Carstens-Stiftung: Tuina-Massage lockert den chronisch verspannten Nacken

Rubrik: Studien kurz und knapp

Tuina-Massage lockert den chronisch verspannten Nacken

Bei chronischen Nackenschmerzen erweist sich eine über drei Wochen durchgeführte Tuina-Massage als effektive, kostengünstige Maßnahme – zumindest im Vergleich mit keiner Behandlung.

Tuina bezeichnet eine spezielle Massagetechnik in der Traditionellen Chinesischen Medizin, bei der die Körperoberfläche nach einer eingehenden ganzheitlichen Diagnose nach dem Konzept der Chinesischen Medizin unter Berücksichtigung des Meridiansystems und der Akupunkturpunkte stimuliert wird. Als energetische Massage dient sie auch dazu die Qi- und Blutzirkulation anzuregen. Anders als bei westlichen Massagemethoden wird Tuina bei einem breiteren Spektrum an Krankheiten eingesetzt. Außerdem verfügt sie über mehr als 300 verschiedene Grifftechniken. Zunehmend wird die Tuina-Massage im westlichen Raum bei Beschwerden des oberen oder unteren Rückens angewandt.

Wissenschaftler der Charité - Universitätsmedizin Berlin untersuchten deshalb kürzlich die Effektivität und Kosteneffizienz dieser speziellen chinesischen Massagetechnik bei Patienten mit chronischen Nackenschmerzen. Insgesamt 92 Studienteilnehmer erhielten nach dem Zufallsprinzip entweder sechs je 30-minütige Tuina-Behandlungen über einen Zeitraum von drei Wochen, durchgeführt von einem Physiotherapeuten mit einer zweijährigen Tuina-Ausbildung, oder aber keine Behandlung. In beiden Gruppen waren begleitende Maßnahmen wie Schmerzmedikation, Wärme- oder Kälteanwendungen sowie andere physikalische Maßnahmen wie Übungen zur Lockerung der Nackenmuskulatur erlaubt. Andere, das Ergebnis möglicherweise beeinflussende Therapieverfahren wie Akupunktur, Entspannungsübungen oder Sporttherapie waren hingegen untersagt.

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Der primäre Endpunkt in Form der gemittelten Nackenschmerzintensität wurde sieben Tage vor sowie vier Wochen nach Studienbeginn mittels einer visuellen Analogskala von 1 bis 100 gemessen. Die sekundären Endpunkte bestanden in der Erhebung der Beweglichkeit im Nackenbereich, der Lebensqualität, dem Gebrauch von Schmerzmedikamenten sowie der Kosteneffektivität, die jeweils nach vier und zwölf Wochen nach Beginn der Studie mittels standardisierter Fragebögen gemessen wurden. Außerdem wurden eventuelle Nebenwirkungen erfasst. Sowohl nach vier als auch während des Follow-Up-Erfassungspunktes nach zwölf Wochen erwies sich die Tuina-Behandlung im Vergleich mit keiner Behandlung hinsichtlich der Schmerzreduktion als statistisch signifikant wirksam. Auch auf den Ebenen der physischen Lebensqualität und Funktionalität im Bereich der Nackenregion zeigte sich die Tuina-Anwendung zu beiden Erfassungspunkten keiner Behandlung als überlegen. Die Einnahme von Schmerzmitteln, die Selbstwirksamkeitserwartung (Vertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit trotz Beschwerden) sowie das psychische Wohlbefinden glichen sich jedoch nach zwölf Wochen in beiden Gruppen wieder an. Ernste unerwünschte Ereignisse traten nicht auf.
Die unter Einbeziehung der QALY-Methode (engl. Quality-adjusted life year, dt. Qualitätskorrigiertes Lebensjahr) zur Bewertung eines Lebensjahrs in Relation zur Gesundheit ermittelten Therapiekosten pro Patient waren in beiden Gruppen vergleichbar hoch.

Einschätzung:

Die in der in der vorliegenden Studie erzielten Ergebnisse deuten hinsichtlich Wirksamkeit und Kosteneffizienz auf eine klinische Relevanz der Verwendung der Tuina-Massage in der Behandlung von Patienten mit chronischen Nackenschmerzen hin. Generalisierbar sind sie dennoch nicht, denn mehr als zwei Drittel der inkludierten Teilnehmer bestand aus weiblichen Patienten. Außerdem könnte das Resultat durch die Tatsache, dass die Patienten in der Tuina-Gruppe mehr Aufmerksamkeit als die unbehandelten Studienteilnehmer erhielten und diese somit der Therapie eine positive Erwartung entgegenbrachten, verfälscht worden sein. In weiteren Studien sollte demnach eine aktive Therapie als Kontrolle gewählt werden, womit auch ein direkter Kostenvergleich mit einer anderen relevanten Behandlungsmaßnahme möglich wäre. Außerdem wäre die Durchführung an mehreren Zentren unter Einbeziehung mehrerer Therapeuten sowie ein ausgewogene Geschlechterverteilung bei den Studienteilnehmern zu erwägen.

Literatur

1) Pach D, Piper M, Lotz F, Reinhold T, Dombrowski M, Chang Y, Liu B, Blödt S, Rotter G, Icke K, Witt CM. Effectiveness and cost-effectiveness of Tuina for chronic neck pain: a randomized controlled trial comparing Tuina with a no-intervention waiting list. J Altern Complement Med 2018; 24(3): 231-237 Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

Daniela Hacke

Daniela Hacke, M.A.
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