Studien kurz und knapp

Pranayama-Yoga lässt COPD-Patienten besser durchatmen

In einer Studie steigerten Yoga-Atemübungen (Pranayama) die Belastungstoleranz von Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung bei sportlicher Betätigung.

Nicht-medikamentöse Verfahren gewinnen in der Behandlung der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD, von engl. Chronic Obstructive Pulmonary Disease) zunehmend an Bedeutung. Entscheidend für die Steigerung der Lebensqualität und Senkung der Mortalität von COPD-Patienten sind Maßnahmen, die die krankheitsspezifische Lungenüberblähung mindern. Dies wird standardmäßig durch eine (duale) Bronchodilatation (medikamentöse inhalative Therapie) erreicht. Patienten wird jedoch mittlerweile als gleichwertige Maßnahme neben der Medikamententherapie mittels Bronchodilatatoren auch regelmäßige körperliche Aktivität zur Verbesserung der Atemfunktion empfohlen.
Wissenschaftler griffen diesen Gedanken auf und konzipierten eine Studie, die untersuchen sollte, inwiefern regelmäßiges Yoga-Training zur Belastungstoleranz in Form von verminderter Atemnot während sportlicher Betätigung beitragen kann. [1] Insbesondere die Atemübungen (Pranayama) – in Ergänzung der Haltungen beim Yoga – tragen zu einer Verbesserung der Atemfunktionen bei und sind zudem einfach durchzuführen.

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Im Rahmen der Doppelblindstudie wurden 43 Patienten mit moderater bis schwerer COPD nach dem Zufallsprinzip zwei Gruppen zugewiesen. Beide Gruppen erhielten im Rahmen einer standardisierten Sitzung initial sowie an den zweimal wöchentlich für zwei Wochen erfolgenden Besuchen im Studienzentrum eine allgemeine Aufklärung zum Umgang mit ihrer Erkrankung. Während es für die Kontrollgruppe dabei blieb, erhielten die Patienten der Yoga-Gruppe ein halbstündiges Training zur korrekten Durchführung der Pranayama-Atemtechniken, die sie dann über einen Zeitraum der nachfolgenden zwölf Wochen täglich für je eine halbe Stunde zu Hause durchführen sollten. Des Weiteren erhielten sie eine DVD mit Anweisungen zu den Übungen. Die den Patienten vermittelte Pranayama-Technik bestand in der sog. Dreiteiligen Atmung (Dirgha Pranayama). Die Wahl der Wissenschaftler fiel auf diese Technik, da diese besonders leicht zu praktizieren ist und zudem zu einer besonders tiefen Atmung und somit gesteigerten Lungenentleerung zwischen den Atemzügen führt. Nach sechs Wochen wurden beiden Gruppen nochmals Aufklärungsunterricht sowie Pranayama-Training erteilt, nach zwölf Wochen erfolgten dann die abschließenden Erhebungen COPD-spezifischer Werte wie Wasserstoffperoxid (H2O2) im Atemkondensat sowie das Hormon 8-Isoprostan, die beide Marker für einen vermehrten oxidativen Stress darstellen, sowie anderer Entzündungsmarker. Ebenfalls gemessen wurden Parameter wie Atemnot und der Strömungswiderstand der Atemwege. Zusätzlich machten die Probanden über den kompletten Zeitraum der Studie per Fragebögen Angaben zu ihrer individuellen krankheitsspezifischen Symptomatik und der Häufigkeit und Länge der durchgeführten Pranayama-Übungen sowie ihrer sportlichen Betätigungen.

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Laut Angabe der COPD-Patienten wurden die Pranayama-Übungen für 12 Minuten pro Tag praktiziert. Im Vergleich mit der Kontroll-Gruppe war nach Studienende eine signifikante Verbesserung der COPD-Symptomatik in dieser Gruppe festzustellen. Außerdem betätigten sich die Probanden in der Pranayama-Gruppe deutlich öfter sportlich als in der Kontroll-Gruppe. Die objektiven Messungen ergaben signifikante Verbesserungen der H2O2- und 8-Isoprostan-Werte in der Therapiegruppe, jedoch waren keine Unterschiede zwischen beiden Gruppen hinsichtlich entzündungsspezifischer Marker (C-reaktives Protein, RDW-CV und Interleukin-6) festzustellen.

Einschätzung:

Trotz des positiven Resultats hinsichtlich einer erhöhten Belastungstoleranz bei der Ausübung sportlicher Aktivitäten durch tägliche Pranayama-Übungen lässt die Studie noch viele Fragen unbeantwortet. So wurden COPD-spezifische psychisch relevante Parameter wie Wohlbefinden, Angst und Depression nicht gemessen. Ebenfalls unklar bleibt, ob die Effekte der zu Hause praktizierten Atem-Übungen deutlicher gewesen wären, wenn sich die Probanden an die vorgeschriebene Übungsdauer von einer halben Stunde gehalten hätten. Die Verbesserung der Werte in der Pranayama-Gruppe könnte zudem auch auf die vermehrte sportliche Aktivität der Probanden zurückzuführen sein. Da diese jedoch nach Vermutungen der Wissenschaftler auf dem gesteigerten Wohlbefinden durch die Pranayama-Praxis begründet liegen könnte, wäre diese Entwicklung zugunsten der Intervention positiv zu bewerten.

Als vorläufiges Ergebnis lässt sich festhalten, dass die regelmäßige Durchführung von Pranayama-Übungen eine ideale und einfache, da zu Hause zu praktizierende, Alternative für COPD-Patienten darstellt, die aus verschiedenen Gründen keine Gelegenheit zu einer Teilnahme an Yogakursen oder pulmonalen Rehabilitationsprogrammen haben. Die vorliegenden Ergebnisse sollten jedoch in weiteren Studien mit längerer Studiendauer und einer Einbeziehung einer größeren Probandenzahl und weiterer Parameter noch weiter präzisiert werden.

Literatur

1) Kaminsky DA, Guntupalli KK, Lippmann J, Burns SM, Brock MA, Skelly J, DeSarno M, Pecott-Grimm H, Mohsin A, LaRock-McMahon, C, Warren P, Whitney MC, Hanania NA. Effect of yoga breathing (Pranayama) on exercise tolerance in patients with chronic obstructive pulmonary disease: a randomized, controlled trial. J Altern Complement Med 2017; 23(9): 696-704 Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

Daniela Hacke

Daniela Hacke, M.A.
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