsten geprüften Phytopharmazeutika für Atemwegserkrankungen.

In einer kürzlich im renommierten BMJ veröffentlichten randomisierten Studie erwies sich die Einnahme von Ibuprofen® zur Behandlung von akuten Atemwegsinfekten als wirkungslos – im Übrigen ebenso wie die beliebte Dampfinhalation.[1] Im Gegenteil, die Symptome verschlimmerten sich unter der Einnahme von Ibuprofen® noch.

Welche Möglichkeiten der Behandlung von Infektionen der oberen Atemwege mit klinisch wirksamen pflanzlichen und anderen natürlichen Mitteln bestehen, zeigt eine Überblicksarbeit.[2]
So haben sich bei akuter und chronischer Rhinosinusitis insbesondere Kombinationspräparate als wirksam erwiesen, die Menthol, Campher und Cineol enthalten (wie z.B. in GeloMyrtol®). Auch ein Pflanzengemisch aus Schwarzem Holunder, Wiesen-Sauerampfer, Schlüsselblume, Eisenkraut und Gelbem Enzian konnte sich in klinischen Studien als Mittel mit sekretolytischer Wirkung beweisen (Sinupret®). Eine Metaanalyse konnte zeigen, dass dieses Kombi-Präparat herkömmlichen Ambroxol- und N-Acetylhaltigen Mitteln überlegen war. Nasenspülungen mit Salzwasser oder Kamille unterstützen den Genesungsprozess.

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Akute Halsschmerzen lassen sich gut durch Gurgellösungen behandeln, die Salbei, Thymian oder Kamille enthalten. Pflanzliche Wirkstoffe in Lutschpastillen wie z.B. in Imupret® Dragees haben sich als antientzündlich und immunstimulierend erwiesen. Senföle in Pflanzen wie in Kapuzinerkresse und Meerrettich erwiesen sich in Studien sogar als antibakteriell wirksam: Angocin® nutzt beispielsweise die synergistischen Effekte beider Pflanzen. Erfahrungswerte zeigen, dass Pflanzen wie die Ringelblume und die Kapland-Pelargonie ebenso geeignet sind, Halsschmerzen zu behandeln, nur liegen bisher noch nicht ausreichend klinische Daten vor.

Ein Extrakt aus der Weidenrinde wirkt ähnlich antientzündlich wie Acetylsalicylsäure und trägt zur Fiebersenkung bei. Fiebersenkung kann ebenfalls durch Schwarzen Holunder (Sambucus nigra) und Lindenblüten (Tilia platyphyllus) erreicht werden, zumeist als Tee oder Sirup verabreicht.

Die verschiedenen Krankheitsstadien des Hustens lassen sich durch diverse Phytopharmaka behandeln. Bei trockenem Husten erwiesen sich Eibisch, Spitzwegerich und Isländisches Moos als wirksam, bei Husten mit vermehrtem Auswurf und starker Verschleimung wie bei der Bronchitis sind Pflanzen wie Primel, Thymian, Efeu oder die Großblütige Königskerze erfolgreich. Mehrere Studien zeigten, dass Efeuextrakt (wie in Prospan®) und eine Kombination aus Primelwurzel und Thymianextrakt (wie Bronchipret®) den herkömmlichen Hustenlösern N-Acetylcystein und Ambroxol ebenbürtig bzw. überlegen waren. Die begleitende Inhalation essentieller Minzöle kann zur Linderung der Symptome beitragen.

Um das Immunsystem zu stärken, sei es zur Verhinderung eines Atemwegsinfekts oder zur Unterstützung des Genesungsprozesses im Falle eines Infekts, kann eine höchstens achtwöchige Kur mit Echinacea-Präparaten empfohlen werden. Diverse Studien zu Echinacea liefern eine Menge Daten, die aber teils widersprüchlich sind. Dennoch verteidigt der Rote Sonnenhut immer noch den ersten Platz, wenn es um Immunstärkung geht. Weitere immunmodulierende Inhaltsstoffe sind in Thuja, Wasserdost, Wilder Indigo, Lindenblüten, Holunderblüten, Kamille, Mädesüß und Pelargoniumwurzel enthalten.

Einschätzung:

Die Überblicksarbeit kann natürlich nicht die Nuancen einzelner Erkenntnisse aus der Forschung zu Phytotherapeutika in der Behandlung von Infekten der oberen Atemwege aufzeigen, liefert aber einen guten und umfassenden Überblick über jene Pflanzen, die in diesem Kontext intensiv untersucht worden sind. Hinsichtlich eines sorgfältigen Einsatzes durch den Arzt, unter anderem bei Patienten mit Chemo- oder Antibiotikaresistenzen, aber auch zur begleitenden Behandlung eindeutiger Symptome, dient eine solche Übersicht als gute, kompakte Hilfestellung.

Little P, Moore M, Kelly J, Williamson I, Leydon G, McDermott, L, Mullee M, Stuart B. Ibuprofen, paracetamol, and steam for patients with respiratory tract infections in primary care: pragmatic randomised factorial trial. BMJ 2013; 347: doi:10.1136/bmj.f6041 Opens external link in new windowAbstract

Ciuman RR. Phytotherapeutic and naturopathic adjuvant therapies in otorhinolaryngology. Eur Arch Otorhinolaryngol 2012; 269: 389-397 Opens external link in new windowAbstract

Daniela Hacke

Daniela Hacke, M.A.
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