Carstens-Stiftung: Akupressur wirkt bei Geburtsschmerz.

Studien kurz und knapp

Vor dem Pressen Punkte pressen, aber welche?

Akupressur hat sich in der Geburtshilfe als nicht-pharmakologische Methode zur Schmerzbekämpfung bewährt. Ob es hinsichtlich der Wirksamkeit einen Unterschied zwischen der Stimulation eines lokalen oder distalen Punktes gibt, wurde in einer klinischen Studie an Erstgebärenden untersucht.

Frauen erleben während der Geburt eines Kindes mehr oder weniger starke Schmerzen, deren medikamentöse Behandlung mit unerwünschten Wirkungen verbunden sein kann. Akupressur hingegen ist eine nicht-invasive und nebenwirkungsarme Behandlungsmethode, deren effektiver Einsatz in der Geburtshilfe bereits in zahlreichen klinischen Studien beschrieben wurde. Verschiedene Akupressurpunkte können zu diesem Zweck stimuliert werden. Man unterscheidet lokale Punkte, die im unmittelbaren Bereich der Schmerzentstehung liegen, und distale Punkte, die sich in einem Körperbereich jenseits der Schmerzregion befinden.

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In der vorliegenden Studie [1] wurden 105 erstgebärende Frauen nach dem Zufallsprinzip drei Behandlungsgruppen zugeordnet 1) Akupressur am lokalen Punkt BL32 + Standardversorgung,  2) Akupressur am distalen Punkt LI 4 (He Gu) +  Standardversorgung, 3) Standardversorgung. Die Punktstimulation wurde jeweils während sechs Uteruskontraktionen in den folgenden drei verschiedenen Dilatationsphasen durchgeführt: Öffnung des Muttermundes 4-5 cm, 6-7 cm und 8-10 cm. Jeweils vor und nach der Intervention wurde die Schmerzstärke registriert. Als sekundäre Ergebnisparameter wurde die Geburtsart (Spontangeburt, Kaiserschnitt), der Apgar-Score des Neugeborenen, die Zufriedenheit der Frauen mit der angewendeten Behandlung sowie ihre Einstufung der Schmerzintensität im Rückblick auf die Entbindung erfasst.


In den ersten zwei Dilatationsphasen bewirkte die Akupressur an beiden Punkten eine signifikante Schmerzlinderung im Vergleich vor und nach der Behandlung sowie im Vergleich mit der Kontrollgruppe. Der lokale Punkt BL 32 reduzierte die Schmerzen noch wirksamer als der distale Punkt LI 4. In der dritten Phase (8-10 cm) war die Schmerzlinderung durch die Akupressur im Vergleich vor- und nachher nicht mehr, jedoch im Vergleich mit der Kontrollgruppe noch immer statistisch signifikant. Nach der Geburt stuften die Frauen der Akupressur-Gruppen die empfundenen Schmerzen geringer ein als die Frauen der Kontrollgruppe; zwischen den beiden Akupressur-Gruppen bestand jedoch kein Unterschied.
Hinsichtlich der Häufigkeit von Kaiserschnitten und den gemessenen Apgar-Score-Werten zeigten sich keinerlei Unterschiede zwischen den drei Gruppen.

Einschätzung:

Diese Studie unterstreicht die lindernde Wirkung von Akupressur im Einsatz gegen Geburtsschmerz und ebenso deren gute Verträglichkeit, wie sie bereits in früheren Publikationen [2,3] dokumentiert wurde. Eine eindeutige Klärung der Frage, ob die Stimulation lokaler oder distaler Akupressurpunkte unterschiedliche Wirksamkeit zeigt, kann die Arbeit jedoch noch nicht liefern. Zwar wurden entsprechende Unterschiede für die ersten beiden Dilatationsphasen dokumentiert, jedoch bleibt offen, ob die stärkere Wirkung des lokalen Punktes auf seine Nähe zum Schmerzgeschehen beruht oder darauf, dass beide BL 32-Punkte (bilateral) gepresst wurden, LI 4 jedoch nur unilateral (rechte Hand).

Literatur

1) Ozgoli G, Sedigh S, Heshmat R, Majd HA, Sheikhan Z. Effect of LI4 and BL 32 acupressure on labor pain and delivery outcome in the first stage of labor in primiparous women: A randomized controlled trial. Compl Ther Med 2016; 29: 175-180. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

2) Akbarzadeh M, Masoudi Z, Hadianfard MJ, Kasraeian M, Zare N. Comparison of the effects of maternal supportive care and acupressure (BL 32 acupoint) on pregnant women’s pain intensity and delivery outcome. J Pregnancy 2014; 2014: 129208. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

3) Hamidzadeh A, Shahpourian F, Orak RJ, Montazeri AS, Khosravi A. Effects of LI4 acupressure on labor pain in the first stage of labor. J Midwifery Womens Health 2012; 57(2): 133-138. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

Petra Koczy

Petra Koczy, Dipl.-Biol.
Fachbereich Bibliothek | Informationsmanagement

Telefon: 0201 56 305 0
E-Mail: Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-Mailp.koczy@carstens-stiftung.de


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