Studien kurz und knapp

Osteopathie als Reha-Element nach einer Herz-OP

Weniger Schmerzen, ein größeres Atemvolumen sowie einen kürzeren Krankenhausaufenthalt kennzeichneten Patienten, die im Anschluss an eine Sternotomie zusätzlich osteopathisch behandelt wurden.

Trotz zunehmender Weiterentwicklung minimalinvasiver Operationstechniken ist die Durchtrennung des Brustbeines (Sternotomie) zur chirurgischen Behandlung von Herzpatienten, um zum Beispiel einen Bypass in eine Koronararterie oder eine neue Herzklappe einzusetzen, oftmals unvermeidbar. Den infolge dieses massiven Eingriffs auftretenden Schmerzen im Brustkorb kann mit entsprechenden medikamentösen Schmerz- und Entzündungshemmern entgegengewirkt werden. Jedoch können diese unerwünschte Nebenwirkungen wie eine Veränderung der Blutgerinnung oder Störungen der Ausscheidungsorgane zur Folge haben und damit zu Komorbiditäten und einer Verlängerung des Genesungsprozesses führen. Ein nicht-medikamentöses Behandlungsverfahren gegen Schmerzen ist die Osteopathie, bei der Störungen des Körpergefüges und Einschränkungen der Beweglichkeit manuell ertastet und behandelt werden.

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In einer einfach verblindeten, randomisierten Studie wurden 80 Patienten in einem Mailänder Rehabilitationszentrum nach einer kardiologischen Operation mit Sternotomie bis zu ihrer Entlassung der herkömmlichen rehabilitativen Behandlung unterzogen. Die Hälfte von ihnen erhielt zusätzlich osteopathische Anwendungen. Vor Beginn und am Ende des Rehaprogramms wurden die Schmerzintensität, die Atem- und kardiorespiratorische Kapazität sowie die mentale Verfassung (Angst, Depression) der Probanden erfasst.

In beiden Gruppen sank im Zuge der Behandlung die Schmerzintensität, das Atemvolumen nahm zu und auch die kardiorespiratorische Kapazität, gemessen mittels 6-Minuten-Gehtest, verbesserte sich. Ebenso waren alle Probanden am Ende der Rehaphase weniger ängstlich und depressiv. Während sich hinsichtlich der psychischen Verfassung, der kardiorespiratorischen Kapazität und der Menge der verabreichten Schmerzmedikamente kein Unterschied zwischen den beiden Behandlungsgruppen zeigte, hatten die zusätzlich osteopathisch behandelten Patienten signifikant weniger Schmerzen und ein deutlich größeres Atemvolumen. Darüber hinaus konnten sie die Klinik durchschnittlich 2 ½ Tage eher verlassen als die Patienten ohne Zusatzbehandlung.

Einschätzung:

Von der Integration einer osteopathischen Therapie in das herkömmliche Rehabilitationsprogramm nach einer operativen Öffnung des Brustkorbes können Herzpatienten hinsichtlich der postoperativen Schmerzen profitieren. Durch die geringeren Schmerzen sind die Patienten weniger in ihrer Atmung eingeschränkt und können alltägliche Bewegungen frühzeitiger wieder ausüben.

Dass in der vorliegenden Studie hinsichtlich der Medikation mit Analgetika und Antiphlogistika dennoch kein Unterschied zwischen den beiden Gruppen bestand, hängt damit zusammen, dass die gegenüber der unterschiedlichen Rehabehandlung der Patienten verblindeten Ärzte eine entsprechende Medikation auf Basis der Eingangswerte zu Rehabeginn und aus ihrer Behandlungserfahrung heraus angeordnet hatten. Die Überprüfung, in welchem Maße diese Medikation durch eine zusätzliche osteopathische Behandlung herabgesetzt werden kann, könnte das Ziel einer weiteren klinischen Studie sein.

Literatur

Racca V, Bordoni B, Castiglioni P, Modica M, Ferratini M. Osteopathic manipulative treatment improves heart surgery outcomes: a randomized controlled trial. Ann Thorac Surg 2017; 104(1): 145-152. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

Petra Koczy

Petra Koczy, Dipl.-Biol.
Fachbereich Bibliothek | Informationsmanagement

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E-Mail: Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-Mailp.koczy@carstens-stiftung.de


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