Carstens-Stiftung: Trockenes Auge: Elektroakupressur kann helfen

Studien kurz und knapp

Trockenes Auge: Elektroakupressur kann helfen

Durch elektrische Stimulation von Akupressurpunkten am Ohr kann sich die Symptomatik von Patienten mit Sicca-Syndrom (Trockenes Auge) deutlich verbessern, wie eine Studie zeigt.

Bei zwei von zehn Patienten, die den Augenarzt aufsuchen, wird das Sicca- bzw. Sjögren-Syndrom, besser bekannt als Trockenes Auge, diagnostiziert. Im Rahmen der Standardtherapie werden vom Arzt sog. Tränenersatzmittel, Punctum Plugs zum temporären Verschluss der Tränendrüsen, Ciclosporin- oder Kortisontropfen eingesetzt, die jedoch zum Teil mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden sind. Auf der nichtmedikamentösen Ebene erwies sich in vergangenen Studien insbesondere Akupunktur in der Behandlung des Trockenen Auges als effektive, den Tränenersatzmitteln überlegene und überdies noch nebenwirkungsfreie Therapieoption. [1] Neben der klassischen Akupunktur zeigte sich auch die Methode der Elektroakupressur zur Besserung der Symptomatik bei Trockenem Auge als wirksam. Elektroakupressur erfordert hinsichtlich der Nadelplatzierung im Vergleich mit der klassischen Nadeltechnik weniger Präzision und könnte somit die Chance des Therapieerfolgs erhöhen. Diesen Vorteil nutzten koreanische Wissenschaftler und führten eine Studie durch, die die Wirksamkeit der Elektroakupressur an Meisterpunkten am Ohr bei Patienten mit Trockenem Auge untersuchte. [2]

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Im Rahmen der Studie wurden 100 seit mindestens 6 Monaten unter dem Sicca-Syndrom leidende Patienten mit einer Tränenfilmaufreißzeit (TAZ) von unter 5 Sekunden und Schirmer-Test-Werten von unter 5 Millimeter rekrutiert und nach dem Zufallsprinzip der Elektroakupressur-Gruppe oder der Kontrollgruppe zugeteilt, deren Patienten ebenfalls Akupressur an Punkten am Ohr, jedoch ohne Verwendung elektrischer Stimulation erhielt. Zwei Mal wöchentlich über einen Zeitraum von vier Wochen wurden die Studienteilnehmer von einem speziell für die Studie in Ohrakupressur geschulten Augenarzt an vier Meisterpunkten am Ohr behandelt: Shenmen (TF 4), Nullpunkt (H 1), Leber (CO 12) und an dem für den Sehsinn zentralen Punkt Augen (L 5). Die Elektroakupressur wurde in einer Niedrigfrequenz von 1 Hz und mittels biphasisch applizierten Konstantstroms von 2 mA für 30 Sekunden pro Punkt durchgeführt. Die Patienten wurden als einzige im Unklaren über die Art der Behandlung gelassen. Zu Beginn, eine Woche und drei Monate nach der Behandlungssequenz wurden Ergebnismessungen vorgenommen. Als primäre Endpunkte definierten die Wissenschaftler Veränderungen in den Werten der Tränenfilmaufreißzeit und des Schirmer-Tests (zur Überprüfung der Tränenbildung) sowie die Entwicklung von fünf krankheitsbedingten Symptomen (Fremdkörpergefühl im Auge, Rötung, Brennen, Lichtempfindlichkeit und leichter Schmerz). Diese wurden von den Patienten auf einer 3-Punkte-Skala dokumentiert. Die sekundären Endpunkte bestanden in der Quote des therapeutischen Gesamteffekts und dem Auftreten von unerwünschten Wirkungen.

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Nach einer der achtwöchigen Therapiephase folgenden Woche beobachteten die Wissenschaftler eine klinisch signifikante Besserung sowohl der Testwerte als auch der subjektiv wahrgenommenen Beschwerden. Auch im Vergleich mit der Kontrollgruppe konnten deutlich bessere Werte durch die Behandlung mit Elektroakupressur erzielt werden, die sich im Vergleich zur ersten Messung nach drei Monaten verbesserten. So verringerten sich die von den Patienten dokumentierten Beschwerden um 0,92 Punkte von 2,18 auf 1,26 Punkte auf der 3-Punkte-Symptomskala; in der Kontrollgruppe sanken die Werte lediglich um 0,14 Punkte von 2,24 auf 2,10 Punkte. Die Messungen der Tränenfilmaufreißzeit ergaben im Test nach drei Monaten eine Besserung um 3,07 Punkte, die mithilfe des Schirmer-Tests ermittelten Werte besserten sich um 3,21 Millimeter. Die Gesamteffektivität der eingesetzten Behandlung in der Therapiegruppe betrug 82 %, in der Kontrollgruppe waren es lediglich 14 %. Über unerwünschte Wirkungen wurde von keinem der Studienteilnehmer berichtet.

Einschätzung:

Angesichts des Risikos unerwünschter Wirkungen beim Einsatz von Standardtherapien bieten sich nicht-medikamentöse Verfahren wie die in dieser Studie untersuchte, gut verträgliche Elektroakupressur als Therapieoption bei Trockenem Auge an. Im Gegensatz zur klassischen Akupunkturbehandlung erweist sich dieses Verfahren zudem als weitaus weniger fehleranfällig, da die Anwendung in punkto Nadeltechnik weniger Präzision erfordert. Erstmals wurden in einer Studie mit Sicca-Syndrom-Patienten Punkte am Ohr gewählt, was die Frage aufwirft, ob die in der Studie erzielten Effekte auch durch die elektrische Stimulation von relevanten Akupressurpunkten in anderen Körperarealen wiederholt werden könnten. Möglicherweise wäre auch der Vergleich mit klassischer Akupunktur oder anderen nicht-medikamentösen Verfahren für zukünftige Studien in Erwägung zu ziehen, um die Relevanz einzelner Verfahren für die Therapiepraxis zu festzustellen.

Neben der Akupunktur und Akupressur bieten sich noch weitere Maßnahmen an, die betroffene Patienten zum Teil auch selbst durchführen können, wie z.B. regelmäßige Lidrandpflege und -massage, Schutz vor UV-Licht und Zugluft, eine ausgewogene Ernährung (mit viel Lutein, Omega-3-Fettsäuren und Vitamin A), eine thermodynamische Therapie (Wärmekompressen, Wärme- und Feuchtigkeitsbrillen etc.) und Entspannungsübungen für die Augen.

Literatur

1) Kim BH, Kim MH, Kang SH, Nam HJ. Optimizing acupuncture treatment for dry eye syndrome: a systematic review. BMC Complement Altern Med j2018; 18: 145 Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

2) Lee JS et al. Electrical stimulation of auricular acupressure for dry eye: a randomized controlled-clinical trial. Chin J Integr Med 2017; 23(11): 822-828 Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

Daniela Hacke

Daniela Hacke, M.A.
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(Veronica Carstens)