Rubrik: CAM-News

Science meets Homoeopathy: Kann wirken, was nicht wirken darf?

Nachlese zur internationalen Tagung in Berlin

Im Februar 2015 trafen sich ca. 50 Homöopathieinteressierte unterschiedlichster Couleur in der Berliner Urania, um über Theorien, Grundlagenforschung, klinische Studien und Kasuistiken zu diskutieren.

Im Februar 2015 trafen sich auf Einladung der Ärztin Dr. med. Irene Schlingensiepen und des Journalisten Mark-Alexander Brysch ca. 50 Homöopathieinteressierte unterschiedlichster Couleur in der Berliner Urania, um über Theorien, Grundlagenforschung, klinische Studien und Kasuistiken zu diskutieren.

Die Vorträge spannten einen weiten Bogen von der Physik bis hin zur Psychiatrie. So stellte etwa der Physiker Prof. Dr. Hartmann Römer sein Konzept der Verallgemeinerten Quantentheorie vor: Mit dieser unternimmt er, Begriffe aus der Quantenmechanik zu verallgemeinern, um Phänomene der Alltagswelt besser verstehbar zu machen. So sollen etwa Konzepte wie Komplementarität oder Verschränkung, die aus der Welt der subatomaren Teilchen bekannt sind, als Vorlage dienen, um bspw. das Verhältnis ethischer Begriffe wie „Gut“ und „Böse“ adäquat zu erfassen. Römer konnte deutlich machen, dass ein Weltbild, welches allein auf der zweistelligen Entweder-oder-Logik sowie dem mechanischen Kausalitätsmodell beruht, mitunter nicht geeignet ist, um komplexe Phänomene zu modellieren, ohne einen Bedeutungsverlust hinzunehmen. Die Verallgemeinerte Quantentheorie könnte im Hinblick auf diese Problemfelder einen begrifflichen Rahmen darstellen, der eine strukturelle Alternative zum Reduktionismus bietet. [1] [2]

Der Grundlagenforscher PD Dr. Stephan Baumgartner berichtete über Versuche mit homöopathischen Hochpotenzen – in denen rein rechnerisch kein Molekül der Ausgangssubstanz mehr enthalten ist – an Kaulquappen: Thyroxin D30 ist hierbei in der Lage, die Metamorphose von Kaulquappen zu Fröschen signifikant zu verlangsamen. [3] Diese Experimente sind vor allem deswegen spannend, weil sie mittlerweile über viele Jahre mehrfach wiederholt wurden; verschiedenen Forschern gelang es, unabhängig voneinander und in unterschiedlichen Laboren den gemessenen Effekt in einer durchschnittlichen Größenordnung von ca. 10% stabil zu reproduzieren. [4] Eine solche unabhängige Replikation ist die Voraussetzung dafür, dass ein Phänomen allgemeine Anerkennung findet. Denn einzelne Forscher laufen stets Gefahr, dass ihre Experimente einer unerkannten Fehlerquelle ausgesetzt sind.

Homöopathie

aus Sicht der Carstens-Stiftung : Natur und Medizin


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Dr. Klaus von Ammon vom IKOM (Institut für Komplementärmedizin) in Bern präsentierte eine methodisch ausgefeilte Studie mit AD(H)S-kranken Kindern. [5] Der Leidensdruck bei den Betroffenen kann sehr hoch sein, und die Standardtherapie mit Methylphenidat alias Ritalin bewirkt keine Heilung, geht aber häufig mit deutlichen Nebenwirkungen einher. Daher stellten sich die Forscher im Rahmen ihrer Studie die Frage, ob die Homöopathie bei Störungen aus dem Bereich der Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörungen eine wirksame Therapieoption ist. Diese Frage kann auf Grundlage der mehrfach preisgekrönten Untersuchung mit einem klaren „Ja“ beantwortet werden: 62 Kinder erlebten von der Einstiegsphase des Projekts über eine randomisierte Doppelblindstudie bis hin zur nachfolgenden Langzeitbeobachtung im Durchschnitt eine Besserung Ihrer Beschwerden um 63%. Die Gruppe um von Ammon zieht daher die Schlussfolgerung: „Die Homöopathie kann damit als eine wissenschaftlich fundierte Methode zur Behandlung hyperaktiver Kinder betrachtet werden.“ [5]

Diese und weitere Vorträge sorgten für viele interessante Diskussionen. Der Kongress Science meets Homoeopathy ist damit sicherlich eine Veranstaltung mit Potential, die es verdient, mehr Aufmerksamkeit zu bekommen. Ein größeres Publikum und mehr Beteiligung von Seiten der Homöopathiekritiker wären wünschenswert, um die Forschung voranzutreiben und die bereits vorhandenen Erkenntnisse zur Homöopathie einem weiteren Kreis zugänglich zu machen.

Literatur

1) Atmanspacher, H., Römer, H., Walach, H.: Weak Quantum Theory: Complementarity and Entanglement in Physics and Beyond. In: Foundations of Physics 32 (2002): 379-406 Opens external link in new windowAbstract

2) Walach, H. von Stillfried, N.: Generalised Quantum Theory: Basic Idea and General Intuition - A Background Story and Overview. In: Axiomathes (2011), 21(2): 185-209 Opens external link in new windowAbstract

3) Harrer, B.: Replication of an Experiment on Extremely Diluted Thyroxine and Highland Amphibians. In: Homeopathy (2013), 102: 25-30 Opens external link in new windowAbstract

4) Lingg, G., Endler P.C.: Highland Amphibians: Recalculation of Data From 1990 to 2010 on the Effects of Extremely Diluted Thyroxine. In: Int J High Dilution Res (2011), 10(37): 311-324 Opens external link in new windowAbstract

5) Frei, H., Everts, R., v. Ammon, K., Thurneysen, A.:
Homöopathische Behandlung von hyperaktiven Kindern: Ergebnisse einer randomisierten, placebo-kontrollierten Doppelblindstudie mit Crossover. In: Zeitschrift für klassische Homöopathie (2006), 50: 5-12 Opens external link in new windowAbstract

Dr. Jens Behnke, Carstens-Stiftung : Natur und Medizin

Dr. Jens Behnke

Programmleitung Homöopathie in Forschung und Lehre

Telefon: 0201 56 305 13 und 0178 5594 308
E-Mail: Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-Mailj.behnke@carstens-stiftung.de


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(Veronica Carstens)