Carstens-Stiftung: Tiergestützte Therapie ist (tierisch) gut für Demenzpatienten

Studien kurz und knapp

Tiergestützte Therapie ist (tierisch) gut für Demenzpatienten

Der Kontakt mit ausgebildeten Therapiehunden, aber auch Tieren wie Katzen, Pferde und sogar Fische im Aquarium, kann Verhaltensauffälligkeiten und psychische Symptome demenzkranker Patienten in Pflegeeinrichtungen verbessern, wie eine systematische Übersichtsarbeit nun zeigt.

Tiere als Medium in der Therapie sind kein Novum: Bisherige Erkenntnisse aus der Forschung auf dem Gebiet der tiergestützten Therapieverfahren unterstützen dieses in der Praxis vermehrt angewandte Behandlungskonzept. Insbesondere trägt die Arbeit mit Therapie-Tieren am Patienten unter Anleitung ausgebildeter Fachkräfte zur Linderung psychischer und neurologischer Erkrankungen sowie krankheitsbedingter Verhaltensauffälligkeiten bei, wie vergangene Analysen vorhandener Forschung auf diesem Gebiet bestätigen. [1,2] Im Fokus der Forschung stand unter anderem auch die Behandlung verhaltensspezifischer und psychischer Symptome bei demenzkranken Patienten mittels therapeutisch eingesetzter Tiere. Mindestens 90 Prozent der an mittlerer oder schwerer Demenz leidenden Betroffenen zeigen vermehrte Aggressivität, agitiertes und obsessives Verhalten, nächtliches Umherwandern, depressive Verstimmungen und/oder Anorexie.

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Naturheilverfahren und Ordnungstherapie – Vorbeugung, Linderung von Symptomen und Steigerung der Lebensqualität.

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Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit fasst nun die Evidenz tiergestützter Interventionen im Kontext mit dem Verhalten und den psychischen Beschwerden von Demenzpatienten in Pflegeeinrichtungen zusammen. [3] Von anfänglich 204 ermittelten Artikeln wurden 32 als relevant befundene Studien in die Übersichtsarbeit inkludiert. Die Autoren berücksichtigten Studien aus acht Ländern, die meisten davon in den USA angesiedelt. Hinsichtlich des Studiendesigns wurden keine Einschränkungen vorgenommen, so dass sowohl randomisierte als auch quasi-experimentelle und qualitative Studien Eingang in die Übersichtsarbeit fanden. Alle inkludierten Studien wurden in spezialisierten Pflegeeinrichtungen, Memory-Kliniken oder geriatrischen Krankenhausabteilungen durchgeführt. Über den Schweregrad der jeweiligen Demenzfälle konnten die Autoren nur bedingt Auskunft geben, da dieser nur in 13 Studien erhoben wurde. Allen Studien gemein war die geringe Anzahl der Probanden. Während in der größten Studie 100 Patienten eingeschlossen waren, wies die kleinste Studie nur vier Studienteilnehmer auf.

KVC Verlag: Forschungsplattform Demenz

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Ergebnisse eines Expertentreffens zu Präventions-, Therapie- und Versorgungsstrategien.

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In fast allen Studien kamen Therapie-Hunde zum Einsatz, die übrigen fünf Studien verwendeten Katzen, Pferde oder Aquarien mit Fischen als Intervention. Die Dauer des Kontakts mit den Tieren variierte sehr stark zwischen den Studien. Der kürzeste Kontakt bestand in drei jeweils 10-minütigen Sitzungen mit Katzen, der längste Therapiezeitraum erstreckte sich über zwei Jahre und beinhaltete jeweils zwei zweimonatlich stattfindende Interaktionen zwischen Mensch und Therapiehund. Auf der Ebene der untersuchten Symptome stellten agitiertes und/oder aggressives Verhalten die mit 15 Studien meistuntersuchten Symptome dar. In neun der Studien konnte ein statistisch signifikanter Rückgang dieser Symptome durch die tiergestützte Therapie beobachtet werden. Primär kamen hier Hunde zum Einsatz. Eine Studie untersuchte lediglich in den Abendstunden auftretendes agitiertes Verhalten ("Sundowning"-Syndrom), welches ebenfalls signifikant reduziert werden konnte. In den restlichen fünf Studien konnte keine deutliche Verbesserung des untersuchten Verhaltens erzielt werden.

Spezifika bzgl. des Sozialverhaltens wie z.B. körperlicher Kontakt, Augenkontakt, verbale oder nonverbale Interaktionsmerkmale (Mimik, Gesten, Körpersprache, Sprechen) mit Personen oder Tieren wurden in zwölf Studien untersucht. Lediglich eine Studie mit Therapie-Hunden fand keine wesentlichen Unterschiede zwischen der Interventions- und Kontrollgruppe. Die Mehrzahl der Studien verzeichnete eine signifikante Verbesserung des sozialen und kommunikativen Verhaltens der untersuchten Patienten.
Neun Studien erhoben den Einfluss von Therapie-Hunden auf den Gemütszustand der Demenzpatienten, der von gelegentlichen Stimmungsschwankungen bis hin zur schweren Depression reichte. Hier zeigten sich die erzielten Ergebnisse als eher heterogen. In einigen Studien konnte eine signifikante Verbesserung des Gemütszustands, aber nicht der depressiven Verstimmung erreicht werden, andere Studien verzeichneten eine deutliche Besserung der depressiven Symptome. In einer Studie verschlechterten sich die Symptome sogar.

Moderner Lebensstil und Demenzrisiko

Moderner Lebensstil und Demenzrisiko

Martin Loef hat in seiner empirischen Doktorarbeit die vielfältigen Dimensionen des Lebensstils und ihre Auswirkungen auf die Demenz untersucht. Durch sorgfältige Auswertungen und eine fundierte Diskussion der Determinanten kommt er dabei einem lebensstilbasierten Programm zur Vorbeugung der Demenz sehr nahe.

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Die Lebensqualität war in vier Studien Gegenstand der Untersuchung. Lediglich in einer Studie fand diesbezüglich keine wesentliche Verbesserung durch die tiergestützte Maßnahme statt.
Auf der Ebene der physischen Aktivität resultierten beide relevanten Studien in einer Erhöhung des Aktivitätslevels durch die Beschäftigung mit Pferden und Hunden. Die Patienten der Kontrollgruppen, die andere Aktivitäten wie gemeinsames Singen und Handwerken praktizierten, waren dementsprechend weniger körperlich aktiv. Die Nahrungsaufnahme und die damit anvisierte Gewichtszunahme konnte in der einzigen Studie mit diesem primären Zielparameter durch die Anwesenheit eines Fischaquariums im Essbereich nicht erhöht werden. Leider wurde dieser Parameter in den anderen Studien nicht berücksichtigt, so dass keine Aussage darüber getroffen werden kann.

Einschätzung:

Die Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass der Einsatz tiergestützter Maßnahmen eine lohnenswerte Therapieoption zur Verbesserung verhaltensspezifischer und psychischer Symptome demenzkranker Patienten darstellen kann. Möglicherweise ist für manche Demenzpatienten der Aufbau einer Beziehung zu einem Tier einfacher als zu einem Menschen. Außerdem nimmt man an, dass der demenzielle Mensch eine Re-Orientierung hinsichtlich des zeitlichen und räumlichen Empfindens durch den Umgang mit Therapietieren erfährt. Insbesondere Hunde werden gern eingesetzt, da sie den betroffenen Patienten nach einer angemessenen Ausbildung zu mehr Aktivität und einem verbesserten Sozialverhalten verhelfen und das zunehmend gestresste Pflegepersonal sowie betroffene Angehörige entlasten können, indem sie Angstzustände und agitiertes Verhalten, aber auch Schmerz und depressive Verstimmungen mindern.

Einschränkungen im Einsatz tiergestützter Therapien sind jedoch zu berücksichtigen, wenn Demenzpatienten eine Tierhaarallergie aufweisen oder eine Aversion bzw. ängstliches Verhalten gegenüber den eingesetzten Tieren zeigen. Studien aus dem Bereich der Robotik greifen diese Thematik auf. Nicht nur sogenannte "humane" Pflegeroboter, sondern auch Tierroboter stehen derzeit im Interesse der Forschung. So werden zunehmend Robotertiere als Ersatz für lebende Tiere auf ihre Eignung als Pflegemaßnahme körperlich und geistig eingeschränkter Menschen untersucht, wie z.B. die Roboterrobbe PARO, die unter anderem auch in der Therapie demenzkranker Menschen zum Einsatz kommt. [4] Die ethische Plausibilität des therapeutischen Einsatzes von interaktiven Kuschelrobotern wie PARO (Robbe), AIBO (Hund), CuDDler (Eisbär), Nabaztag (Hase) und NeCoRo oder JustoCat (Katze) ist jedoch umstritten, da trotz höherer Praktikabilität, niedrigerer Kosten und Vorteile bzgl. des Schutzes lebender Therapietiere eine Verarmung und Stereotypisierung des Sozialverhaltens der Patienten befürchtet wird. [5]

Was die Evidenz der tiergestützten Therapie bei Demenzpatienten betrifft, so kann es auf der Grundlage der vorliegenden systematischen Übersichtsarbeit keine eindeutige Empfehlung für eine Anwendung geben. Für die Etablierung tiergestützter Maßnahmen in der Pflege demenzkranker Menschen fehlt es bisher noch an randomisierten Studien, die höhere Patientenzahlen, einheitliche Messparameter sowie eine eindeutigere Differenzierung der Erkrankungsgrade aufweisen. Da jedoch bisher gute Erfahrungen im Praxisalltag gesammelt werden konnten, könnte der Einsatz von Therapie-Tieren in Begleitung ausgebildeter Fachkräfte in der Pflege von Demenzpatienten ein vielversprechendes Behandlungskonzept krankheitsspezifischer Symptome darstellen.

Literatur

1) Nimer J, Lundahl B. Animal-assisted therapy: a meta-analysis. Anthrozoos 2007; 20: 225-238 Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

2) Kamioka H, Okada S, Tsutani K, Park H, Okuizumi H, Handa S, Oshio T, Park S-J, Kitayuguchi J, Abe T, Honda T, Mutoh Y. Effectiveness of animal-assisted therapy: a systematic review of randomized controlled trials. Complement Ther Med 2014; 22: 371-390 Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

3) Yakimicki ML, Edwards NE, Richards E, Beck AM. Animal-assisted intervention and dementia: a systematic review. Clin Nurs Res 2018; epub ahead of print Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

4) Petersen S, Houstan S, Qin H, Tague C, Studley J. The utilization of robotic pets in dementia care. J Alzheimer’s Dis 2017; 55: 569-574 Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

5) Preuß D, Legal F. Living with the animals: animal or robotic companions for the elderly in smart homes? J Med Ethics 2017; 43: 407-410 Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

Daniela Hacke

Daniela Hacke, M.A.
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(Veronica Carstens)